Rechtsextremisten mit Fantasie(-ausweis)
Das Oberlandesgericht Koblenz hat einen Angeklagten, der einen Fantasieausweis des `Deutschen Reiches` benutzt hat, vom Vorwurf der Urkundenfälschung freigesprochen. Zur Begründung heißt es laut einem Bericht der Nachrichtenagentur ddp, eine Körperschaft `Deutsches Reich` gebe es nicht, gleiches gelte für die angegebene Behörde `Polizeipräsident von Groß-Berlin`. Daher sei eine falsche Angabe über den Aussteller des Papiers rechtlich nicht möglich (Urteil vom 10. Oktober 2007 – 1 Ss 267/07).
Das Gericht wies mit seinem Spruch die Revision der Staatsanwaltschaft zurück. Bei einer Wohnungsdurchsuchung war den Beamten eine Plastikkarte in die Hand gefallen, die der Angeklagte als `Personalausweis des Deutschen Reiches` bezeichnete. Die Karte enthielt neben der Abbildung eines Adlers auch das Passfoto des Angeklagten und bezeichnete als ausstellende Behörde den `Polizeipräsidenten von Groß-Berlin`. Die Staatsanwaltschaft sah darin eine Urkundenfälschung. Dem
folgte das OLG nicht. Der Angeklagte habe Fantasienamen verwendet, hinter denen keine wirklich existierende Stelle oder Person stehe. Er könne daher allenfalls eine Ordnungswidrigkeit wegen Verstoßes gegen das Personalausweisgesetz begangen haben. Das müsse das Amtsgericht in einem neuen Verfahren prüfen.
Allerdings meinen die `Reichsbürger` es durchaus ernst mit ihren Ausweisen und ihrer Organisation. So gibt es auch eine Kommissarische Reichsregierung und ähnliche Späßchen. Außerdem stellen sich die Reichsbürger Führerscheine (also fürs Autofahren) aus und verweigern laut Wikipedia beispielsweise die Kfz-Steuer, da die Bundesrepublik nicht berechtigt sei, diese zu erheben.

Die Reichsbürger übernehmen in Kürze die Regierungsgewalt im Deutschen Reich. Zieht euch alle schon mal warm an, es ist kalt geworden draußen.
Die Satireplattform “Nationales Forum Deutschland (NFD statt NPD!)” hatte vor gut einem Jahr dem ehemaligen Bundesvorsitzenden der NPD, Günter Deckert, einen Fantasie-Ausweis ausgestellt.
Deckert wollte an einer umstrittenen Holocaust-Konferenz in Teheran teilnehmen. Dies wurde ihm von den deutschen Behörden verwehrt. Er musste seinen Reisepass bei der nordbadischen Stadt Weinheim abgeben. Damit sollte verhindert werden, dass der Holocaust-Leugner Deckert dem Ansehen der Bundesrepublik im Ausland schade.
Unter der Überschrift “Günter Deckert ausweisen” stelle die Satireplattform dem Mann einen neuen Ausweis, freilich leicht verändert, aus.
http://www.nationalesforum.de/deckert
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