NPD-Tarnliste zieht in bayerische Stadträte ein
Bei der Münchner Stadtratswahl am 02. März haben laut Mut gegen rechte Gewalt rund 5000 Bürger die rechtsextreme “Bürgerinitiative Ausländerstopp” gewählt. Die NPD-Tarnliste erhielt damit zwar nur 1,4 Prozent der Stimmen, doch dies reicht für den Einzug in den Stadtrat, da die Fünf-Prozent-Hürde hier nicht gilt.
Der “BIA”-Spitzenkandidat Karl Richter arbeitete bisher der NPD-Landtagsfraktion in Sachsen zu. Mitorganisatoren der “BIA” sind u.a. die vorbestraften NPD-Funktionäre Roland Wuttke und Norman Bordin. Während der Unterschriftensammlung für ihre Zulassung hatten “BIA” und NPD ihr ‘Verwandtschaftsverhältnis’ außen vorgelassen, sich aber dann im Wahlkampf um so deutlicher dazu bekannt.
Die NPD-Tarnliste BIA hatte im Wahlkampf gegen “Globalisierung, Internationalisierung, Überfremdung und Ausverkauf unserer regionalen Identität” gewettert sowie gegen den Bau einer Moschee. Ausländerfeindlichkeit hatte sie sich explizit auf die Fahne geschrieben: “Wir wollen vor allem, daß München auch in Zukunft in erster Linie die Heimat der Münchner bleibt – möglichst derjenigen ohne „Migrationshintergrund“, heißt es auf ihrer Homepage.
Bürgerbewegung Pro München gescheitert
Eine zweite Rechtsaußenliste, die “Bürgerbewegung Pro München” des ehemaligen NPD-Funktionärs Rüdiger Schrembs, scheiterte dagegen. Sie erhielt 0,9 Prozent (3178 Stimmen).
NPD-Funktionäre aus dem ganzen Bundesgebiet hatten den BIA-Wahlkampf in München unterstützt, damit München, so Aufrufe von NPD-Landesverbänden, “wieder zur Stadt der Bewegung” wird. Initiativen wie der “Antinazibund” der Sportfreunde Stiller hatten sich intensiv bemüht, Münchens Öffentlichkeit über die NPD-Tarnlisten aufzuklären. Sie können ihr Engagement dennoch als Erfolg betrachten. Denn gerade angesichts der niedrigen Wahlbeteiligung von nur 47.5 Prozent ist das Ergebnis für die BIA nur dürftig ausgefallen.
In Nürnberg sogar Zugewinne
Zulegen konnte Die Rechtsaußenpartei BIA auch in Nürnberg. Während die Republikaner gegenüber der letzten Wahl im Jahr 2002 einen Rückgang von 1,4 Prozent auf 1,0 Prozent verbuchen mussten, konnte die von der NPD gesteuerte “Bürgerinitiative Ausländerstopp” ihre vormaligen 2,3 Prozent auf 3,5 Prozent ausbauen. Damit ist das für beide Listen zusammengefasste Resultat von 3,7 auf 4,5 Prozent gestiegen. Das Ergebnis und die Folgen dort fasst redok.de zusammen:
“Im vorigen Stadtrat waren damit zwei Rechtsaußen-Politiker vertreten: Walter Beisig für die REP und Ralf Ollert (NPD-Landesvorsitzender) für die BIA. Für einen REP-Stadtratssitz wird es mit einem Prozent wohl nicht mehr reichen. Erstmals waren sie 1990 angetreten und hatten mit 6,7 Prozent vier Sitze im Stadtrat bekommen, 1996 nur noch zwei. Die NPD-Liste BIA hat jedoch deutlich zugelegt und wird damit einen zweiten Sitz im Stadtparlament bekommen. Nach dem Listenführer Ralf Ollert wäre dann der 24-jährige Werkzeugmacher Sebastian Schmaus am Zuge (wenn nicht die Wähler einen anderen Kandidaten der Liste nach vorne gewählt haben). Neben der Stadtratswahl trat Ollert auch noch als Kandidat zur Oberbürgermeister-Wahl an und bekam 1,9 Prozent (3.558 Stimmen). REP-Kandidat Beisig bekam bei der OB-Wahl 0,7 Prozent.
Mit diesen Ergebnissen wird sich die NPD für den Wahlkampf zur Landtagswahl im September ermutigt fühlen, zu der die Partei flächendeckend in allen 91 Stimmkreisen antreten will. Die beiden größten bayerischen Städte haben für die NPD-Parteigänger auch als nationalsozialistische “Hauptstadt der Bewegung” und “Stadt der Reichsparteitage” eine symbolische Bedeutung.
Doch im Unterschied zu den Kommunalwahlen gilt bei der Landtagswahl die Fünf-Prozent-Hürde, die angesichts der jetzigen Wahlergebnisse schwer zu schaffen scheint. Eine aktuelle Emnid-Umfrage sieht die NPD selbst im Bundesland Sachsen, wo sie 2004 mit 9,2 Prozent in den Landtag einzog, mit nur noch vier Prozent (- 5,2) deutlich unterhalb dieser Schwelle. Im gleichen Abwärtstrend liegt laut dieser Umfrage die DVU in Brandenburg, die 5,1 Prozent verlieren und nur noch 1 Prozent bekommen würde.”
Quedlinburg – NPD-OB-Kandidat gescheitert
Nun wird damit gerechnet, dass die NPD nach ihrem Münchener Wahlkampf-Rezept in anderen Kommunen und Ländern taktisch ähnliche Wege geht, und im Tarngewand von Bürgerinitiativen antritt. Damit soll wohl dem schlechten Image der NPD in bürgerlichen Kreisen entgegnet werden. Bislang hat es die NPD im Westen nicht geschafft, sich eine bürgerliche Fassade zuzulegen, daher jetzt der Umweg über angebliche Bürgerinitiativen. Außerdem zeigt dieser Schachzug, dass die NPD im Westen verstärkt auf Hetze gegen Ausländer setzt, während im Osten eher soziale Probleme aufgegriffen werden.

Ich verstehe nicht so recht, warum im Zusammenhang mit der “Bürgerinitiative Ausländerstopp” immer von
1. Tarnlisten und
2. dem Versuch, bürgerlich und harmlos zu erscheinen
die Rede ist.
zu 1: Die NPD gibt sich doch nicht die geringste Mühe, ihre Verflechtung mit der BIA zu verschleiern. Der Grund, sich den Namen BIA zu geben, soll demnach sein, die Komplexität des Wahlprogramms auf einen, im Westen als wesentlich betrachteten, Programmpunkt herunterzubrechen.
zu 2: Bürgerinitiative klingt zunächst natürlich harmlos, und würde der Name z.B. sein “Bürgerinitiative München” würde ich der Einschätzung auch zustimmen, dass hier jemand versucht, sich im bürgerlichen Kleid zu tarnen. Aber bei “Bürgerinitiative Ausläderstopp” dürfte doch wohl jedem klar sein, welche Gesinnung hinter so einer Partei steckt.
Aber warum tritt die NPD dann nicht einfach als NPD an?
Weil nicht jeder die Verflechtung kennt, nicht jeder beschäftigt sich mit der Stadtratswahl oder mit Rechtsextremismus. Besonders nicht die Leute, die die NPD im Blick hat.
Und mit der Bezeichnung als angebliche “Bürgerinitiative” wird der Schulterschluss mit dem kleinen Mann versucht, der sich von “den da oben und den Parteien” verschaukelt fühlt. So kann rechtsextreme Propaganda möglicherweise erfolgreicher an den Mann gebracht werden.
Dass die BIA rechtsextreme Positionen vertritt, ist klar. Denn es ist eben eine Tarnliste der NPD.
Ich halte die Bezeichnung für treffend. Aber ich gebe auch zu: Nun ist ausführlich über diese Strategie berichtet worden, nun können wir von einer NPD-nahen Liste o.ä. schreiben.
Schöne Grüße
Patrick Gensing
Die NPD hat, insbesondere im bürgerlichen Spektrum ein schlechtes Image. Deshalb wählen viele Leute lieber die REPs oder die Union, selbst wenn sie von der Gesinnung ehr mit der NPD übereinstimmen.
Deshalb ist der Begriff Tarnliste sehr wohl gerechtfertigt, da man glaubt man wählt eine regionale rechtsradikale Partei und nicht die NPD
Wie auch immer das braune Pack soll sich einfach verpissen und so glorreich ist das Ergenbnis ja auch nicht, egal unter welchem Namen!
Dass es sich bei der Namensgebung BIA um den Versuch der Suggestion von mehr Bürgernähe handelt, leuchtet natürlich ein. Dieser Erklärung entspricht teilweise ja auch die von mir erwähnte Reduktion auf das Hauptthema “Ausländerstopp”, das dann im Namen erscheint + Hintanstellung der anderen NPD-Programmpunkte.
Ein weiterer Grund dafür, dass die BIA kandidierte und nicht die NPD soll ja gewesen sein, dass auf der Liste auch Kandidaten anderer Parteien stehen würden. Wissen Sie, Herr Gensing, oder sonst jemand darüber mehr? Ich habe seitens der NPD gelesen, es würde sich um Kandidaten aus Kameradschaften, DVU, REP und CSU handeln. Das kann ich mir nun allerdings nicht vorstellen, dass Parteimitgleider von CSU und REP für die BIA kandidieren; allenfalls Ex-Mitglieder. Haben die REP eigentlich Pro München unterstützt, oder was haben die denn so getrieben?
[...] Siehe auch: “Kampf um die Straße”: Attacken statt Aufmärsche in Gräfenberg?, Bilder für “Anti-Antifa”: Rechtsextremer Stadtrat zu Geldbuße verurteilt, Bayern: Die Kandidaten der rechtsextremen NPD, NPD-Tarnliste zieht in bayerische Stadträte ein [...]
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