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NPD-Vize Rieger wirft NPD-Führung „parteischädigende Maßnahmen“ vor

12. August 2008 12:50 14 mal gelesen Kein Kommentar

Der Konflikt in der rechtsextremen Bewegung um die Erklärung des NPD-Präsidiums zu den Vorkommnissen bei der Beerdigung des Altnazis Friedhelm Busse wird schärfer. In der Erklärung hatte die NPD-Spitze Ex-Bundesvorstand Thomas “Steiner” Wulff vorgeworfen, der Partei durch “Provokationen” zu schaden. Wulff hatte eine Fahne mit einem Hakenkreuz auf Busses Sarg gelegt. Außerdem war in dem Schreiben in Bezug auf Wulff von Selbstdarstellern die Rede. Nun schrieb NPD-Vize Jürgen Rieger angeblich einen Brief an Parteichef Udo Voigt, behauptet zumindest eine bekannte Neonazi-Seite, die das Schreiben auch gleich veröffentlichte. Darin heißt es unter anderem:

Offensichtlich sind einige Personen im Präsidium der Auffassung, daß man die freien Kräfte nicht mehr benötigt, und sie systematisch vor den Kopf gestoßen werden sollen [...] Das sind nach meiner Auffassung „Provokationen und parteischädigende Maßnahmen“, weil ohne den Eintritt der freien Kräfte und ohne den massiven Einsatz der freien Kräfte bei den Wahlkämpfen es weder in Sachsen noch in Mecklenburg-Vorpommern irgendeine NPD-Fraktion gegeben hätte. Angesichts stagnierender Mitgliederzahlen massive Anstrengungen zu unternehmen, die freien Kräfte zum Austritt aus der Partei zu bewegen, ist absolut kontraproduktiv, und bringt die NPD wieder dahin, nämlich in den Nullkommabereich, wo sie vor Eintritt der freien Kräfte war.

Durch diese Erklärung ist sichergestellt, daß parteifreie Kräfte sich bei NPD-Wahlkämpfen nicht mehr helfend einsetzen. Ich erwarte deshalb eine öffentliche Erklärung des Präsidiums, wo ausdrücklich klargestellt wird, daß Thomas Wulff nicht als politischer Selbstdarsteller oder Provokateur seitens der Partei angesehen wird. Es war Steiners Idee schließlich, die freien Kräfte an die Partei anzubinden, und wenn einige im Präsidium, die durch ihre vom Staat bezahlten Posten meinen, dem System gegenüber Rücksichten walten zu lassen und ja nicht anzuecken, um ein möglichst harmloses Bild zu bieten, mit ihrem Kurs durchkommen, dann wird die NPD genauso wie die Republikaner im Orkus der Geschichte verschwinden.

Rieger stellt dem Bericht zufolge außerdem klar, dass

die Erklärung des NPD-Parteipräsidiums vom 31. Juli 2008 zur Beisetzung von Friedhelm Busse wird von mir nicht nur nicht mitgetragen, sondern darüber hinaus schärfstens missbilligt [wird].

Damit wird die Luft für NPD-Chef Voigt offenbar immer dünner. Denn kurz zuvor hatte der NPD-Fraktionschef in Schwerin, Udo Pastörs, den Druck auf den Parteichef erhöht (siehe entsprechende Meldung von heute). Sollte Voigt seinen Posten bald verlieren, könne es mindestens auf einen Machtkampf zwischen Pastörs und Rieger hinauslaufen.

Kein Kommentar »

  • WW said:

    Man sollte im Hinterkopf behalten, dass die ganze Nazi-Szene – und damit auch die NPD, DVU und diverse sogenannte “freie Kräfte” – traditionell sehr zersplittert ist. Die propagierte “Volksfront von rechts”, die von einer Partei unter einem Führerchen angeführt wird, hat es sogar innerhalb der rechten Szene so nie gegeben. Denn die in den letzten Jahren oberflächlich demonstrierte Einigkeit aller Splittergruppen beruhte allein auf der Erkenntnis, dass die Zusammenarbeit und scheinbare Geschlossenheit Früchte in Form von Wahlerfolgen trägt. Doch werden dabei innere Konflikte (wie jene Strategien, sich bürgerlich, militant, bieder oder pseudo-demokratisch zu geben) nur unterdrückt und brechen dann wieder auf, zum Beispiel anhand einer Hakenkreuzfahne. Dabei unterscheidet man sich zwar nicht ideologisch, aber doch in der Außendarstellung erheblich voneinander – ob man im “System” oder dagegen agieren sollte, ob man Propaganda offen zeigen oder formal verurteilen sollte. Somit besteht die begründete Hoffnung, dass sich die Nazis wie in der Vergangenheit auch in Zukunft selbst irgendwann selbst ein Bein stellen werden und dieser Pakt aller rechten Gruppen kollabiert. Da es genug Konfliktpotenzial gibt, wird es spätestens bei schlechten Wahlergebnissen heiße Diskussionen oder sogar den großen Knall geben, wo jeder wieder seins macht.

  • NPD-Vize Rieger wirft NPD-Führung „parteischädigende Maßnahmen“ vor « dokumentationsarchiv said:

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