Nach CH-Verbot: Politik nimmt HDJ ins Visier
Die Verbote gegen das „Collegium Humanum“ (CH) sowie zwei weitere Vereine aus dem Netzwerk der Holocaust-Leugner hat wenig überrascht: Nachdem das CH wegen seiner Gemeinnützigkeit in den vergangenen Monaten bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hatte, stand das Bundesinnenministerium offenbar unter Druck – und wollte nun ein Zeichen setzen. Gemeinsam mit dem CH wurden der “Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten” (VRBHV) sowie die “Bauernhilfe e.V.” verboten – beide waren eng mit dem CH verknüpft. Auf die “Bauernhilfe” mit Sitz in Söhrewald bei Kassel hatten Experten zuletzt immer wieder hingewiesen, denn der unauffällige Verein stand lange Zeit kaum im Fokus der Behörden, diente dem CH aber offenbar als Auffangbecken für die Immobilie und das Vereinsvermögen.
Nach diesen Verboten richtet sich der Blick nun wieder auf die „Heimattreute Deutsche Jugend“ (HDJ). Die neonazistische Jugendorganisation gilt bei vielen Experten als Nachfolgerin der verbotenen „Wiking Jugend“. Diese war im Jahr 1994 “wegen ihrer Wesensverwandtschaft mit der NSDAP und der Hitler-Jugend” aufgelöst worden. Damit wurde es auch untersagt, Ersatzorganisationen zu bilden.Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) brachte die öffentliche Debatte jetzt erneut in Fahrt. Die bundesweit aktive HDJ, die auch eine regionale Gliederung in Berlin unterhalte, sei „rechtsextremistisch und verfassungsfeindlich“, so Körting. Die Entscheidung über ein Verbot liege jedoch beim Bundesinnenminister. Nach Darstellung Körtings hat die HDJ ihren Hauptsitz in Schleswig-Holstein. Wichtige Führungspersönlichkeiten wohnen nach seinen Angaben aber in Berlin und Umgebung. Auch SPD-Innenexperte Niels Annen fordert ein HDJ-Verbot. Zu den Gründen, warum das Bundesinnenministerium noch nicht gegen die HDJ vorgegangen sei, sagte Annen: „Es gibt möglicherweise so etwas wie ein Trauma nach dem gescheiterten NPD-Verbotsverfahren.“ Daher könne man nicht ausschließen, dass Innenminister Wolfgang Schäuble „eine weitere Debatte vermeiden möchte“. Dies könne aber kein Grund sein, zu ignorieren, dass „von dieser Organisation eine wirkliche Gefährdung für unsere Demokratie ausgeht“. Bei der HDJ „werden Kinder mit den Grundgedanken des Nationalsozialismus erzogen“, so Annen.
Auch die Rechtsextremismus-Expertin der Grünen im Bundestag, Monika Lazar, erklärte: “Die HDJ muss weg. Sie ködert Kinder mit Wanderungen, Kanufahrten und Lagerfeuern. Sind sie erst einmal in die Gemeinschaft integriert, indoktriniert man sie mit aggressiver Nazi-Ideologie.” Die Bundesregierung müsse prüfen, ob die Voraussetzungen für ein Verbot nach dem Vereinsgesetz vorliegen, forderte Lazar. Auch Die Linke spricht sich für ein Verbot der HDJ aus.
Der Rechtswissenschaftler Günther Frankenberg hält die HDJ für „besonders gefährlich, weil sie zugreift auf die Seele von Kindern und Jugendlichen“. Kinder würden „in Lager paramilitärisch ausgebildet und zu aggressiven Kämpfern“ gemacht. Die Neonazis seien sich „ihrer Sache so sicher“, weil nichts geschehe, sagte Frankenberg weiter. So werde ein Uniform-Verbot von der Organisation einfach ignoriert.
Für die “Heimattreue Deutsche Jugend – Bund zum Schutz für Heimat, Umwelt und Mitwelt e.V.” besteht ein gesetzlich verankertes Uniformverbot „nach wie vor fort“, wie die Bundesregierung jüngst in der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke schrieb. Die HDJ habe eine Ausnahmegenehmigung von diesem Verbot beantragt, die durch das Bundesministerium des Inneren jedoch nicht erteilt wurde. Für die Durchsetzung des Uniformverbotes, so die Regierung, seien die jeweiligen Landesbehörden zuständig. Hier scheint es aber zu hapern – denn Journalisten berichteten mehrmals, dass die HDJ ihre Uniformen weiter bei ihren konspirativ organisierten Veranstaltungen trägt – und auch in einem Werbefilm im Internet präsentiert.
Bei der Arbeitsstelle Rechtsextremismus und Gewalt Braunschweig (www.arug.de) kann die 120 Seiten umfassende Broschüre: “Ferien im Führerbunker – Die neonazistische Kindererziehung der Heimattreuen Deutschen Jugend” bestellt werden.

Vor einiger Zeit war die HDJ schon einmal Thema hier im Blog- so glaube ich mich zu erinnern?
Der neonationalsozialistisch ausgerichtete Jugendverband HDJ betreibt keine Jugendarbeit im eigentlichen Sinne, sondern ist gefährlich politisch aktiv. Kinder und Jugendliche werden zu strammen Rechtsextremisten erzogen – was für sich schon ein Verbrechen ist. Als Nachfolge Verein der inzw. verbotenen “Wiking-Jugend” sind sowohl personelle als auch inhaltliche Parallelen zwischen HDJ und der WJ auffallend. So versuchte der letzte “Gauführer” der “Wiking-Jugend” in Sachsen – HDJ-Bundesvorsitzender Sebastian Räbiger – erfolglos, die verbotene Odalrune als Vereinszeichen juristisch durchzusetzen. Die Rune war Symbol der Hitler-Jugend. Weiter verwendet die HDJ Abzeichen wie den Adler mit ausgebreiteter Schwinge, Rangabzeichen wie Pfeifenschnüre in verschiedenen Farben sowie die gegenseitige Ansprache wie “Heil Dir!”. Die HDJ bietet ihre rechtsextremen Freizeitaktivitäten für die ganze Familie an. Mit diesem sogenannten “Lebensbundkonzept” soll verhindert werden, dass ältere Mitglieder nach Familiengründung ans der HDJ ausscheiden.
Die HDJ gibt sich wie einst die WJ kämpferisch. Im “Funkenflug” (Vereinszeitschrift) hiess es 2005 u.a.: “Wir brauchen eine Jugend die hart ist… Wir brauchen Kämpfer von fanatischer Besessenheit und zäher Ausdauer.”
Das Ergebnis aus dieser Erziehung wurde ja am 1.Mai in Hamburg – mit ungeahnter Brutalität – vorgeführt.
Laut Vereinssatzung verfolgt die HDJ “durch Förderung der geistigen, charakterlichen und körperlichen Entwicklung der männlichen und weiblichen Jugend, des Jugendsports und der Jugendbildung” angeblich gemeinnützige Zwecke. Geboten werden u.a. kulturelle Erlebnisse und Lagerfeuerromantik mit völkischer Ideologievermittlung. In dem Neonazi-Forum “Thiazi” der “grössten germanischen Online-Gemeinschaft” mit mehr als 20.000 Mitgliedern (Eigenangabe), hiess es : Die HDJ kann…gute Waffenhilfe für Eltern leisten, um die geistige Hoheit über ihre Kinder im Kampf gegen eine linksliberale Lehrerschaft zu behalten.”
Quelle: Anton Maegerle,Andrea Röpke-Die “Heimattreue Deutsche Jugend” – Tribüne Heft 185 1. Quartal 2008
[...] aber irgendwie muß ich die Inputs ja subjektiv einordnen, gegenüber den jenigen, die – wie ich – ebenfalls nie persönlich da waren, gab erst neulich noch einige Hintergrundreportagen im Spiegel. > [...]
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