Und noch einmal: Neonazis und (keine) Polizei in Sachsen-Anhalt
Ein 18-Jähriger ist bei einem rassistischen Übergriff am 30. Juni 2007 in Wittenberg verletzt worden. Die Nachrichtenagentur ddp berichtet, die Polizei habe erst nach mehreren Tagen bekannt gegeben, dass der junge Mann am Rande eines Festes und Fußballturniers von mehreren Unbekannten bedroht und geschlagen worden sei. Bei dem Opfer handelt es sich den Angaben zufolge um einen schwarzen Deutschen. Auch fünf seiner Freunde seien geschlagen worden, als sie ihm helfen wollten, teilte Steffen Andersch von der Netzwerkstelle gegen Rechtsextremismus in Dessau mit. Einer der Angreifer habe eine Zigarette am Hals des Opfers ausgedrückt.
Andersch kritisierte zum wiederholten Male das Vorgehen der Polizei. Erst nach einem zweiten Notruf seien Beamte am Tatort eingetroffen. Diese hätten nur zögerlich nach den Tätern gesucht. Auch die für das Fest zuständigen Sicherheitsleute hätten nichts unternommen und argumentiert, so etwas falle nicht in ihr Aufgabengebiet.
Halberstadt: Polizei räumt Fehler ein…
Unterdessen stellte ein Untersuchungsbericht nach dem Neonazi-Überfall auf eine Theatergruppe in Halberstadt am 09. Juni 2007 deutliche Mängel bei dem anschließenden Polizeieinsatz fest, berichtete ddp am 07. Juli 2007. Es habe an Führungskompetenzen gemangelt, da weder der Dienstgruppenleiter, noch ein erfahrener Streifeneinsatzführer vor Ort gewesen sei, heißt es in dem von der Polizei in Halberstadt vorgelegten Bericht. Darin wird eingeräumt, dass die beteiligten Beamten mit der Lage überfordert gewesen seien. Als Konsequenz sei der Dienstgruppenleiter in den Innendienst versetzt worden.
Gleichzeitig widersprach die Polizei den Vorwürfen, die Beamten seien erst verzögert am Tatort eingetroffen. Auch der Tatbestand der Strafvereitelung im Amt sei nicht erfüllt worden, behaupten die Verfasser des Berichts. Vorwürfe gegen die Polizei vom 25. Juni 2007 wurden aber offenbar noch nicht untersucht.

