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Antisemitische Hetze im NPD-Netztagebuch

21. Februar 2008 14:35 98 mal gelesen Kein Kommentar

Im NPD-Netztagebuch findet sich mal wieder ein besonders eindrückliches Beispiel für den wahnhaften Antisemitismus in der rechtsextremen Bewegung. Unter der holprigen Überschrift “Grundstück für Juden, nicht jedoch für deutsche Jugend?” heißt es: “Minderheiten haben es in der brd besonders gut. Vorallem dann, wenn sie an den Hebeln der Macht sitzen. Und so genügt das ziehen an einigen Fäden um so manch willfährige Politiker-Puppe in die gewünschte Bewegung zu bringen. Folgerichtig verkündet heute die moz, dass 2012 in Potsdam eine Synagoge entstehen soll.” Aha, die Juden sitzen also an den Hebeln der Macht und die Politiker sind deren Marionetten. Das nennen Nazis eigentlich einfach ZOG (“Zionist Occupied Government”).

Weiter das NPD-Netztagebuch, laut Impressum zu erreichen über die Bundeszentrale der völkischen Partei: “Die Synagoge Potsdam wurde bei einem Bombenangriff der “alliierten Befreier” am 14. April 1945 schwer beschädigt und folgerichtig im August 1957 auf Beschluss des Rates der Stadt abgerissen.” Folgerichtig? Hätte man also dieser Argumentation zufolge auch alle deutschen Städte abreißen sollen, die beschädigt waren? Bemerkenswerter Gedankengang. Vielleicht will sich die NPD auch für die Deindustrialisierung einsetzen, auch Gerd Sonneitner wäre möglicherweise für eine Podiumsdiskussion zum Thema “Der Morgenthau-Plan – eine vertane Chance für Deutschland?” zu gewinnen.

“Besitzer kümmerten sich anscheinend nicht um ihre Synagoge”

Wieder die NPD, die das alles offenbar ganz ernst meint: “Während deutsche Trümmerfrauen nach der Niederschlagung die Städte wieder aufbauten, kümmerten sich also die Eigentümer anscheinend nicht um ihre Synagoge. Nun soll sie von Spenden und Steuergeldern bezahlt werden.” Die Eigentümer kümmerten sich vielleicht nicht um ihre Synagoge, da sie von den Nazis und deren willfähigen Helfern in den Vernichtungslagern ermordet worden waren oder ins Exil verschwinden mussten.

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Was fehlt noch bei dieser Nazi-Hetze? Richtig: die “jüdisch-bolschewistische” Verschwörung (Literatutipp: Ernst Piper über Hitlers Chefideologen Alfred Rosenberg). Los geht`s: “Ganz vorne mit dabei wenn es darum geht fragwürdige Allianzen zu schmieden sind wiedermal die Kommunisten der EX-SED. So übergab die Landtagsfraktion der Linken eine Spende von 1.800 € an die Juden. Eine Allianz aus Juden und Kommunisten also? Was man davon zu halten hat sollte jeder für sich selbst klären und dabei einen Blick in die Geschichte werfen.”

Einfach ignorieren?

Eigentlich möchte man solchen antisemitischen Tiraden am liebsten ignorieren. Doch für die Analyse der NPD und ihrer Kader erscheinen solche Dokumentationen hilfreich. Denn ob die NPDler wirklich “ekelhaft intelligent” sind, wie die Zeit vor einigen Jahren einmal schrieb, darf mittlerweile durchaus bezweifelt werden – zumindest was den ganz überwiegenden Teil der Mitglieder betrifft.

Bauverein Neue Synagoge: Jüdisches Leben in Potsdam

NPD-BLOG.INFO über die NPD und den Umgang mit der NS-Zeit.

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  • Charly said:

    Man kann und darf ganz einfach solche antisemitischen Tiraden nicht ignorieren.Aufklärung tut Not- besonders bei Schülern,aber auch bei manchen Lehrern. Der Antisemitismus wird zunehmend zum alltäglichen Skandal. Immer noch stellen sich bei vielen Menschen beim schlichten Hören des Stichwortes Juden andere emotionale Befindlichkeiten ein als etwa bei den Worten Katholik oder Protestant oder Atheist.
    In den gängigen Darstellungen aktueller Schulbücher zur deutsch-jüdischen Geschichte z. B. im Mittelalter hat Wolfgang Geiger auf dem 46.Historikertag 2006 überzeugend dargestellt – “das Klischee der exklusiven Beziehung der Juden zum Geldverleih perpetuiert, weil es vom Vorurteil zum Erklärungsmuster für die Verfolgungen wurde”. Juden werden per se als Geldverleiher im Trugbild des jüdischen Wucherers dargerstellt, und so mutiert das damalige Vourteil der Anklage zum heutigen Vorurteil der Erklärung. Die Verknüpfung Juden-Geld-Abneigung wird durch Unterricht somit gefestigt. Die – sicher ungewollte – Analogie zu NS-Parole vom “internationalen Finanzjudentum” fällt hier deutlich ins Auge.
    Jüdische Deutsche bleiben fremd, werden lediglich allgemein als Juden bezeichnet, nicht als Deutsche – also als Staatsbürger. Der NS-Sprachgebrauch von Deutschen über Juden ist im allgemeinen Leben immer noch verhängnisvoll oft anzutreffen.
    Die Juden sollten auch nicht nur als Objekte der Verfolgung, sondern auch als handelnde Subjekte betrachtet werden. Dies bietet Chancen, die noch wesentlich stärker genutzt werden könnten, um Empathiefähigkeit zu entwickeln. Deshalb: Unterschiedliche Geschichten jüdischer Menschen, verbunden mit qualifizierten Kenntnissen zum jüdischen Leben in Vergangenheit und Gegenwart, sollten im Unterricht viel früher – schon im Grundschulalter – vorkommen. Haben sich erst einmal die antisemitischen Klischees über “die” Juden – wie sie immer wieder von Neonazis verwendet werden – entwickelt, so hat sich bereits viel Abwehr und Negativdenken als Blockade entwickelt und trägt dazu bei immer weitere Zerrbilder zu produzieren.

  • tobi said:

    schön, ihr blog wird immer, immer besser herr geising.

    weiter so, einen platz in meinen hotspots hat er sich schon lange gesichert.

    Vielen Dank für Ihr Lob, das freut mich sehr.
    Patrick Gensing

  • rollo said:

    Ist dieses Tagebuch eine offizielle Veröffentlichung der NPD? Wenn nicht, sagt es doch überhaupt nichts aus, oder?

    Was ist eine “offizielle Veröffentlichung”? Hinter dem Netztagebuch steht nach eigenen Angaben der NPD-Kreisverband Barnim in Brandenburg, laut Impressum ist es über die NPD-Bundeszentrale zu erreichen. Also wird dies alles zumindest mit Billigung / Wissen der Parteispitze passieren.

    Patrick Gensing

  • Birgit said:

    Ich kann mich nur den Kommentaren von Charly und Tobi anschließen! :-) ) Weiter so…
    Der letzte Kommentar hingegen scheint mir eher ein Beispiel für die “ekelhafte Intelligenz” zu sein. ;-)

  • O.B. said:

    An dieser Stelle auch mal ein Lob von meiner Seite aus. Lassen Sie sich nicht beirren.

    Dieses NPD-Geschreibsel klingt übrigens wie ein kleines Kind, welches im Sandkasten sitzt und rumheult, weil es nicht so schönes Spielzeug hat wie die anderen. Die Verfasser dieser Zeilen waren sicherlich nicht mehr fünf Jahre alt als sie ihren Neid der Besitzlosen zum Ausdruck brachten damit.
    Im Volksmund würde man dieses Geschreibsel auch “Kindergartenargument” bezeichnen, was wahrlich kein kompliment ist. Wobei ich hiermit keine Kinder diffamieren möchte, welche wahrscheinlich wesentlich weiter sind in der emotionalen Entwicklung als die jeweiligen Protagonisten da, die das da oben verfasst haben…

    Mit freundlichen Grüßen
    Olli

  • Charly said:

    So einfach ist das also für diesen “Rollo”: …keine Veröffentlichung der NPD” ergo “…sagt es doch überhaupt nichts aus, oder?”
    Am 14.2.08 kann man einen Beitrag von einem “Volksverhetzer” lesen: (Rechtschreibung wie im Original von “Volksverhetzer”)
    “ich bin nationalsozialist, und leugne den holocaust nicht, sondern bin stolz darauf,und wenn man den “rohstoff” juden sinnvoll nutzt zur seifenherstellung finde ich nichts schlechtes daran.” Das ist wohl auch keine offizielle Veröffentlichung der NPD,sagt es deshalb auch nichts aus, oder? Sowohl das “Tagebuch” als auch die kaum zu übertreffenden üblen Ausfälle von “Volksverhetzer” kommen aus dem antisemitischen von Fremdenhass durchseuchten braunen Geist der NPD.
    Einen sachlichen Beitrag zu diesen Thema bringt ein “Rollo” wie auch seine anderen Kameraden nicht zustande- z.B. über die falsche Behauptung von der “jüdisch-bolschewistischen Verschwörung”.
    Diese von Antisemiten zum Mythos erhobene Behauptung begleitete schon die gesamte Epoche der Russischen Revolution. Nahmen Juden auf irgendeinem Gebiet eine exponierte Stellung ein, dann wurde dies (ist ja auch heute noch so) sogleich dem Volksganzen zugerechnet.
    Die Zusammensetzung der kommunistischen Organisation wurde im Jahre 1918 wie folgt veröffentlicht. Es stellten die Russen 74,2%, die Letten 10,6 %, die Polen 6,3 % die Esthen 3,7 %, die Litauer 2,6 % und die Juden 2,6 %. Und wie war es mit der roten Armee, diesem Hauptfaktor bestellt? Diese setzte sich in der Überzahl aus früheren zaristischen Generalen und Militärtechnikern zusammen – deren Tätigkeit Juden nie ausgeübt haben bzw. ausüben durften. Alles in allem sehen wir; der Anteil der Juden am Bolschewismus schrumpft zu dem Anteil einer qualitativ hervorragenden Gruppe zusammen, der eine qualitativ ebenbürtige, quantitativ aber weit überwiegende christliche Führerschaft und im eigenen, dem jüdischen Volke eine erdrückende andersgesinnte Mehrheit gegenüberstand.
    Quelle: Orlando Figes -”Die Tragödie eines Volkes”- Die Epoche der Russischen Revolution -Berlin Verlag/1996

  • Amazon beendet Partnerprogramm mit der NPD >> Provisionen für die NPD, Aggressive Hetze, Quellennachweis , Amazon, NPD-BlogInfo, Verfassungsschutz, Partnerprogramm, Provisionen >> Womblog [Worte oder mehr] said:

    [...] es sich um ein Projekt aus Brandenburg, welches schon mehrmals durch aggressive Hetze, gerne gegen Juden oder politische Gegner, aufgefallen [...]

  • Micha L. said:

    Auch von meiner Seite aus mal ein Lob an die Seite. Es sollte mehr davon geben…

    Im Übrigen gibts das “Netztagebuch” jetzt auch bei Twitter, geführt wird auch das von einem Herrn Julius Färber. Werde wohl mal eine Mail an Twitter schreiben und die fragen, ob das mit deren Terms and Conditions konform geht, wenn Nazis ihre Plattform nutzen.