Bayern: NPD will angeblich Immobilie bei Bayreuth kaufen
Der angeblich (!) geplante Verkauf eines Hotels an die rechtsextremistische NPD sorgt laut ddp derzeit in Warmensteinach bei Bayreuth für Aufregung. Einem Bericht der “Nürnberger Nachrichten” zufolge will ein hochrangiger NPD-Funktionär aus Hamburg, gemeint sein dürfte Jürgen Rieger, das Gasthaus mit Saalbau und mehr als 60 Betten erwerben. Der Gemeinderat habe daher eine Sondersitzung zu dem Thema abgehalten, am 11. August 2008 werde bei der Bezirksregierung beraten.
Kommende Woche solle in dem Hotel bereits eine private Veranstaltung zum Todestag von Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß stattfinden, berichtete die Zeitung den Angaben zufolge. Nach Informationen der oberfränkischen Behörden sei sich der Besitzer des 10.000 Quadratmeter großen Anwesens, ein Münchner Lehrer, bereits mit der NPD über den Verkauf einig. In der nächsten Woche solle der Notartermin stattfinden. Die zweite Bürgermeisterin Hildegard Heser (CSU) reagierte am Samstag entsetzt auf die Entwicklung, wollte sich aber nicht näher äußern.
Bluff oder kein Bluff?
Wahrscheinlich wollen sich die Verantwortlichen zunächst versichern, dass es sich bei der ganzen Geschichte nicht um eine Finte handelt. Denn in anderen Fällen waren NPD-Funktionäre ganz ähnlich vorgegangen. Bis aufs Detail gleichen die oben beschriebenen Vorgänge vorherigen absichtlichen Kaufabsichten. So will die NPD in Baden-Württemberg angeblich ein Hotel kaufen, woher das halbe Milliönchen dafür herkommen soll, ist vollkommen unklar.
So deutet auch in dem bayerischen Fall einiges – wie zuvor beispielsweise im Fall Melle – einiges darauf hin, dass die NPD abkassieren will. In Melle musste NPD-Vize Jürgen Rieger einen Kauf “rückabwickeln”, da seine öffentlich verkündeten Kaufabsichten eines alten Bahnhofs mit einem Schulterzucken quittiert worden war. Auch hatte es in NRW einen Fall gegeben, wo Jürgen Rieger angeblich eine Immobilie kaufen wollte – die Gemeinde kaufte – und ist jetzt so gut wie bankrott.
Die NPD sorgte immer wieder mit angeblichen Immobiliengeschäften für Schlagzeilen. Besonders Parteifunktionär Uwe Meenen tauchte dabei immer wieder auf, so auch in Rheinland-Pfalz und im bayerischen Cham. Nach einem Bericht von tagesschau.de erwarb Meenen auch das Schloss Trebnitz im sachsen-anhaltischen Bernburg, dass danach als “Nationales Zentrum Mitteldeutschland” ausgebaut werden sollte. Letztendlich wurde es anschließend bei ebay wie Sauerbier angeboten. Die mutmaßliche Masche: Die NPD tritt als angeblicher Interessent für schwer zu verkaufene Immobilien auf, daraufhin kauft die öffentliche Hand das Anwesen. Die NPD erhält dafür dann eine Gewinnbeteiligung.
Kult um Hitler-Stellvertreter Heß
Was auch im aktuellen Fall auffällt: Die Kaufabsichten werden öffentlich gemacht, es wird behauptet, es gebe einen baldigen Notartermin. Allerdings sucht Rieger schon länger in der Nähe von Wunsiedel, wo Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß begraben liegt, eine Immobilien, um ein “Heß-Gedächtniszentrum” zu eröffnen. Und Warmensteinach liegt nur etwa 25 Kilometer von Wunsiedel entfernt (laut Google Maps gut 20 Minuten mit dem Auto).
Weiterhin konnte Rieger zuletzt seine Briefkastenfirma in London reaktivieren und den Zugriff auf einige Immobilien wiedererlangen. Über ausreichend Geld soll Rieger zudem verfügen, wobei einige Beobachter auch darüber spekulieren, ob Rieger wohl wirklich über so viele Mittel verfüge, wie es des Öfteren berichtet worden war.
Siehe auch: “Die NPD kann da Radieschen ziehen”, Stadt Delmenhorst geht auf Nummer sicher und kauft Hotel

