“Kampf um den organisierten Willen”? – NPD in Thüringen gespalten
Die NPD will durch den “Kampf um den organisierten Willen” den “nationalen Widerstand” unter ihrer Führung vereinen und so schlagkräftiger gestalten. Nun hat die NPD in den vergangenen Jahren zahlreiche Kader aus den “Freien Kameradschaften” integriert (oder diese haben die NPD-Verbände übernommen, darüber ist sich die Fachwelt uneinig) – und nun knirscht es mächtig im braunen Holz.
In Thüringen hatte die NPD erst darüber gestritten, ob man den “Deutschlandpakt” mit der DVU brechen sollte, da man vermeintlich größere Chancen bei der Landtagswahl hätte. Nun scheint der Wahlantritt der NPD beschlossene Sache, was einen bemerkenswerten Machtkampf in dem Landesverband der rechtsextremen Partei zur Folge hat. Auf der einen Seite der Landesvorstand um Frank Schwerdt und Patrick Wieschke, dagegen ambitionierte, aber äußerst umstrittene, Funktionäre wie Thorsten Heise oder Kai-Uwe Trinkaus.
Schmuddelige Tricks unter Kameraden
Letztere zogen beim Landesparteitag bei einer Kampfabstimmung den Kürzeren. Doch der Streit ging weiter – mit äußert schmuddeligen Tricks. Nun hat sich der Landesverband, wie bereits erwartet, gespalten. Trinkaus will mit einer Organisation “Pro Erfurt” bei kommenden Wahlen antreten, angeblich wollen sich Dutzende NPD-Mitglieder anschließen. Trinkaus machte zudem aus der Internet-Seite der NPD-Erfurt die Seite “Nationale Plattform Deutscher Erfurt” (NPDE). Auf dieser werden nun regelmäßig NPD-kritische Texte veröffentlicht.
So auch am 08. Juli 2008. Da hieß es: “Die Thüringer NPD ist gespalten. Dies kann man nicht schönreden. Doch wer ist dafür verantwortlich…und wem eben nützt es? ‘Der jetzige Landesvorstand sei der Beste den wir je hatten. Drum gilt es ihn unter allen Umständen zu erhalten.’…..ein öfter zitiertes Argument. Dies mag so sein, jedoch war auch der Trabant einst ein sehr modernes Auto…. Ein Landesvorstand muß integrierend wirken und alle Kräfte für das “Große Gelingen” einbeziehen. Doch gerade dies tut er nicht. Statt die – nationalen- Kräfte zu bündeln, wird gespalten. Mit geradezu kriminellen Mitteln werden Kameraden gegeneinander ausgespielt um Posten und Einfluß zu erhalten. So gab der nunmehrige “Landesgeneralsekretär” Wieschke gegenüber mehreren Kameraden zu, illegal Telefonmitschnitte von vertraulichen Gesprächen gemacht zu haben. Und dabei nahm er auch keinerlei Rücksicht auf Bundesvorstandsmitglieder [gemeint ist wahrscheinlich Heise,PG]. Ein so offensichtlich auf den eigenen Vorteil bedachtes Verhalten gegen Kameraden darf nicht geduldet werden. Um innerparteiliche Konkurrenten auszuschalten, werden Hetze und Argumentation des Politischen Gegners 1:1 übernommen. Ein Novum in der Parteiarbeit des “Genossen” Wieschke.
[...] Seit dem letzten Landesparteitag sind mehr Mitglieder ausgetreten als durch die Mitgliederkampagne 2007 eingetreten sind, Freie Nationalisten wurden von Demonstrationen ausgeschlossen, gewählte Kreisfunktionäre werden gemaßregelt, Kameraden und Bundesvorstandsmitglieder bespitzelt.
Dies sind Zustände die es zu ändern gilt. Aus diesen Gründen fordern wir den sofortigen Rücktritt des Thüringer Landesvorsitzenden Frank Schwerdt und seines Generalsekretärs Patrick Wieschke und die Einleitung eines Parteiausschlußverfahrens.”
Das Imperium schlägt zurück
Soweit die “Rebellen”. Am 09. Juli 2008 schlug das thüringische NPD-Imperium dann zurück: “Der Landesvorstand der Thüringer NPD hat einstimmig beschlossen, den bisherigen Kreisvorsitzenden des NPD – Kreisverbandes Erfurt-Sömmerda, Kai Uwe Trinkaus und den Schatzmeister desselben Verbandes, Konrad Förster, aufgrund parteischädigenden Verhaltens aus der NPD auszuschließen.
Beide Personen sind ihrer Ämter enthoben und verfügen über keinerlei Mitgliedsrechte mehr. Das Verfahren vor dem Landesschiedsgericht wird der Landesvorstand satzungsgemäß auf seiner nächsten Sitzung einleiten.
Trinkaus und Förster haben nachweislich daran gearbeitet, ihre Funktionen und Möglichkeiten innerhalb der NPD dazu zu mißbrauchen, eine Konkurrenzorganisation namens “Pro Erfurt” aufzubauen.
Der Landesvorstand wird umgehend eine Hauptversammlung des Kreisverbandes Erfurt-Sömmerda einleiten, um dort wieder eine kompetente Führung von den Mitgliedern wählen zu lassen, die das Ziel, eine NPD-Fraktion im Erfurter Rathaus im Jahr 2009, verwirklichen soll.
Der Landesvorstand hat sich nicht damit auseinandergesetzt, ob das Streben und Wirken der beiden Personen im Zusammenhang mit den angekündigten “maßgeschneiderten Maßnahmen” der CDU-Landesregierung gestanden hat, die die Nationale Opposition 2009 aus dem Thüringer Landtag heraushalten sollen. Ein solcher Zusammenhang kann nicht mit der nötigen Sicherheit bewiesen werden. [gemeint ist möglicherweise eine Spitzelfunktion o.ä.,PG]
[...] Eine Spaltung oder gar eine Austrittswelle, wie von den Medien herbeigeschrieben, gab und wird es wegen des Parteiausschlusses der beiden Männer mit Sicherheit nicht geben. Die meisten einstigen Mitstreiter der beiden Männer haben sich inzwischen selbst von ihnen distanziert. Das Himmelfahrtskommando “Pro Erfurt” wird jedenfalls lediglich von einer verschwindend geringen Minderheit getragen, genauer gesagt lediglich von einer Handvoll Mitglieder.
Die Thüringer NPD wird unbeirrt weiter daran arbeiten, das Superwahljahr 2009 mit Erfolg zu meistern.
[...] Thorsten Heise hat mit den Pro-Vereinen im Übrigen nichts zu tun. Der Kreisverband Eichsfeld, dem Heise als Stellvertreter angehört, wird zur kommenden Kommunalwahl unter NPD antreten. Thorsten Heise distanziert sich von jeder Form der Spaltung.”
Heise weiterhin umstritten
Ist damit Ruhe im Karton? WC – wohl kaum, wie mein Physik-Lehrer gerne kalauerte. Denn beispielsweise in den Neonazi-Foren wird weiterhin heftig über den Machtkampf, und vor allem Heises Rolle, gestritten.
Übrigens hatte Trinkaus angeblich die Unterwanderung von Vereinen in Thüringen vorangetrieben. Gegenüber der Zeit behauptete er, er habe in den vergangenen 48 Monaten mehr als 25 Vereine in und um Erfurt gegründet oder war dabei behilflich. “Die kommunale Verankerung schaffen wir nur über Vereine: entweder selbst gründen oder bestehende übernehmen”, sagte Trinkaus demnach. “Alleinerziehende in Not”, “Pro Kid” oder “Schöner Leben in Erfurt” hießen diese Vereine angeblich. Wie viele weitere tatsächlich existierten oder nur Trinkaus’ Prahlerei entstammen, ließe sich schwer sagen, schrieb die Zeit zu recht.
Wie die Machtverhältnisse in Thüringen tatsächlich sind, lässt sich kaum einschätzen. Dass dieser Streit der NPD aber schadet, ist klar. Er ist auch Teil des Machtkampfs zwischen Partei und “Freien Kameradschaften”, die sich mittlerweile wieder von der rechtsextremen Partei distanzieren. “Wer hat uns verraten? Nationaldemokraten!” wurde jüngst bei einem Neonazi-Aufmarsch skandiert. Wer im Fall Thüringen wen verraten hat, erscheint allerdings noch unklar.
Siehe auch: Hauen und Stechen um Chefposten in Thüringen, Landesbeauftragter für Rechtsextremismus gefordert

NPD, zeigt die rote Karte!
Neu gegründete Konkurrenzparteien zu der NPD, sind oft gelenkte, eingefädelt von dem Verfassungsschutz, mit dem Hinblick, möglichst viel Wählerstimmen von der NPD
abzuziehen. Wer das noch nicht begriffen hat, dem ist wohl nicht mehr zu helfen.
[...] teils heftiger Auseinandersetzungen innerhalb der thüringschen NPD, ist scheinbar wieder etwas mehr Ruhe eingekehrt. Anfang Februar [...]
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