Brandenburg: Anklage wegen Angriff auf Journalistin
Wegen eines Angriffs auf eine Journalistin im brandenburgischen Blankenfelde ist gegen einen 32-jährigen Neonazi Anklage erhoben worden. Er soll im November vergangenen Jahres am Rande einer Veranstaltung der Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) die Frau attackiert und verletzt haben, sagte ein Sprecher der Potsdamer Staatsanwaltschaft laut Medienberichten. Gegen einen mutmaßlichen Mittäter werde noch ermittelt; das Verfahren gegen einen weiteren Mann sei mangels Tatverdacht eingestellt worden.
Die HDJ könnte eine Nachfolgeorganisation der verbotenen `Wiking Jugend` sein, vermuten Experten. Die HdJ führt Zeltlager durch, Reisen nach Südtirol und Schweden, organisiert Sonnenwendfeiern und andere Veranstaltungen für Jugendliche. So will die HDJ Nachwuchskräfte für die Neonazi-Szene rekrutieren. Auch viele Kinder von Neonazis werden zur HDJ geschickt, sie ist ein Teil der rechten Parallelwelt, die Menschen von der `Wiege bis zur Bahre` integrieren soll. `Kinder ab sechs Jahre werden sowohl geistig als auch militärisch ausgebildet`, heißt es in der Selbstbeschreibung der HdJ.
Bei dem Neonazi-Treffen in Blankenfelde waren rund 200 Personen anwesend, darunter viele Frauen und Kinder. Obwohl die Reporterin das Landeskriminalamt (LKA) in Berlin über das geplante und nicht angemeldete Treffen der Neonazis informiert hatte, waren offenbar keine Beamte vor Ort. In Berlin hatten sich die Neonazis vor dem eigentlichen Treffen gesammelt, um gemeinsam zu der Veranstaltung vor den Toren der Hauptstadt zu fahren. Die Journalistin dokumentierte mit ihrer Kamera das Treiben vor dem Veranstaltungsort – aus Sicherheitsgründen verdeckt neben einem Supermarkt aus etwa 100 Metern Entfernung. Denn die Journalistin wurde nicht das erste Mal wegen ihrer Arbeit von Neonazis angegriffen. Trotz der Vorsichtsmaßnahme seien sie aber von den Rechtsextremisten bemerkt worden. Drei Neonazis gingen zum Angriff über, die Journalistin und ihr Begleiter flüchteten in den gut besuchten Supermarkt. Dort schubsten die Neonazis die Journalistin mehrmals zu Boden, schlugen ihr ins Gesicht. Auch der Kameramann wurde geschlagen und gewürgt.
Polizei ließ offenbar auf sich warten
Nach der Tat habe es rund 45 Minuten gedauert, bis die Polizei eintraf, berichteten die Reporter. Auch die später eingetroffenen Sanitäter hätten mehrmals über Funk Polizeikräfte angefordert, da sich vor dem Supermarkt immer mehr Neonazis sammelten. Die Journalistin bat viele Augenzeugen darum, eine Zeugenaussage bei der Polizei zu machen, doch niemand sei dazu bereit gewesen: `Alle hatten Angst!` Die Neonazis bedrohten später auch noch einen Kameramann des RBB, berichtet das Magazin `Brandenburg aktuell`.

