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Berlin: Neurechte Europazentrale in Zehlendorf?

13. Juli 2008 21:46 44 mal gelesen Kein Kommentar

Der Spiegel und der Tagespiegel haben übereinstimmend berichtet, dass der Rechtsextremist Patrik Brinkmann bereits im Jahr 2007 eine Villa in Zehlendorf gekauft hat. Den Angaben zufolge für 3,3 Millionen Euro. Nun befürchten deutsche Sicherheitsbehörden offenbar, dass von hier die “Stiftung Kontinent Europa” agieren könnte, ein internationaler Zusammenschluss bekannter Rechtsextremisten. Im Vorstand sitzt unter anderem Andreas Molau, Pressesprecher der NPD-Fraktion in Schwerin und rechtsextremer Autor.

Die “Stiftung Kontinent Europa” schreibt über die eigenen Ziele – ganz im neurechten, ethnopluralistischen Duktus: “Die Globalisierung auf kulturellem und ökonomischem Gebiet, die zunehmende Dominanz der USA auf allen Gebieten, macht notwendiger denn je, zu einem gemeinsamen Handeln der alten europäischen Völker zu kommen. Die Stiftung „Kontinent Europa“ hat sich zum Ziel gesetzt, an einer gemeinsamen europäischen Identität zu schaffen und zu wirken. Das Bewusstsein einer gemeinsamen Herkunft schafft die Voraussetzung einer neuen gemeinsamen Identität. Europa, das ist ein gemeinsamer Gedanke, gleicher Werte und Grundhaltungen. Europa aber lebt aus der Vielgestaltigkeit seiner Völker und Kulturen, aus dem unerschöpflichen Reichtum seines regionalen Brauchtums.”

” Verwiesen wird dort auch auf Metapedia, der “alternativen Enzyklopädie” – ein pseudowissenschaftliches Projekt von rechts. Des Weiteren werden auch Links auf NPD, DVU, HDJ und andere rechtsextreme bis neonazistische Organisationen in der Bundesrepublik geboten.  

Im Manifest der Stiftung wird gefordert, dass “neben dem Europäischen Parlament eine weitere Kammer entwickelt werde, vergleichbar mit dem britischen Oberhaus,dem italienischen Senat oder dem deutschen Bundesrat , in der die Völker und Volksgruppen die vom Europarat verabschiedeten Gesetze und Verordnungen ebenfalls beraten, zustimmen oder ablehnen.”

Die “Stiftung” betreibt auch einen Blog – der allerdings sehr spärlich und unregelmäßig aktualisiert wird. So wird das aber nichts mit einem neuen Europa…

Das InfoRadio des RBB spricht am Montag, den 14. Juli 2008, um 07.25 Uhr mit Hajo Funke, Politologe an der Freien Universität Berlin, über dieses Thema.

Siehe auch: redok über die “Stiftung Kontinent Europa”.

Nachtrag: Übrigens gleicht das Geschreibsel über die USA und Identität in gewisser Hinsicht auch kulturalistischen Argumentationsmustern von Leuten, die das als links definieren. Die Jungle World berichtet über verkürzte Kapitalismuskritik in Kreuzberg: “Welch wahre Unbill dem urwüchsigen »Kiez« durch den Zuzug von internationalen Kon­zernen und »Yuppies« droht, besingt Monkey Mob in »Hier im Kiez«. Den Song gibt es auf der Homepage von »Mediaspree versenken« zu hören, die Band wird dort als »Teil des Widerstands gegen die Umstrukturierungsprozesse« bezeichnet. »Blutegel saugen das Viertel leerer und leerer«, beschwert sich die Kapelle in einer in Deutsch­land traditionell sehr beliebten Metaphorik. »Immobilienhaie spekulieren um Preise, zersetzen das große Ganze in Einzelteile«, fahren Monkey Mob fort. Die Band kommt zu dem Schluss: »Sie kommen, um unser Land zu rauben!«” Viel Glück, fällt einem dazu eigentlich nur noch ein…

Kein Kommentar »

  • vert said:

    mein problemchen mit dem letzten absatz will ich mal so ausdrücken (obwohl ich mich der aussage hier klar anschließen würde, dass es dabei um einen mehr als fragwürdigen ansatz handelt):
    Übrigens gleicht das Geschreibsel über die USA und Kapitalismus in gewisser Hinsicht auch neoliberalen Argumentationsmustern von Leuten, die das als links definieren….

    wenn zum beispiel teile der jungleworld-redaktion (streng nach anti-d-ideologie) kapitalismuskritik als amerikafeindlich als antisemitisch beschwurbeln, dann
    … gleicht das Geschreibsel über die USA und Identität in gewisser Hinsicht auch kulturalistischen Argumentationsmustern von Leuten, die das als rechts definieren und vom “kapital an der ostküste” schwadronieren.

    sowas entwertet dann auch leider gleich die berechtigte oben angeführte kritik.

    (und wenn wir jetzt großes glück haben, erleben wir eine große nabelschau und alle diskutieren über israel und das verhältnis in der deutschen linken. man muss ja schon froh sein, dass sowas wie das npd-blog überhaupt noch existieren kann. besten dank dafür.)