NRW: Dienstaufsichtsbeschwerde nach antisemitischem Angriff
Die Internet-Zeitung “Oberberg-Aktuell” berichtet über einen antisemitischen Angriff auf einen Jugendlichen in Oberberg. Wörtlich heißt es: “Peter Reinecke ist auch zwei Tage nach den üblen Vorfällen in Gummersbach fassungslos. Dass Menschen in Oberberg aufgrund ihres Glaubens oder ihrer jüdischen Wurzeln angegriffen und zusammengeschlagen werden könnten, hatte er sich bis zum vergangenen Samstag nicht vorstellen können. „Muss man heute, 70 Jahre nach der Reichskristallnacht, in Oberberg wieder Angst haben, jüdischer Herkunft zu sein“, fragt der fünffache Familienvater, der seit 1999 für die CDU im Kreistag sitzt. Schockiert ist Reinecke über zwei Vorfälle. Am vergangenen Samstag hatte sein Sohn Rafael an einer Geburtstagsfeier auf dem Sportplatz in Gummersbach-Rospe teilgenommen. Im Verlauf des Abends kam man im Gespräch auch auf Herkunft und Glauben zu sprechen, wobei Reineckes Sohn ganz offen über seine jüdischen Wurzeln sprach. Kurze Zeit später trafen dann vier offensichtlich rechtsradikal gesinnte Jugendliche bei der Feier ein, die offenbar von einem Gast informiert worden waren.
“Du dreckige Judensau”
Unvermittelt schlugen die Täter auf den Jugendlichen ein, malträtierten ihm mit Tritten gegen Kopf und Nacken und brüllten: „Du dreckige Judensau“. Zum Schluss warfen sie den Jungen einen Abhang hinunter, wo er gegen einen Baum prallte. Da sich seine Eltern nicht zu Hause befanden, rief der verletzte Jugendliche seine beiden Schwestern an, die ihn zunächst ins Krankenhaus brachten. Nach der ärztlichen Untersuchung kehrte man gemeinsam an den Tatort zurück, um die Namen der Täter zu erfahren und die Polizei zu rufen. Dort wurden die Schwestern des verprügelten jungen Mannes ebenfalls bedroht und auch mehrfach der „Hitlergruß“ gezeigt worden sein.
Hier beginnt nun der zweite Teil der Vorfälle, die Peter Reinecke schockieren. Trotz mehrfacher Anrufe bei der Leitstelle der Polizei und der Schilderung der Gefahrensituation sei eine Stunde lang kein Ordnungshüter am Tatort erschienen. Stattdessen habe man bei der Leitstelle unwirsch reagiert und das Telefongespräch abrupt beendet, nachdem die Anruferin die Örtlichkeit aufgrund eigener Unkenntnis nicht direkt beschreiben konnte. „Eie bodenlose Unverschämtheit“, so Reinecke. Als dann endlich die Polizei eingetroffen sei, habe sie zunächst den verprügelten Jugendlichen befragt, ob und wie er denn die Täter möglicherweise provoziert habe. „Wenn das der Schutz und die Umgangsformen der oberbergischen Polizei sind, frage ich mich – auch in meiner Funktion als Abgeordneter des Oberbergischen Kreises – wie weit wir gekommen sind? Mit Sensibilität hat dies rein gar nichts zu tun, mit dem Schutz der Bürger auch nicht“, schreibt Reinecke in einer Dienstaufsichtsbeschwerde an Landrat Hagen Jobi, denn der Politiker aus Nümbrecht will die Sache nicht auf sich beruhen lassen. „65 Jahre nach der Feststellung, dass der Kreis ‚judenrein’ sei, ist es nicht Zeit zu schweigen, sondern zu reden.“”
Mehr als 250 antisemitische Straftaten in drei Monaten
Im ersten Quartal 2008 wurden insgesamt 264 politisch rechts motivierte Straftaten mit antisemitischem Hintergrund gemeldet. Darunter waren 8 Gewalttaten und 48 Propagandadelikte. Die meisten Gewalttaten (drei) gab es in Brandenburg. Insgesamt wurden zehn Menschen durch die Attacken verletzt. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke hervor. Dabei wurden 168 Tatverdächtige ermittelt und zwei Personen festgenommen, ohne dass ein Haftbefehl erlassen wurde, heißt es weiter. Die aufgeführten Zahlen stellen laut Bundesregierung keine abschließende Statistik dar, sondern können sich aufgrund von Nachmeldungen noch (teilweise erheblich) verändern.
Siehe auch: NPD-BLOG.INFO über die Attacken auf TuS Makkabi., “Der Antisemit nimmt dem Juden nicht übel, wie er ist, sondern, dass er existiert”

Solch Verhalten der Ordnungshüter scheint sich zu häufen. Zur Zeit lebe ich in Sachsen-Anhalt und was man hier zu hören und zu sehen bekommt, ist mehr als erschreckend. Die Geschichte in Halberstadt ist nur ein kleiner Teil davon. Was tun? Im Nachbardorf wird fröhlich dem “Alkoholocaust” gefrönt. Wie setzt man sich durch, wenn halbe Familien diesem Geist verfallen sind?
Hey Olaf, stell deine Frage doch mal bei http://www.netz-gegen-nazis.de , das ist die richtige Adresse dafür.
Topic:
Vom Versagen der Ordnungshüter hört man wirklich immer öfter. Das mit der Dienstaufsichtsbeschwerde wäre viel öfter angebracht.
Gegen solche Versager-Polizisten bräuchte es eine (ich verwende diese Formulierung bewusst) rechtsstaatliche Offensive!
leider sind solche vofälle heute keine seltenheit mehr , ich bin der meinung das man viel härter gegen solche polizeibeamte vorgehn muss.
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