Linker Antisemitismus: Völkerrechtswidrige Kiechererbsen
Die Linkszeitung berichtet am 20. August 2007 über den Protest gegen die Israel-Woche bei Kaufhof. Dabei arbeitet der Autor mit auch bei Rechtsextremisten und militanten Islamisten beliebten Argumentationsmustern. Israel benutze die Shoa um Palästinenser zu unterdrücken und einen Krieg gegen den Iran vorzubereiten: `Die Forderung der Gruppe nach einem eigenständigen palästinensischen Staat neben Israel mit der systematischen Ermordung von 6 Millionen Juden/Jüdinnen gleichzusetzen, eben das ist eine schamlose Instrumentalisierung der Opfer des Holocausts. Aber so etwas geht ja auch, wenn es heißt, einen Krieg gegen den Iran oder die Unterdrückung der PalästinenserInnen zu rechtfertigen.`
Die Linkszeitung meint abschließend zu der Aktion: `Es wird die AktivistInnen noch viel Arbeit kosten, bevor die Solidaritätsbewegung gegen die israelische Apartheid ein ähnliches Ausmaß annimmt wie die Bewegung in den 80er Jahren gegen die Apartheid in Südafrika.`
Polemisch, aber treffend
Zu diesem Boykottaufrufen bei Kaufhof schreibt Henryk M. Broder: `So wie `Vietnam` damals ein mieser, verlogener Vorwand war, um die antiamerikanische Sau durch das völkische Dorf zu treiben, sind die `völkerrechtswidrig errichteten zionistischen Siedlungen in den besetzten Gebieten` heute ein Vorwand für ein paar lustige antisemitische Exerzitien – durchgeführt von den gleichen Leuten, die bei anderer Gelegenheit keine Hemmungen haben, zu Solidaritätsaktionen für den `irakischen Widerstand` aufzurufen, der ein Blutbad nach dem anderen anrichtet. Und würden die Avocados und die Kichererbsen für die Herstelung von Humus und Falafel nicht aus den `besetzten Gebieten`, sondern aus irgendeinem Kibbutz hinter Afula kommen, müßten die Freunde des judenfreien Palästinas nur ein wenig argumentativ umdisponieren. Sie würden dann sagen, dass die Traktorfahrer aus dem Kibbutz ihren Armeedienst in den besetzten Gebieten leisten – was ohne Zweifel stimmt – und man deswegen ´Israel` und die `besetzten Gebiete` weder ökonomisch noch politisch separieren kann – was auch richtig ist.
(…) Zu dem Martyrium der bulgarischen Krankenschwestern und des palästinensischen Arztes in Libyen fiel ihm nix sein, nicht einmal nachdem der Ghaddfi-Sohn zugegeben hatte, dass der ganze `Prozess` eine Farce war, um Vorteile für Libyen zu erpressen, Er ruft auch nicht zu einem Boykott chinesischer Produkte auf, obwohl China seit 1950 Tibet besetzt hält, und wenn man ihn nach der Geschichte Kaschmirs oder der Westsahara fragen würde, müßte er die Begriffe erst einmal googeln. Nur bei Palästina, da weiss er bescheid.`
In der israelischen Öffentlichkeit hat der Boykottaufruf in der deutschen Hauptstadt eine Debatte entfacht. In der Haaretz schreibt ein Leser: `3.6 billion in trade to Iran in 2006. Support a regime like that of Tehren and protest some spices? What a bunch of morons.` Ein anderer geht mit den deutschen Moralaposteln und deren Großeltern härter ins Gericht: `I always try to avoid buying products made in Germany. I will never forgive and forget!`

