Nazi-Konzerte: Offenbar Schwerpunkte in Ost- und Süddeutschland
Aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion: “Dem Bundeskriminalamt wurden im Rahmen des polizeilichen Informationsaustausches 97 rechtsextremistische Musikveranstaltungen bekannt, die im Jahre 2006 in Deutschland stattfanden. Die Aufteilung nach Bundesländern ergibt folgendes Ergebnis: Brandenburg (2), Berlin (1), Baden-Württemberg (11), Bayern (18), Bremen (0), Hessen (2), Hamburg (1), Mecklenburg-Vorpommern (7), Niedersachsen (12), Nordrhein-Westfalen (4), Rheinland-Pfalz (3), Schleswig-Holstein (4), Saarland (0), Sachsen-Anhalt (2), Sachsen (15), Thüringen (15).
Dem Bundeskriminalamt wurden bisher im Rahmen des polizeilichen Informationsaustausches 78 rechtsextremistische Musikveranstaltungen bekannt, die im 1. Halbjahr 2007 in Deutschland stattfanden. Die Aufteilung nach Bundesländern ergibt folgendes Ergebnis: Brandenburg (3), Berlin (0), Baden-Württemberg (7), Bayern (5), Bremen (0), Hessen (3), Hamburg (2), Mecklenburg-Vorpommern (11), Niedersachsen (3), Nordrhein-Westfalen (3), Rheinland-Pfalz (0), Schleswig-Holstein (11), Saarland (0), Sachsen-Anhalt (5), Sachsen (16), Thüringen (9).”
Zusammengefasst fanden den Angaben zufolge zwischen Januar 2006 und Juli 2007 die meisten Konzerte in Sachsen (31) Thüringen (24), Bayern (23), Baden-Württemberg (18) und Mecklenburg-Vorpommern (18) statt – es gibt demnach also einen klaren regionalen Schwerpunkt in Ost- und Süddeutschland. Allerdings könnten andere LKA-Dienststellen einfach weggeschaut haben – man denke an die Zustände in Sachsen-Anhalt – so dass diese Auflistung sicherlich nur mit Vorsicht zu genießen ist.
Zahl der Konzerte halbierte sich plötzlich
Für gebotene Vorsicht spricht auch, dass die Bundesregierung in früheren Antworten zum Thema - als sie die Aufschlüsselung nach Bundesländern noch verweigert hatte – andere Zahlen präsentierte. So wurden für 2006 insgesamt 190 Konzerten angegeben, wie sich aus den regelmäßigen Kleinen Anfragen ergeben. Doch nach der jüngsten Antwort sind es plötzlich nur noch gut halb so viele – nämlich 97. Die Linksfraktion vermutet nun, dass “anscheinend von verschiedenen Stellen unterschiedlich gezählt” werde.

Da sollten die Ämter mal am polizeilichen Informationsaustausch arbeiten. Laut Bundesregierung gab es 2006 ein Konzert in Hamburg. Laut Hamburg Senat waren es fünf. Die Antwort auf eine Große Anfrage der GAL ist so ausführlich, wie die Bundesregierung meint nicht sein zu können: http://www.buergerschaft-hh.de/Parldok/Cache/4010A29CF574804122F28A0C.pdf
“21.01.06: Konzert mit der Band „Schall und Rauch“ in Bramfeld.
Die Veranstaltung wurde offiziell als Geburtstagsfeier deklariert.
25.02.06: Saalveranstaltung der Hamburger NPD in Rothenburgsort mit dem Auftritt des Liedermachers „Olli“.
15.07.06: Skinheadkonzert in Bergedorf mit den Bands „Civico 88“ (Italien), „Schall
und Rauch“, „Donnerhall“ und „Liebenfels Kapelle“.
07.10.06: Konzert in Wilhelmsburg mit den Bands „Donnerhall“ und „Words of Anger“
sowie zwei namentlich nicht bekannten Bands.
Die Veranstaltung wurde offiziell als Geburtstagsfeier deklariert.
04.11.06: Konzert mit den Bands „Civil Disorder“, „Wodan“, „White Resistance“ und „Words of Anger“ in Hamm.
Die Veranstaltung wurde offiziell als Geburtstagsfeier deklariert.”
Zwischen den Behörden in Schleswig-Holstein und dem BKA scheint es ähnliche Übermittlungsprobleme zu geben.
Während das BKA für das Jahr 2006 vier rechtsextremistische Konzerte in Schleswig-Holstein meldet, werden im Bericht des Landesverfassungsschutzes insgesamt sieben Veranstaltungen aufgezählt:
2 rechtsextremistische Skinhead-Konzerte:
11.03.06 Konzert mit der Gruppe “Words of Anger” in der Nähe von Cismar (Kreis Ostholstein) vor rund 70 Teilnehmern
09.12.06 Konzert mit drei Gruppen in Neufeld (Kreis Dithmarschen) vor rund 120 Teilnehmern
Außerdem wurden dem Landesverfassungsschutz 3 rechtsextremistische Liederabende im Jahr 2006 bekannt, die allesamt im “Club 88″ in Neumünster stattfanden.
Desweiteren zählt der Landesverfassungsschutz 2 weitere Auftritte von Nazi-Liedermachern bei sonstigen Veranstaltungen auf:
26.08.06 NPD-Sommerfest in Bünsdorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) mit zwei Liedermachern
30.09.06 Geburtstagsfeier des “Club 88″ in Neumünster mit einem Liedermacher-Duo
Quelle:
http://www.schleswig-holstein.de/IM/DE/InnereSicherheit/Verfassungsschutz/Downloads/Verfassungsschutzbericht__2006,templateId=raw,property=publicationFile.pdf
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