MVP: Überfall auf einen `Kubaner`
Am Rande der Ueckermünder Hafftage haben Jugendliche in der Nacht zum 28. Juli 2007 laut einem Bericht der Nachrichtenagentur ddp einen `kubanischen Musiker` krankenhausreif geschlagen. Der 31-Jährige sei gemeinsam mit zwei `peruanischen` Kollegen aus einer Gruppe von etwa 20 Jugendlichen heraus angegriffen und schwer verletzt worden, sagte ein Polizeisprecher in Ueckermünde den Angaben zufolge. Der `Kubaner` habe schwere Kopfverletzungen erlitten, darunter einen Kiefer- und einen Nasenbeinbruch, und wurde in ein Krankenhaus eingeliefert, hieß es in dem Bericht.
Zwei 17 und 21 Jahre alte Tatverdächtige aus Ueckermünde beziehungsweise Demmin wurden den Angaben zufolge von der Polizei festgenommen. Ausländerfeindliche Motive könnten zum gegenwärtigen Stand der Ermittlungen ausgeschlossen werden, so die Polizei. Und nun die interessante Begründung: Denn die Jugendlichen seien stark alkoholisiert gewesen. Aha.
`Kubaner`, wohnhaft in Sachsen, mit deutschem Pass
Doch es kommt noch schlimmer: `Der im sächsischen Chemnitz lebende Kubaner und seine Kollegen, die laut Polizei alle deutsche Pässe besitzen, wollten bei den Hafftagen auftreten.` Ein Kubaner, der in Chemnitz lebt und einen deutschen Pass `besitzt`?!? Sollte es sich letztendlich womöglich um einen Deutschen handeln? Und war die Tat vielleicht deshalb nicht `ausländerfeindlich`, weil es sich nämlich gar nicht um Ausländer gehandelt hatte – sondern um Deutsche.
Oder aber, weit naheliegender: Dunkelhäutige Menschen können für die Polizei in Ueckermünde (sowie in vielen anderen Orten) keine Deutschen sein. Sie `besitzen` vielleicht einen deutschen Pass, echte Deutsche sind sie damit aber noch lange nicht.
Was den Lesern aber die Bezeichnung Kubaner sagen sollte und wovor sich die Polizei und ddp in der gesamten Meldung drückt: Wenn überhaupt, dann handelte es sich um einen `rassistisch` motivierten Überfall. Und Deutsche zu Ausländern zu machen, weil sie nicht weiß sind, ist übrigens auch rassistisch.
Sprachlicher Leitfaden: Ausländerfeindlich oder rassistisch?

Natürlich handelt es sich bei dem Mann um einen Kubaner mit deutschem Pass, was ist denn daran verkehrt? Ein Dokument ändert doch nicht meine Herkunft, was soll denn der Blödsinn? Ein Deutscher, der sich in Kuba niederlässt wird doch auch nicht zwangsläufig zum Kubaner! Was, bitte sehr, hat das denn mit Rassismus zu tun?
Natürlich handelt es sich bei dem Mann um einen Kubaner mit deutschem Pass, was ist denn daran verkehrt? Ein Dokument ändert doch nicht meine Herkunft, was soll denn der Blödsinn? Ein Deutscher, der sich in Kuba niederlässt, wird doch auch nicht zwangsläufig zum Kubaner! Was, bitte sehr, hat das denn mit Rassismus zu tun?
Wenn er einen deutschen Pass hat, ist er Deutscher. Es kann sich somit nicht um einen ausländerfeindlichen Überfall handeln. Das weiß die Polizei auch. Warum schreibt sie dennoch von einem möglicherweise ausländerfeindlichen Motiv?
Weiterhin wäre ich durchaus Kubaner, wenn ich mich in Kuba niederlasse und die kubanische Staatsbürgerschaft annehme.
In MeckPomm wundert einen sowas ja eh nicht. In diesen seltsamen Gegenden Deutschlands ist die Polizei ja schon mehr oder weniger zur Vororganisation der NPD geworden.
Widerlich!
@ Dieter Parker
Wie ist denn der Begriff für Pauschalverurteilungen gegenüber einem ganzen Bundesland?
Übrigens sollte man die Ermittlungen abwarten und nicht gleich von Rassismus sprechen, nur weil verschiedene Hautfarben beteiligt waren.
Katrin Stadelmanns Kommentar zeigt einmal mehr, dass auch 60 Jahre nach Kriegsende das Konzept der völkischen Staatsbürgerschaft immer noch das vorherschende in Deutschland ist.
Um mal deutlich zu machen, wie unsinnig es ist, die Staatsbürgerschaft an ethnische Zugehörigkeiten zu binden: Ich bin Deutscher Staatsbürger, mein Opa ist Kriegsflüchtling aus Ostpreußen und niemand ist bisher jemals auf die Idee gekommen, mich als “Ausländer” oder “Nicht-Deutscher” zu bezeichnen. Dennoch habe ich einen russischen Nachnamen, der darauf hinweist, dass meine Vorfahren aus einem kleinen Dorf an der russisch-ukrainischen Grenze nach Ostpreußen eingewandert sind. Also bin ich genaugenommen allenfalls ein Mischling, aber kein “reinrassiger” Deutscher. Das gleiche gilt natürlich auch für alle Sinkewitz’, Kaminskis, Watzlawiks, de Mazières, Ronellefitschs und Piechottas. Nur mal so als Denkanstoß…
Auf die Frage der Nationalität, wer ist deutsch oder darf Deutscher sein hat die NPD selbst keine richtige Antwort. Udo Voigt hat einmal gesagt (Quelle unbekannt), dass der deutsch sei, der einen deutschen Vater habe.
Interessant ist bei diesem Thema, das es nicht lange dauert bis ein NPD’ler die braune Katze aus dem Sack lässt.
Ähnlich verhält es sich beim Thema Globalisierung, hier scheint eine Erklärung ohne Bezug auf das so genannte Weltjudentum oder Zioismus nicht möglich zu sein.
Zwei Beispiele die zeigen, man kann auch argumentativ etwas erreichen. Und es ist doch auch ein Erfolg Otto Normalbürger zu überzeugen, es muss ja nicht immer versucht werden, rechts nach links zu bekehren.
Hmm, ob das nun eine rassistisch motivierte Straftat gewesen ist, sei mal dahingestellt. Das hätte echt nicht sein müssen.
Ich bin dafür, daß je nach Fall Straftaten unter Alkoholeinfluß härter bestraft werden als üblich.
Allein die Tatsache, daß da wohl mehere Menschen auf einen gegangen sind um den sonstwas zu schlagen (vielleicht sogar zu töten?), sollte doch eigentlich ausreichen, um die so zu betrafen, daß die sich das beim nächsten mal vielleicht doch noch mal überlegen, bevor die nochmal sowas veranstalten.
Btw. er war Deutscher, er hatte ja einen deutschen Pass. Weiß nicht, wo da das Problem ist…
Deutsch ist, in meinen Augen, wer deutsche Kultur lebt.
Natürlich wäre “Deutscher kubanischer Herkunft” oder “Maximalpigmentierter Mitbürger” besser gewesen; schon allein, damit man merkt, dass es ein HIER lebender Mensch ist.
Übrigens sind solche Aussagen á la “M-Vs Polizei ist auf NPD Seite”, “60 Jahre nach Kriegsende”, usw. ziemlich dumm.
“weit naheliegender: Dunkelhäutige Menschen können für die Polizei in Ueckermünde (sowie in vielen anderen Orten) keine Deutschen sein” also BITTE.
Und was ist deutsche Kultur leben?
“Deutsch ist, in meinen Augen, wer deutsche Kultur lebt.”
Hmm, wenn also ein Deutscher in seiner Freizeit Cowboy (er mag z.B. Reiten, Countrymusik u.ä.) ist, dann ist er also kein Deutscher mehr, da er sein persönliches Glück in einer “fremdländischen” Kultur pflegt?
Oder ein deutscher Jazzmusiker ist also kein Deutscher mehr, nur weil er musikalisch nicht auf “germanischen” Boden verweilt?
Naja, ich weiß nicht so recht…
Deutsch, ja oder nein ist kein Wunschkonzert und darf auch keins sein. Schon zu sagen, in meinen Augen ist deutsch, wer dies oder das erfüllt, ist der falsche Weg.
Und das Leben der oder einer deutschen Kultur bedarf tatsächlich näherer Ausführungen, zumindest im Ansatz.
Der Paß der BRD ist ja inzwischen nur noch ein Lappen, den man sich nimmt wenn es gerade paßt und den man wieder abgibt, wenn es sich woanders günstiger lebt. Daß damit kein Bestand zu schaffen ist, den ein Land braucht, um seine Aufgaben über die Zeiten erfüllen zu können ist klar.
Für mich bleibt ein Kubaner aus Kuba, auch wenn er hier lebt und den Lappen hat, weil er ihn wieder abgeben wird, wenn die Zeiten schlechter werden.
Diese Konzept ist nicht durchdacht, es ist eine vorläufige und vor allem politische Veranstaltung. Alle Kommentare die hier darauf abheben, daß er natürlich Deutscher sei, allein dadurch, daß er den Lappen hat wissen, daß es dabei nur darum geht, uns endlich daran zu gewöhnen, daß das eigene Volk nichts zählt und man die Staatsbürgerschaft fortan nur noch als Lappen kennzeichnen kann. Die BRD ist ein Gebilde aus vielen undurchdachten Vorläufigkeiten. Wir werden sehen wie es die sogenannten Deutschen halten, wenn wir richtig in der Scheiße stecken.
@Dirk: Sie denken da vielleicht ein wenig zu negativ oder? Warum sollte für uns das “eigene” Volk nichts zählen? Was ist übrigens das “eigene” Volk? Die Menschen die hier leben? Bitte um Erklärung.
Ich kenne einen Exil-Kubaner, seines Zeichens Chirug, der wesentlich “deutscher” denkt hinsichtlich Arbeitsauffassung und Hingabe im Beruf usw., als so mancher “korrekter Deutscher”, welcher auf die Reinheit des deutschen Volkes pocht.
Und wiegesagt, letztendlich ist es eigentlich auch egal ansich, wie dieser Mensch betitelt wurde. Das was ihm widerfahren ist, war eindeutig des Guten zuviel. Damit gehen sie doch dakor oder?
@Dirk:
Sag mir mal ein Land, wo sich die Staatsbürgerschaft zu 100% mit einer homogenen Volksidentität deckt.
Nein, okay, ich gebe zu, das ist fies, anders: Sag mir mal ein Land, indem es wirklich nur ein Volk gibt, dass sich klar von anderen Völkern abgrenzen lässt und keinerlei Minderheiten integriert hat oder innerhalb der eigenen Staatsgrenzen besitzt.
Abgesehen von einigen Pazifikstaaten fällt mir da nicht viel ein…
Ich möchte da einmal den Kabarettisten Volker Pispers zitieren, quasi eine Antwort auf Schröders unsägliche Aussage im September 2001, von wegen wir sind heute alle Amerikaner:
“Amerikaner sein ist grad ganz schlecht. Zum deutsch sein komm ich auch nur ganz selten, da Mensch sein schon außerordentlich schwer ist.”
@Dirk: Außer Allgemeinplätze haben Sie offenbbar nichts zu bieten. Was ist denn nun deutsche Kultur leben? Was bedeutet das konkret? Und lebt Kevin Kuranyi deutsche Kultur? Was ist mit Roberto Blanco? Ist Rechtsrock deutsche Kultur? Diese Musik (Rocknroll) kommt aus den “kulturlosen” USA. Oh weh.
@Alle
Immerhin haben Allgemeinplätze die Eigenschaft, deutlich zu machen wo die Ecken und Kanten einer Geschichte liegen. Daß in einem Blog keine Diskussion zu führen ist, wie es in diesem Falle angebracht wäre, scheint hoffentlich jedem hier klar zu sein, weil einfach der Platz fehlt. Man vergebe mir also die allgemeine Tendenz meiner Aussagen. Fällt Euch sicher nicht schwer, Ihr schreibt ja auch nur Allgemeines!
Und nun eine Frage an alle Menschen hier: Was ist, wenn es drauf ankommt? Wird das schnell gewebte Band halten? Oder ist die Identität etwas anderes, tieferes? Noch geht es der BRD gut genug, um mit Geld ruhig zu halten, was aber wird sein, wenn das alles nicht mehr hält? Diese Frage ist noch nicht beantwortet worden.
Das ganze Geschwafel über den Menschen könnt ihr euch getrost sparen, es sind auch nur Allgemeinplätze.
Und noch etwas, was soll das Argument über den Ausländer, der deutscher als ein Deutscher sei? Ich kenne auch einige davon, ich wohne nämlich in Berlin und da ist das zwangsläufig. Und zu guter letzt die Frage: Was soll uns die Aufzählung von ein paar kulturellen Belanglosigkeiten (Rechtsrock, Roberto Blanco usw.) sagen?
Ich weiß nicht was man hier für Kultur hält, ich persönlich halte das für unerheblich, weil es mit Deutschland nichts zu tun hat. Es ist nur schlechte Attitüde.
@Dirk: Hmm, deine Aussagen stimmen mich ehrlich gesagt ein wenig traurig. Auch wenn man es meinem Vornamen nicht ansieht, meine Eltern kommen ursprünglich aus Indien. Ich wurde hier geboren, allerdings habe ich die deutsche Staatsangehörigkeit erst vor ein paar Jahren beantragt. Nicht weil es bequemer für mich war, sondern aus Überzeugung. Ich fühle mich einfach mehr als Deutscher. Ich habe keine Verbindung mit Indien, außer durch meine Eltern, meine Muttersprache ist Deutsch, ich denke deutsch, ich esse deutsch, wieso kann ich dann nicht auch ein Deutscher sein? Nur wegen meiner Hautfarbe? Es gibt genug “hellhäutige Deutsche”, die sich trotzdem unter den Asi-Toaster legen, also wo ist da der Unterschied?
All diese Aussagen können auch vielleicht von diesem Kubaner stammen. Oder vielleicht auch von den meisten Deutschen mit Migrationshintergrund. Oder vielleicht auch nicht. Wer weiß. Aber wir dürfen auf keinen Fall verallgemeinern, wir haben einfach kein Recht dazu, der Mensch ist ein Individuum; ihn in eine Schublade stecken zu wollen, käme blanker Ignoranz gleich.
Wie sollen wir also wissen, ob ein Deutscher mit Migrationshintergund wirklich ein Deutscher ist? Wie sollen wir wissen ob überhaupt “Deutsche” wirklich “Deutsche” sind? Was ist zum Beispiel, mit diesen Deutschen in den Doku-Soaps, die aus Deutschland auswandern? Was denken sich diese Leute dabei? Wo bleibt da die “deutsche Identität”? Spielt sie noch eine Rolle bei diesen Menschen?
Wer weiß. Aber ist es nicht an diesen selber, das zu entscheiden? Denn darauf kommt es am Ende an: Die Entscheidung. Ich habe mich dazu entschieden Deutscher zu sein, nicht aufgrund meiner Herkunft, sondern weil ich es will. Deutschland ist meine Heimat, und sie wird es immer bleiben, auch in schlechten Zeiten und ich würde nie im Leben auf die Idee kommen, auszuwandern. Und vielleicht ist das bei den anderen auch so. Habe einfach mehr Vertrauen zu uns “Deutschen mit Migrationshintergrund”. Denn das ist es doch eigentlich, was ein Volk zusammenhält: Das Vertrauen zueinander, Vertrauen auf die gemeinsame Nation.
@Dirk:
Was heißt hier Allgemeinplätze? Wieso ist es ein Allgemeinplatz, wenn man fragt, wo denn jetzt bitte “Deutsch” beginnt oder warum jemand, der als Kubaner geboren ist, niemals ein Deutscher sein kann, ich aber, der in der fünften, sechsten oder siebten Generation Deutscher ist, schon. Ich und Sven identifizieren uns schließlich genauso als Deutsche wie mein freund, dessen Familie seit über 900 Jahren nachwesilich immer auf dem selben Hof im Emsland gesessen hat.
Außerdem frage ich mich, wieso jemand, der die Deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, seinen Lappen nach belieben wieder abgeben sollte. Doppelte Staatsbürgerschaft ist offiziell in Deutschland nicht erlaubt und so wird es nur wenige geben, die tatsächlich noch eine zweite Staatsbürgerschaft besitzen. Und Staatenlosigkeit ist keine wirkliche Alternative…
Apropos: Wieviele Leute kennst du denn so, die aus oportunistischen Gründen ihre Staatsbürgerschaft gewechselt haben? Ich kenne da niemanden und habe auch noch nie von so einem Fall gehört…
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