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Interne Broschüre nicht gelesen? Die NPD und die “Kriegsschuldlüge”

20. Februar 2008 23:11 253 mal gelesen Kein Kommentar

Die neonazistischen Jungen Nationaldemokraten haben an ihrem “Stützpunkt Bodensee” eine Veranstaltung mit zwei Veteranen des 2. Weltkriegs durchgeführt und einen interessanten Bericht dazu unter anderem auf der Homepage des NPD-Kreisverbandes Konstanz veröffentlicht. In diesem lässt sich ablesen, wie sehr der Nationalsozialismus und die Angriffskriege Deutschlands bei der JN und auch bei der NPD offenbar weiter glorifiziert werden. Die modernen Nazis präsentieren sich einmal mehr als Ewiggestrige in neuen Kleidern. In dem Bericht heißt es:

“Die Zeit schreitet unaufhaltsam voran und so sind Menschen, die den politischen Umsturz 1933 sowie die Wirren des Zweiten Weltkrieges aktiv miterlebt haben heute leider selten geworden. Den Herrschenden und ihren willfährigen Speichelleckern vom Schlage eines Guido Knopp fällt es dadurch von Jahr zu Jahr leichter, die damaligen Ereignisse mehr und mehr zu verzerren und zu verfälschen. Je länger die Dreißiger und Vierziger Jahre zurückliegen, desto unsachlicher und einseitiger wird die Berichterstattung über jene Zeit. Die Kriegsschuldlüge wird unseren Kindern in der Schule ebenso eingetrichtert, wie die perfide Behauptung, Vertreibung, Mord, Folter und Vergewaltigungen der Roten Armee seien lediglich „Vergeltungsakte” gewesen für das rücksichtslose Vorgehen Deutscher Truppen beim Einmarsch in die UdSSR. [...] Der Kontakt mit den Altvorderen unseres Volkes kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Begegnungen wie diese schließlich sind es, die den von uns vertretenen Volksgemeinschaftsgedanken erst wirklich erlebbar machen.

“Anekdoten aus dem Fliegeralltag”

Dem JN-Stützpunkt Bodensee bot sich nunmehr die Möglichkeit, zwei Vertreter der „Erlebnisgeneration” zu treffen und sich mit diesen über ihre Erlebnisse aus Krieg und Alltag im 3. Reich zu unterhalten. Gespannt lauschten die über 20 Anwesenden daher am vergangenen Montag den Fronterlebnissen eines aus Wien stammenden Aufklärungspiloten, der bereits Anfang der Dreißiger in die HJ eingetreten war und dort auch seine Flugausbildung genoss. Kriegseinsätze an der Ostfront, mehrfache Verwundung und Auszeichnung mit dem EK I prägten sein Soldatendasein. Dazwischen immer wieder erheiternde Anekdoten aus dem Fliegeralltag, dem er auch nach dem mit einer schweren Verwundung verbundenen Ende der Frontfliegerei als Inspekteur der Flieger-HJ von Berlin bis Kriegsende treu blieb. [...] Auch der zweite Veteran, einige Jahre jünger und seinerzeit Mitglied im Reichsarbeitsdienst, hatte viel zu erzählen. Er berichtete von den Wirren in den letzten Tagen des Krieges, von seinem abenteuerlichen Fußmarsch durch das französisch besetzte Allgäu bis zu seinem Heimatdorf, aber auch von der jugendlichen Begeisterung bis zur letzten Stunde und der umso größeren Verzweiflung über die besiegelte Niederlage am 8. Mai, die – da waren sich Beide einig – von niemandem als „Befreiung” angesehen wurde. [...]

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“Sich gegen Verdrehung der Tatsachen wehren”

Dabei bestätigte sich die heute in unabhängigen Forschungskreisen feststehende Tatsache, dass der deutsche Angriff auf die Sowjetunion im Jahr 1941 lediglich Präventivschlag gegen eine ihrerseits schon zum Marsch auf Berlin sich vorbereitende Rote Armee war. [...] Zum Abschluss gaben diese den jungen Nationalisten noch eine Botschaft mit auf den Weg, die sich jeder freiheitsliebende Mensch auf die Fahnen heften und verinnerlichen sollte: Sich niemals belügen und betrügen zu lassen, sondern sich gegen Lüge, Verrat und Verdrehung der Tatsachen zu wehren, und stets ehrlich und kritisch die Dinge zu hinterfragen um die Wahrheit über Vergangenheit und Gegenwart zu erkennen!”

Link zu “Death to ZOG”

Dieser Bericht wurde auch auf der Seite des “Nationalen Beobachter Bodensee” (NBB) veröffentlicht. Diese Seite wird von der NPD-Bodensee verlinkt. Beim NBB finden sich Banner mit der Aufschrift “Death to Zog” (Tod der zionistisch okkupierten Regierung), als Fav-Icon bietet die Seite einen SS-Totenkopf, verantwortlich für das Angebot zeichnet sich der Schweizer Neonazi und Querfront-Vertreter Mario Frisco. Für die Seite der NPD-Bodensee wird Alexander Neidlein als Verantwortlicher genannt.

Neidleins Gegenspieler wegen Revisionismus (!) ausgeschlossen

Interessant in diesem Zusammenhang: Im März 2007 war der Ex-NPD-Chef Deckert aus der NPD ausgeschlossen worden. Offizielle Begründung: “Ferner sei deutlich, daß Deckert durch seinen Führungsstil – siehe das Beschwerdeschreiben von Schützinger/Neidlein/Nowak – sowie sein Beharren auf revisionistischen Thesen eindeutig gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung der Bundesrepublik verstoße. Ein solcher Verstoß könne auch zu einem neuen NPD-Verbotsverfahren führen.” Ob solche Berichte wie der oben aufgeführte aus Sicht der NPD keinen Revisionismus darstellen, sei einmal dahingestellt. Aber es lohnt auch, einen Blick auf den NPD-Kader Alexander Neidlein zu werfen, hat dieser doch einen – höflich umschrieben – ungewöhnlichen Werdegang vorzuweisen. Wikipedia schreibt:

Der aus Crailsheim stammende Alexander Neidlein wurde bekannt, nachdem er als 19-Jähriger 1993 in Bosnien einige Monate als Söldner für die HOS-Miliz des kroatischen Faschisten Dobroslav Paraga kämpfte. Hier knüpfte er Kontakte zu einer rechtsextremen Söldnertruppe um den in Südafrika und Namibia lebenden Horst Klenz, der 1989 an einen Bombenanschlag auf das Büro der Vereinten Nationen in Outjo mit Todesfolge beteiligt war. Ursprünglich wollten sie sich wohl der Afrikaaner Weerstandsbeweging (AWB) von Eugène Terre’Blanche anschließen, am Flughafen von Johannesburg wurden sie von Monika Huggett, einem Mitglied des Ku Klux Klan (KKK), empfangen. Nachdem sich am 14. März 1994 drei Deutsche in der Nähe von Pretoria ein Feuergefecht mit der südafrikanischen Polizei geliefert hatten, wurden Klenz und Neidlein auf einer nahe gelegenen Farm verhaftet. Neidlein wurde in Südafrika wegen illegalen Waffenbesitzes zu drei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt und in die Bundesrepublik Deutschland abgeschoben. Hier ging er ebenfalls in Haft, da er sich seine Reise nach Südafrika durch einen Überfall finanziert hatte. Nach ihrem Aufenthalt in Bosnien hatte Neidlein zusammen mit Franz Kunst, der bei der Schießerei in Südafrika erschossen wurde, und Stefan Rays, der ebenfalls mit nach Südafrika gefahren war, im Dezember 1993 ein Lübecker Postamt überfallen und 8.500 Mark erbeutet. Dafür wurde Neidlein Ende 1994 in Lübeck zu einer Jugendstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt. Er erschien als „politischer Gefangener“ auf der Gefangenenliste der Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige (HNG).

Glorifizierung der NS-Zeit

Die NPD beweist immer wieder, wie sehr sie dem Revisionismus verhaftet ist, wie identitätsstiftend die Zeit des Nationalsozialismus für die heutigen Rechtsextremisten weiterhin ist. Hier sei aus den vergangenen Wochen auf die wiederholten Auftritte von NPDlern beim Gedenken an Waffen-SS-Einheiten in Budapest verwiesen sowie auf Äußerungen von NPD-Chef Voigt über den Holocaust. Die NPD wollte im Zuge ihrer Neuausrichtung in den 1990er Jahren die Fixierung auf das 3. Reich und die Relativierung der NS-Verbrechen aus strategischen Gründen zurückstellen – besonders in den offiziellen Verlautbarungen und Programmen. Denn den Rechtsextremisten wurde offenbar “bereits” 50 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs klar, dass der Nationalsozialismus und die dazugehörigen Verbrechen nicht so glorreich waren, als dass man damit Wahlen erfolgreich bestreiten könnte. Zwar gehört es wohl zu jedem zünftigen Besäufnis dazu, nach dem dritten Bier das entsprechende Reich hochleben zu lassen, aber offiziell tut sich die NPD mit dem Thema schwer.

“Nicht festnageln lassen”  In einer internen Schulungsbroschüre der Partei heißt es: “Auf den Themenkomplex Holocaust, Kriegsschuldfrage 1939 und Nationalsozialismus sollte sich mit dem Hinweis auf die Gegenwartsaufgaben der NPD niemand festnageln lassen.” Denn sonst könnte möglicherweise irgendein böswilliger Zeitgenosse noch auf die Idee kommen, bei der NPD handele es sich um eine Ansammlung von NS-Freaks und Hitler-Fans, die mit einer menschenverachtenden Ideologie aus dem 19. Jahrhundert das 21 Jahrhundert gestalten wollen. Oder ist das letztendlich gar nicht so abwegig?

NPD-BLOG.INFO über die NPD in Baden-Württemberg.
Dank an Wolfram W.!

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  • Charly said:

    Typische Volksverdummung der Neonazis – “Je länger die dreißiger und vierziger Jahre zurückliegen, desto unsachlicher und einseitiger wird die Berichterstattung über jene Zeit.” Das Gegenteil ist doch der Fall: Durch Zugang in die Archive – die bis 1990 in den Ostblockstaaten verschlossen waren – tritt noch deutlicher die Kriegsschuld der Nazi-Verbrecher hervor. Es sind bis heute noch nicht einmal alle Dokumente ausgewertet.
    Von den Neonazis kann man eben nichts fundiertes erfahren, da sie ihr Wissen über wiegend aus “Landser” Heften speisen und ihre Vorbilder aus Büchern saugen die Nazi-und SS-Verbrechen verherrlichen.
    Titel wie “SS-Kavallerie im Osten” “Tod und Ehre in der Normandie” “Das SS-Panzer-Artillerie-Regiment 1 LAH an allen Fronten ” “Von der Feldherrnhalle zum Braunen Haus” sind nur eine kleine Auswahl dieser pseudogeschichtlichen Machwerke. Das Buch “Mit Eichenlaub und Schwertern” wird vom Verlag “ARNDT-Buchdienst/Europa-Buchhandlung/24035 Kiel” als “Vorbilder für unsere Jugend” angepriesen – in dem Verlag sind auch die oben angeführten Naziwerke erschienen.