Home » Allgemein

Rassistische Thesen beim DeutschlandradioKultur

03. Januar 2008 08:27 361 mal gelesen Kein Kommentar

Nazis und Rassisten hatten sich über das Interview im Deutschlandradio Kultur gefreut, ansonsten sorgte das Gespräch für Kopfschütteln.  Am 4. Dezember 2007 gab der Magdeburger Entwicklungspsychologe Dr. habil. Heiner Rindermann im Deutschlandradio Kultur ein Interview. Gesendet wurde der Beitrag unter dem Titel “Dumme Buschmänner, kluge Asiaten?”.  Wissenschaftler der Universität Mainz zeigten sich empört und fordern eine Stellungnahme des Senders. Sie schreiben:

“Der Sender hat im Internet mittlerweile vollkommen unkommentiert sowohl den Titel des Beitrags gestrichen, als auch das Interview selbst erheblich gekürzt. Rindermann vertritt darin die These, es gebe genetische Unterschiede zwischen Menschenrassen hinsichtlich ihrer Intelligenz. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen des Instituts für Ethnologie und Afrikastudien an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz weisen Rindermanns Aussagen als rassistisch zurück und sind empört, dass solchen Theorien Raum in einem öffentlich-rechtlichen Sender gegeben wird. Für Verwunderung bei den Mainzer Wissenschaftlern sorgte zudem, wie unkritisch die  Journalistin Katrin Heise Rindermanns Gebrauch von Termini wie “Rasse” und “rassisch” begleitete. Sie nahm die postulierte Korrelation von genetisch determinierbaren Menschenrassen mit messbarer Intelligenz nicht nur schweigend hin, sondern wurde teils sogar zur Stichwortgeberin für dessen Argumentation.

In seinen Erklärungen auf Deutschlandradio Kultur macht Rindermann genetische Dispositionen bei “Menschenrassen” für unterschiedliche Ausprägungen von Intelligenz verantwortlich. Rindermann verfügt aber anscheinend weder über biologisches noch medizinisches Fachwissen, denn mit aktueller naturwissenschaftlich-medizinischer Forschung lassen  sich seine Behauptungen nicht stützen. Dennoch beharrt er darauf, es gebe drei genetisch determinierte Menschenrassen – Weiße, Schwarze und Asiaten entsprechend den drei Hauptgruppen Europide, Negride und Mongolide früherer Rassentheorien. Dass Gene tatsächlich zwischen verschiedenen Bevölkerungen auf unterschiedlichen Kontinenten variieren, sieht Rindermann schlicht durch die Tatsache wahrnehmbarer Unterschiede wie z.B. die Farbe der Haut als bewiesen an. Dabei ignoriert Rindermann humangenetische Erkenntnisse, nach denen phänotypische Merkmale wie der
Pigmentierungsgrad der Haut keine Rückschlüsse auf genetische Ähnlichkeiten zulassen. Ebenso unberücksichtigt bleibt, dass genetische Differenzen weltweit kontinuierlich variieren, in der Regel innerhalb lokaler Populationen sogar stärker sind als zwischen geographisch entfernten Gruppen. Als Konsens in der Forschung kann gelten, dass ein auf biologischen Kategorien basierendes Konzept menschlicher Rassen unhaltbar ist. Verwendet wird der Begriff für Menschen allenfalls in einem politischen Kontext zur Beschreibung von Fremd- und Selbstwahrnehmungen, die sich in gesellschaftlich  erfahrbaren Realitäten manifestieren.

Rindermann behauptet weiter, Intelligenz sei maßgeblich von genetischen Faktoren abhängig. Einen vermeintlichen Beweis will er in der “umfangreichen Forschungstradition” der Untersuchung eineiiger Zwillinge erkennen, “die in unterschiedlichen Umwelten aufgewachsen sind [und] sich in ihrer Intelligenz sehr stark ähneln”. Ob er sich hierbei auf
Ergebnisse der Zwillingsforschungen eines Dr. Mengele bezieht oder auf Untersuchungen des britischen Psychologen Cyril Burt, dessen Versuchsreihen sich posthum als bloße Phantastereien erwiesen, lässt Rindermann offen. Erkenntnisse aus der Zwillingsforschung, die in unterschiedlichen Milieus aufgewachsene identische Paare untersuchen, sind schon aufgrund der geringen Stichprobenmenge kaum aussagekräftig.

Einer der führenden Populationsgenetiker, der an der kalifornischen Stanford University lehrende Luca Cavalli-Sforza, sieht zudem gegenüber genetischen Faktoren das soziale Entwicklungsmilieu als entscheidend für die Herausbildung geistiger Fähigkeiten an. Auch diese Erkenntnisse gelten als unbestritten.

Dass Intelligenz mit der Zugehörigkeit zu einer biologisch definierten menschlichen Rasse korrelieren soll, versucht Rindermann durch in verschiedenen Regionen durchgeführten IQ-Tests nachzuweisen. Die Mittelwerte dieser Tests unterschieden sich laut Rindermann zwischen den verschiedenen “Rassen” signifikant. Zwar räumt Rindermann ein, dass
diese Tests höchst kulturspezifisch seien. Doch würde für die genetische Bestimmung von Intelligenz dennoch sprechen, dass auch die individuelle Wahl der Umwelt abhängig sei von den die Intelligenz determinierenden Genen. So gelangt er zu seiner abenteuerlichen Behauptung, “Intelligentere” würden “eher länger in die Schule, auf Universitäten [gehen], und die weniger Intelligenten, die meiden eher solche Umwelten.” Auch führe genetische Disposition laut Rindermann zu unterschiedlicher wirtschaftlicher Produktivität und beeinflusse die Wahl der Regierungsform. Dass gesellschaftliche  Erscheinungen dieser Art ausschließlich durch historische und sozioökonomische Faktoren bedingt sind, ist unbestritten.

Konstruktionen menschlicher Rassen und die daran erfolgende Zuweisung charakteristischer Eigenschaften sowie deren Wertung sind konstituierende Elemente rassistischer Ideologie.

Dr. Carola Lentz, Professorin für Ethnologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz erklärte: “Dr. Heiner Rindermann disqualifiziert sich durch seine Aussagen im Deutschlandradio als ernst zu nehmender Wissenschaftler. Eigentlich vertrete ich den Standpunkt, dass rassistischen Theorien und deren Vertretern mit Nicht-Achtung begegnet werden sollte. Doch die Tatsache, dass ein habilitierter Wissenschaftler einer bundesdeutschen Universität in einem öffentlich-rechtlichen Sender unkommentiert von Menschenrassen und genetisch bedingter Verteilung von Intelligenz sprechen darf, ist empörend. Die Pauschalisierung von Menschen, die Ignoranz gegenüber kulturellen Dimensionen anderer Gesellschaften, die Unkenntnis humangenetischer Erkenntnisse und das Außerachtlassen sozialer Faktoren
weisen Rindermanns Aussagen als schieren Unsinn aus. Eine Stellungnahme des Deutschlandradios, wie es zu diesem schlecht vorbereiteten Interview kommen konnte, wäre wünschenswert. Ebenso wünschenswert wäre eine Distanzierung Dr. Rindermanns von seinen haltlosen Thesen.”

Weitere Informationen: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/706040/Interview+Rindermann_DRadioKulturDez07.pdf

NPD-BLOG.INFO über Rassismus.

Kein Kommentar »

  • Flo said:

    Rassistische Tendenzen sind dem Deutschlandradio Kultur keineswegs fremd. Meist geht es hierbei aber weniger um krude biologische Theorien, sondern um “leichte, akzeptable Hetze” gegen Ausländer, der im dRadio eine Bühne geboten wird.

    Ein Beispiel ist die (mittlerweise eingestellte) Sendereihe “dRadio Kultur Signale”. Wen es interessiert, dem Rate ich insbesondere zum Hören des Beitrags “Türkenprobleme ohne Ende” vom 26. August 2007. Ein Mittschnitt kann als Podcast geladen werden, oder unter dieser Adresse gefunden werden:
    http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/signale/?show=archiv&

    Ich rate zum Hören aller Beiträge dieser “Signale”-Sendereihe zu diesem Thema, dabei wird auffallen, dass einer anderen politischen Meinung geflissentlich keine Sendezeit eingeräumt wird.

  • bluejax said:

    Ich bin gerade einfach nur sprachlos… und schockiert!

  • Bluejax.net » Aktueller Artikel » Wie Fremdenhass salonfähig wird – Die Blocherisierung Deutschlands said:

    [...] Artikel beim NPD-Info-Blog gelesen. Der Journalist Patrick Gensing berichtet in dem Artikel „Rassistische Thesen beim DeutschlandradioKultur“ über eine Sendung vom 04. Dezember 2007, in der der Magdeburger Entwicklungspsychologe Dr. [...]

  • Augenweide said:

    Hier gibt’s den Link zum entsprechenden Radiobeitrag: http://ondemand-mp3.dradio.de/podcast/2007/12/04/drk_20071204_0909_c44d490a.mp3 und hier den zur Stellungnahme des Wissenschaftlers:http://groups.uni-paderborn.de/rindermann/index.php?go=home
    Nur der Vollständigkeit halber…

  • Steve said:

    Da fragt man sich doch wieder, ob man DAZU überhaupt noch irgendwas sagen kann. Humangenetik ist ein komplexes wissenschaftliches Thema, zu dem man (man == JEDER) sich in der Öffentlichkeit nicht äussern darf. Es ist einfach gruselig, was dabei herauskommt, wenn sich Laien, insbesondere solche, die ihre Fähigkeiten zu abstrakten, rationalen und dialektischen Denkweisen zugunsten alimentierter Ideologieverbreitung an der Gaderobe abgegeben haben. Damit ist besonders jener Berufsstand gemeint, welcher üblicherweise täglich mit gefährlichem Halbwissen zu glänzen hat – Journalisten. Lieber P. G., wie kann man denn nur in so einem langen und offenbar nicht mühelos entstandenen Kommentar so viele offenbar richtige (eigene) Aussagen mit so vielen offenbar falschen (eigenen) Aussagen mischen???? Gesinnungsterror terrorisiert letztendlich nicht Gesinnungen, sondern das COGITO ERGO SUM an sich. Die Erde ist eine Scheibe, und es gibt keine genetisch determinierten Unterschiede zwischen menschlichen Familien, Sippen, Stämmen, Völkern oder Rassen. Klar doch, es kommt ja nur auf den Blickwinkel an.

  • ex-blond said:

    Den von Augenweide geposteten Link zur Stellungnahme von Dr. Rindermann unbedingt anklicken und lesen.
    !!!

  • radiocorax said:

    Deutschlandradio lässt Rindermann ran…

  • Jörg Djuren said:

    Weder die Tendenz zu einem genetischen ‘Individual’rassismus, der abstruse Theorie über die genetische Vorbestimmung der Menschen verbreitet, noch die Verquickung mit dem alt bekannten Rassismus sind neu oder überraschend.
    Siehe: http://www.ak-anna.org/naturwissenschaftskritik_alternativen/genetik_rassismus.html.

    Erstaunlich finde ich nur immer wieder Kommentare wie den von Steve, in denen die Kritik awissenschaftlicher Ideologieproduktion im Umfeld der Genetik als eine Art Inquisition dargestellt wird. Schaue ich mir doie Verbreitung in den Medien an, sieht die Realität leider anders aus. Längst haben genetisch rassistische Diskurse auch im Mainstream Einlaß gefunden und dominieren immer weitere Bereiche.