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HDJ-Verbot: Trauma nach gescheitertem NPD-Verfahren?

27. März 2008 13:24 90 mal gelesen Kein Kommentar

Der SPD-Innenexperte Niels Annen hat gegenüber dem ARD-Magazin Panorama ein Verbot der neonazistischen „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ) gefordert. Annen sagte, es dürfe keine falsche Toleranz geben. Zu den Gründen, warum das Bundesinnenministerium noch nicht gegen die HDJ vorgegangen ist, sagte er, es gebe möglicherweise „so etwas wie ein Trauma nach dem gescheiterten NPD-Verbotsverfahren“. Daher könne man nicht ausschließen, dass Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble „eine weitere Debatte  vermeiden möchte“.

Dies könne aber kein Grund sein, über die „Gesetzesverstöße der HDJ“ hinwegzusehen sowie zu ignorieren, dass „von dieser Organisation eine wirkliche Gefährdung für unsere Demokratie ausgeht“. Bei der HDJ „werden Kinder mit den Grundgedanken des Nationalsozialismus erzogen“, betonte Annen. Die HDJ gilt in Expertenkreisen als die wichtigste Nachwuchsorganisation der Neonazi-Szene.

Das Bundesinnenministerium wollte sich gegenüber Panorama nicht zu einem möglichen Verbotsverfahren äußern.

Paramilitärische Lager

Die HDJ rüstet nach Recherchen von Panorama unterdessen offenbar auf. So liegen dem Magazin Bilder von einem paramilitärischen Lager vor, dass die HDJ offenbar mitorganisiert hat. Der Rechtswissenschaftler Günther Frankenberg warnt daher eindringlich vor der Organisation. Er hält die HDJ für „besonders gefährlich, weil sie zugreift auf die Seele von Kindern und Jugendlichen“. Kinder würden „in Lager paramilitärisch ausgebildet und zu aggressiven Kämpfern“ gemacht. Die Neonazis seien sich „ihrer Sache so sicher“, weil nichts geschehe, sagte Frankenberg weiter. So werde ein Uniform-Verbot von der Organisation einfach ignoriert.

Nachfolgeorganisation der “Wiking Jugend”?

Die HDJ beschreibt sich selbst als “die aktive volks- und heimattreue Jugendbewegung für alle deutschen Mädel und Jungen von 7 bis 25 Jahren”. Die regionalen Schwerpunkte der HDJ erstrecken sich auf den nord- sowie nordostdeutschen Raum, so die Bundesregierung im Juli 2007 in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage. Tatsächlich fand erst am vergangenen Wochenende ein Treffen der HDJ bei Neubrandenburg statt. Außerdem gab es nach Recherchen von Panorama mindestens zwei weitere Treffen, von dem eins auch im süddeutschen Raum stattfand. Zudem trugen HDJ-Aktivisten vom Bundesinnenministerium verbotene Uniformen.

Die HDJ gilt bei vielen Experten als eine Nachfolgeorganisation der “Wiking Jugend”. Diese war im Jahr 1994 “wegen ihrer Wesensverwandtschaft mit der NSDAP und der Hitler-Jugend” verboten worden. Damit wurde es auch untersagt, Ersatzorganisationen zu bilden.

Bilderstrecke über die HDJ.

NPD-BLOG.INFO über die HDJ.

Kein Kommentar »

  • Charly said:

    Ob Panorama in der Kürze der Sendezeit die Indoktrination von Nazi-Gedankengut – begangen an Jugendlichen bzw. Kinder – deutlich machen kann, bleibt abzuwarten.
    Die gestern im Block aufgezeigte Bilderstrecke hat mich tief betroffen gemacht. “Stefan” nennt es in seinem Beitrag eine “Schändung” begangen an Kindern – er hat Recht!
    Zu diesem Thema ein weiterer Einblick:
    Im Februar 2007 antwortete der HDJ-Bundesvorsitzende und letzter “Gauführer” der “Wiking Jugend” in Sachsen – Sebastian Räbiger – im Interview mit dem NPD-Parteiorgan “Deutsche Stimme” auf die Frage “Warum sollen Eltern ihr Kind heute zur Heimattreuen Jugend schicken?”: “Wenn der Wille der Eltern besteht, die eigenen Kinder im Einklang mit unserer Weltanschauung und unter Menschen gleicher Art zu erziehen, dann gibt es nur einen Platz für sie – in unserem Freundes- und Familienkreis. Wir stehen zum jetzigen Zeitpunkt unserem Volk als letzte jungendpflegerische und -erzieherische Gemeinschaft zur Verfügung…. ” “Schliesslich stehen wir im größten Daseinskampf, den unser Volk je auszufechten hatte. Über eine politische Neuordnung hinweg stehen wir im Kampf um den deutschen Menschen. Es ist ein Kampf um die Herzen unseres Volkes, um die Gesundung seiner Seele.” Und an anderer Stelle appellierte Räbiger an die Kinder: “Wenn für Dich Dein Volk alles ist und Du bereit bist, für das, was du liebst, aufzustehen, alles zu wagen und zu kämpfen,dann ist Dein Platz bei uns.”
    Ich sage blos: Arme,arme Kinder!
    Es würde zu lange werden um noch weitere Beispiele zu dokumentieren – z.B. von anderen Neonazi-Größen, die dort auftreten und mit militärischem Drill und ideologischer Schulung diese Kinder zu strammen Rechtsextremisten erziehen.

  • Christian said:

    Ich bin ja eigentlich gegen Verbote und denke dass z.B. die NPD anders bekämpft werden sollte.
    Aber dass da Kinder, die ja noch nicht frei entscheiden können schon ideologisch gleichgeschaltet werden darf der Staat meiner Meinung nach nicht tolerieren. Da wäre ein Verbot tatsächlich mal sinnvoll!

  • O.B. said:

    Habe mir gerade den Panorama-Bericht angeschaut…
    Das was die da machen ist eine für mich mehr oder weniger geistige Vergewaltigung der Kinder und Jugendlichen.
    Fast noch schlimmer empfinde ich da aber das Nichtstun des Staates dabei. Da gibt es eindeutig kriminelle Machenschaften und der Staat hat anscheinend Angst dagegen was zu machen? Oh je…

    Mit freundlichen Grüßen
    Olli

  • Charly said:

    Auf der Webseite der NPD Fraktion Mecklenburg-Vorpommern v. 28.3.08 äussert sich der parlament.Geschäftsf. der NPD-Fraktion, Stefan Köster, besorgt um die Vorgänge, wie mit der HDJ umgegangen wird.
    U.a. liest man dort folgendes:
    “Man fühlt sich wieder ganz so wie in einem Spitzelstaat und hat den Eindruck: Stasi ist heute. Da suchen Sonderermittler angeblich Uniformen, die es bei der HDJ sowieso nicht gibt. und die sie jedoch auf jedem Schützenfest finden…” Waren das etwa Fälschungen, die wir gestern Abend bei Panorama zu sehen bekamen ? Oder Trachtenanzüge ?

  • Meldungen zum Thema Rechtsextremismus (7/2008) - Das Dürener Bündnis said:

    [...] Der SPD-Innenexperte Niels Annen hat gegenüber dem ARD-Magazin Panorama ein Verbot der neonazistischen „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ) gefordert. Annen sagte, es dürfe keine falsche Toleranz geben. Zu den Gründen, warum das Bundesinnenministerium noch nicht gegen die HDJ vorgegangen ist, sagte er, es gebe möglicherweise „so etwas wie ein Trauma nach dem gescheiterten NPD-Verbotsverfahren“. Daher könne man nicht ausschließen, dass Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble „eine weitere Debatte vermeiden möchte“. (Quelle: NPD-Blog) [...]

  • Birgit said:

    Die Bilder über die HDJ erinnern mich unweigerlich an die Ausbildung von “Kindersoldaten”. So etwas muss unsere Gesellschaft meiner Meinung nach nicht hinnehmen. Der Staat hat das Recht bei Kindeswohlgefährdung einzugreifen und das sollte auch wahrgenommen werden! Ich habe das Buch (Ferien im Führerbunker, Andrea Röpke) gelesen und die Veranstaltungen der HDJ geben mehr als nur Anlass zur Sorge.

    So heißt es dort unter anderem:
    „Die „Einheit Hermannsland“ führte nach eigenen Angaben am 25. Mai 2006 einen Leistungsmarsch in der Lüneburger Heide durch. Es galt 150 Kilometer in vier Tagen mit 15 Kilo Gepäck zu bewältigen.“
    Nur zur Anmerkung es handelt sich hier um Jugendliche, nicht um Erwachsene. Neben „Heldengedenken“ gibt es Wehrsportübungen und es wird gelernt die Demokratie der BRD als „eine Gesellschaft der Umerzieher“ zu begreifen. In sogenannte Winterlager werden bereits Kleinkinder mitgenommen, damit sie „abgehärtet“ werden.

    Diese Kinder leben in einer Art Parallelwelt in der ihnen die „Gebiete des großdeutschen Reiches“ fasst als Gegebenheiten beigebracht werden. Die Gegensätze zwischen dem, was die Kinder in der Schule lernen und dem was ihnen die HDJ als angebliche Realität weismachen möchte, könnten größer nicht sein. Dies muss eine seelische Höllenqual für all diese Kinder sein. Tag ein Tag aus, dürfen sie weder in der Schule noch bei ihren Schulfreunden erzählen, was sie in der HDJ erleben und beigebracht bekommen. Ein absoluter Alptraum!

    Und wozu das ganze? Diese Kinder sollen „beim großen Umbruch“ mit den Erwachsenen kämpfen. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Ich finde das absolut krank!

  • Innenministerium schiebt Nazi-Nachwuchs keinen Riegel vor - Im Westen - DerWesten « dokumentationsarchiv said:

    [...] geben sich machtlos. Kein Wunder, dass das Auftreten der HDJ offensiver und dreister wird; HDJ-Verbot: Trauma nach gescheitertem NPD-Verfahren? Der SPD-Innenexperte Niels Annen hat gegenüber dem ARD-Magazin Panorama ein Verbot der [...]

  • Bundesregierung stellt klar: HDJ-Uniformverbot besteht, ist aber Ländersache | Politische Sachsen-Anhalt Infos said:

    [...] Die HDJ habe eine Ausnahmegenehmigung von diesem Verbot beantragt, die durch das Bundesministerium des Inneren jedoch nicht erteilt wurde, heißt es weiter. Für die Durchsetzung des Uniformverbotes, so die Regierung, seien die jeweiligen Landesbehörden zuständig. Die HDJ hatte nach Augenzeugenberichten zuletzt mehrmals gegen das Verbot verstoßen. [...]