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Erfurt: Nazis drohen und prügeln, Polizei geht gegen Angegriffene vor

14. Juli 2008 11:09 599 mal gelesen 3 Kommentare

25 Nazihools haben laut einem Bericht von Indymedia eine Party nach einer Schlauboot-Tour in Erfurt überfallen. Dabei gab es den Angaben zufolge Verletzte auf beiden Seiten. An der Schlauchboot-Tour nehmen alljährlich zahlreiche Punks und Alternative aus Erfurt und anderen Städten teil.

Einem Augenzeugenbericht zufolge wurde der Angriff der Neonazis abgewehrt, allerdings soll es danach einen brutalen Polizeieinsatz gegen die Angegriffenen gegeben haben, während die Neonazis unbehelligt blieben, so dass es demnach am Abend noch zu einer Attacke des rechten Mobs auf eine Person kam, die im Krankenhaus behandelt worden war. Unter den Neonazis soll ein bekannter JN-Funktionär gewesen sein, heißt es weiter.

Die Thüringische Landeszeitung schildert den Ablauf der Ereignisse ganz ähnlich. Dort heißt es: “Hooligans, vermutlich aus dem Umfeld der gewalttätigen und rechtslastigen “Kategorie Erfurt”, lieferten sich eine handfeste Auseinandersetzung mit alternativen Jugendlichen und Punks. Die auf dem Wenigemarkt stehende Polizei griff erst ein, als Flaschen flogen. Die Polizei erteilte 42 Platzverweise und nahm drei Personen fest; mehrere Beteiligte wurden ins Krankenhaus eingeliefert.

Gegen 18 Uhr feierten hinter der Krämerbrücke rund 50 Personen, die am Nachmittag an einer Schlauchboottour abwärts der Gera teilgenommen hatten, die alljährlich im Sommer von Punks und alternativen Jugendlichen organisiert wird. Gegen 18.15 Uhr kam eine Gruppe von etwa 25 Personen aus Richtung Wenigemarkt und stellte sich in einer Reihe vor den Versammelten auf.

Eine verbale Auseinandersetzung zwischen einigen Personen schaukelte sich innerhalb von Sekunden derart hoch, dass die Fäuste flogen. Auch zahlreiche Bierflaschen flogen durch die Luft, Bootspaddel wurden zweckentfremdet, mindestens zwei Personen durch Flaschenwürfe am Kopf verletzt.

Erst in diesem Moment kamen behelmte Beamte der Bereitschaftspolizei um die Ecke, setzten Schlagstöcke und Pfefferspray ein. Ein Großteil der eigentlichen Angreifer konnte in diesem Moment das Weite suchen, da sich die Polizei hauptsächlich auf die Teilnehmer der Paddeltour konzentrierte. Schmerzschreie waren zu hören, viele rannten zur Gera um sich das Pfefferspray aus dem Gesicht zu waschen.

Zu einem weiteren Zwischenfall kam es am späten Abend vor dem Klinikum: Ein junger Mann, der sich wegen des Pfefferspray-Einsatzes in medizinischer Behandlung befand, wurde vor der Klinik von rund 20 Personen aus der gleichen Gruppe, die Stunden zuvor bereits Streit an der Krämerbrücke gesucht hatte, zusammengeschlagen und schwer verletzt.

Mindestens eine Person aus der Angreifergruppe gehörte dem organisierten rechtsextremen Spektrum in Erfurt an. Diese soll bereits am Vormittag bei der Abreise zur Schlauchboottour unverhohlen mit Gewalttaten, unter anderem mit einer erneuten Beschädigung des linken Jugendbüros “Redroxx”, gedroht haben.

Schon am Nachmittag habe eine Vielzahl von Leuten bei der Einsatzzentrale angerufen, hieß es in einem Pressebericht der Polizei. Es habe vor allem Beschwerden über Personen gegeben, die hinter der Krämerbrücke Alkohol konsumiert, Lärm verursacht und nackt badend die Öffentlichkeit belästigt hätten. Zusammen mit dem Bürgeramt der Stadt sollte die Situation kommunikativ geklärt werden.

Dem zuvorgekommen war jedoch die Gruppe, die auch laut Polizeidirektion der “Erfurter Hooliganszene” zugeordnet werden konnte. Dass die Polizei während des Überfalls wenige Meter entfernt auf dem Wenigemarkt präsent war und die meisten der Angreifer entkommen ließ, verurteilt die Antifaschistische Koordination Erfurt. Am Abend trafen sich mehr als 150 Personen spontan zu einer Kundgebung in der Innenstadt, um auf die Geschehnisse an der Krämerbrücke aufmerksam zu machen. Die Polizeidirektion wollte sich gestern auf Nachfrage der TLZ zu den Vorkomnissen am Sonnabend nicht weiter äußern.”

Auch eine Möglichkeit, einfach nichts sagen… Aber über die Verhältnisse in Thüringen war in den vergangenen Monaten schon so einiges gruseliges berichtet worden.  Im Juni war ein Bürgermeister von Neonazis niedergeschlagen worden, überregional interessierte das keinen Menschen; ebenfalls im Juni gab es ein Urteil gegen einen rechten Schläger, das “als Einladung” für weitere Gewalttaten gewertet wurde. Gewalttätern werde signalisiert, sie könnten im Freistaat einen Mann erschlagen und mit Bewährung davonkommen, hieß es.

Oder- wie in diesem Fall: Öffentlich drohen und dann zuschlagen – und die Polizei geht noch gegen die Angegriffenen vor. Über steigende Zahlen von Gewalttaten muss man sich da wohl nicht wirklich wundern. Die Aufforderung der CDU, die Bürgern sollten sich gegen Rechtsextremismus engagieren, erscheint da wie blanker Zynismus.

Siehe auch: Eine Stadt, die sich “fremdenfreundlich” nennt. , Aktion wegschauen geht weiter – auch Thüringen schönt offenbar Statistiken.

NPD-BLOG.INFO über Thüringen.

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