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Tschechien: 20 Verletzte bei Nazi-Attacke auf Gay-Parade

28. Juni 2008 19:36 171 mal gelesen Kein Kommentar

Rechtsradikale haben am 28. Juni 2008 laut einem Bericht des ORF Teilnehmer der ersten größeren Homosexuellenparade in Tschechiens Geschichte attackiert. Die Nachrichtenagentur CTK berichtete demnach von mindestens 20 Verletzten, nachdem die rund 500 Teilnehmer der angemeldeten Regenbogenparade in Brünn mit Tränengas angegriffen worden seien. Schon vor Beginn der Parade seien drei Personen festgenommen worden, als Rechtsextremisten Feuerwerkskörper auf die sich versammelnden Schwulen und Lesben warfen. Wenige Tage zuvor hatten die Behörden der zweitgrößten tschechischen Stadt – offenbar aus gutem Grund – Anträge von rechten Gruppierungen wie der “Nationalen Partei” und der “Nationalen Wiederauferstehung” zu Gegenveranstaltungen abgelehnt.

Zu den Unterstützern der Parade gehörten unter anderen die tschechische Ministerin für Menschenrechte und Minderheiten, Dzamila Stehlikova, und die Tennislegende Martina Navratilova. Bereits seit 2006 können tschechische Homosexuelle ihre Beziehung amtlich eintragen lassen.

Nazis wollten durch jüdisches Viertel marschieren

In Prag wollten Neonazis 2007 am Jahrestag der Progromnacht 1938 durch ein jüdisches Stadtviertel marschieren. Dies wurde gerichtlich verboten, allerdings kamen dennoch etwa 400 Nazis in die tschechische Hauptstadt, um unangemeldet zu demonstrieren. Mehrere tausend Menschen stellten sich laut Medienberichten den Nazis entgegen. Dabei kam es auch zu Schlägereien, bei denen mehrere Nazis verletzt wurden, wie in einem Bericht des ORF deutlich zu sehen ist (Video am Ende der Seite). Laut einem Bericht der taz waren auch dutzende Neonazis aus Deutschland, besonders aus Sachsen, nach Tschechien gereist. Die taz hat zu diesem Anlass einen lesenswerten Hintergrundartikel zur Verbindung zwischen deutschen und tschechischen Nazis veröffentlicht.

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Kein Kommentar »

  • aime said:

    Brünn? Ich dachte, man sage seit längerer Zeit Brno um revisionistische Anklänge zu vermeiden?

  • Charly said:

    Aime – Sie sollten sich besser informieren! Wieso birgt Brünn “revisionistische Anklänge”? Sie werden auf den Info Seiten
    (in Deutsch)über Tschechien immer Brünn/Brno lesen – das hat mit “revisonistisch” überhaupt nichts zu tun. Wenn jemand Probleme damit hat, dann sind es die Ewiggestrigen – die in der Tat revisionistische Pläne in ihrer Schublade haben.

    Zur Gay-Parade in Tschechien:

    Es zeigt sich doch hier ganz deutlich, dass Schwule und Lesben im Osten Europas immer noch weniger Akzeptanz finden als im Westen. In den Ländern, in denen noch vor garnicht langer Zeit Diktatur und staatliche Zensur herrschte, treten die schlimmsten Fälle von Diskriminierung auf. Zu dieser menschenfeindlichen Einstellung, gegenüber gleichgeschlechtlicher Beziehungen, tragen nicht zuletzt die grossen Religionen bei. Nicht wenige dieser Fanatiker predigen Hass und Intoleranz statt Nächstenliebe. Dass Rassisten sich dadurch bestätigt fühlen und ihren Hass gegen alles Fremde und Minderheiten -so auch gegen Schwule und Lesben – wenden, darf nicht wundern.
    Allgemein aber gilt, dass die Vorurteile in der Gesellschaft – mit ihrer Klischeepflege- noch längst nicht überwunden sind.

    “Jede Generation muss sich Respekt und Akzeptanz neu erarbeiten” – sagt die LSVD-Sprecherin Rampf anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Christopher Street Days.
    Und der Comic-Zeichner, Ralf König, sagte – siehe FR v. 28.6.08 /S.3 :
    “…Konservative Kräfte und religiöse Gruppen haben doch zuerst die Schwulen auf der Liste, weltweit – von daher traue ich dem Braten trotz Homo-Ehe nicht. Ich fände auch mehr Realismus in Kino und TV wichtig. Dieses Zerrbild von der ewigen Tunte nervt mich sehr.”

  • aime said:

    Hallo Charly,
    danke für die “freundliche” Antwort…

    Man sagt Cheb (nicht Eger), Aš (nicht Asch), Děčín (nicht Tetschen), Dubí (nicht Eichwald), Karlovy Vary (nicht Karlsbad).

    Diese Liste ließe sich weit fortsetzen,auch für Städte in Polen (Wrocław, etc.). Es bleibt also die berechtigte Frage, warum im (dem Revisionismus natürlich unverdächtigen!) npd-blog NUR die deutschen Namen benutzt. Wenigstens die Doppelbezeichnung – mit tschechischer Nennung zuerst – sollte man verwenden.

    Es mag im Osten (woher ich komme) anders sein als im Westen (wo ich sie vermute) – zumindest in meinem Umfeld werden die deutschen Namen nicht benutzt.

  • Charly said:

    Lieber Aime, ich wähle diese Anrede, damit Sie meine “freundliche” Antwort nicht wieder in Anführungszeichen setzen müssen. Ich weiss sehr wohl, dass ich mit meinen Antworten nicht immer schmeichelhaft auf mein Gegenüber wirke. Mir geht es einzig um die Sache – keineswegs um die Personen – zumal hier jeder – ausser Patrick Gensing – nicht mit seinem Echtnamen schreibt. Demzufolge schützt mich die Kunstfigur “Charly” – vor evtl.Angriffe oder auch Beleidigungen – die nichts mit meinem privaten Ich zu tun haben.
    Doch zurück zu den “revisionistischen Anklängen”.
    Ich zitiere aus der gemeinsamen deutsch-polnische Schulbuchkommission. Braunschweig 1995 (Schriftenreihe des Georg-Eckert-Inst. für Internationale Schulbuchforschung, Bd.22/XV),S.14:

    Absatz 2: ” Für die Verwendung geographischer Namen werden folgende Grundsätze empfohlen: in Karten Darstellungen für den Schulgebrauch sollen Autoren und Verleger die offiziell im jeweils anderen Land verwendeten Ortsnamen berücksichtigen. Aus didaktischen Gründen kann eine zweisprachige Bezeichnung erforderlich sein. Andere geographische Namen (von Flüssen,Seen, Landschaften usw.) können ebenso zweisprachig oder nur in der Muttersprache der Schüler gebraucht werden…”

    Ergo, kann der “NPD-Blog NUR die deutschen Namen benutzen” ohne in den Verdacht des Revisionismus zu geraten – so wie Sie es ja oben deutlich hervorheben.
    Anmerkung: Es hätte bestimmt viele Blog Teilnehmer interressiert wenn Sie auch zum eigentlichen Thema Stellung bezogen hätten.

  • aime said:

    Hallo Charly,

    danke, dass Sie sich die Mühe machen, die Diskussion zu bereichern in dem sie aus einer reputablen Quelle zu zitieren, wenngleich sie auf deutsch-polnische Didaktik angelegt ist. Eine Übertragung auf deutsch-tschechische verhältnisse ist sicher legitim.

    Auf der Internet-Platform des Verbandes las ich gerade eine etwas anders formulierte Version. Es wird zunächst darauf hingewiesen, dass es heute üblich(!) sei, die Städte und Regionen in der Muttersprache zu benennen, gleichwohl wird auch empfohlen und gefordert(!):

    “In diesem Zusammenhang wird an die Übereinkunft in den früheren “deutsch-polnischen Schulbuchempfehlungen” von 1976/77 erinnert, in denen daneben auch die Verwendung der im jeweiligen Nachbarland geltenden amtlichen Bezeichnungen gefordert wurde. Es wird empfohlen, zumindest im Falle der Namen größerer (bedeutenderer) Orte den Schülern beide Namensversionen (die jeweils muttersprachliche und die fremdsprachliche) zu vermitteln. Längerfristig sollten auch in diesem Falle im EU-Raum übliche Standards als Maßstab gelten.”

    Quelle: http://www.gei.de/index.php?id=55 (Punkt 6)

    Aus Ihrer und meiner Quelle entnehme ich, dass es eine Diskrepanz zwischen tatsächlicher Nutzung von Städte-Bezeichnungen und den Forderungen/Empfehlungen der Kommission gibt. Städtenamen sollten mindestens zweisprachrig gelehrt werden – auf lange Sicht soll gar eine europäisch einheitliche Bezeichnung der jeweiligen Orte gewählt werden (die sicher in den selteneren Fällen deutsch wäre)

    Ich sehe also mein Argument, dass eine nur-deutsche Städte-Bezeichnung unglücklich gewählt wurde und zugunsten einer zumindest zweisprachigen Bezeichnung geändert werden sollte, eher bestätigt denn entkräftet, da sie auch von der Kommission gefordert(!) wird. Eine nur-amtliche (in unserem Fall tschechische) Bezeichnung wird immerhin noch “empfohlen”.

    Darüber hinaus gebe ich zu bedenken, dass unsere gemeinsame Quelle eine Schulbuch(!)-Kommission ist, die aus “didaktischen Gründen” die einfachere, d.h. geläufigere Variante nicht grundsätzlich verdammt. Zu den didaktischen Gründen dürfte eine angenommene Überforderung mit fremdsprachigen Auspracheregeln ebenso gehören wie mögliche Verwechslungen/Verwirrungen (“Ist das jetzt die selbe Stadt?” – oder Gespräche mit Eltern etc.)

    Die didaktischen Gründen sind aber im npd-blog nicht stichhaltig gegeben und somit nicht unbedingt anwendbar, denn meines Erachtens richtet sich das npd-blog nicht primär an Schüler.

    Eine Stellungnahme von Herrn Gensing zu der aufgeworfenen Problematik wäre natürlich seh wünschenswert.

    Beste Grüße, aime.
    (der sehr auf seinen Datenschutz achtet, gerade auch, wenn Nazis mitlesen …)

    Hallo,
    ich halte es mit den Regeln, die beispielsweise auch bei tagesschau.de gelten. Wir nutzen die deutschen Städtenamen, schreiben auch Mailand – nicht Milano, oder Stettin – nicht Szczecin. Ich versuche, Texte möglichst lesefreundlich zu gestalten. Daher benutze ich beispielsweise auch keine weiblichen “In”-Anhängsel.
    Viele Grüße
    PG

  • Charly said:

    Lieber Aime, das nenne ich lebendige gegenseitig befruchtende Diskussion -gut so!
    So grüsse auch ich bestens zurück – und bleibe Ihr Charly