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Angeblich “Mordanschlag” auf NPD-Funktionär / Bekennerschreiben wird geprüft

28. August 2008 10:02 112 mal gelesen Kein Kommentar

Die NPD spricht von einem “Mordanschlag”, in den einschlägigen Internet-Foren überbieten sich Neonazis bereits mit gewalttätigen Racheplänen, die NPD Barnim Uckermark führte bereits eine Spontandemonstration durch. Was ist geschehen? Die Autos und das Carport des ehemaligen NPD-Kreisvorsitzenden Barnim Uckermark, Mike Sandow, waren ausgebrannt, möglicherweise durch einen Brandanschlag. Allerdings ist die genaue Ursache noch unklar.

“Jetzt kommen die Kommunisten!”

Doch für Sandow, die NPD und Neonazi-Seiten stand sofort fest: Es war es ein gezielter “Mordanschlag” durch “die Kommunisten” (Zitate aus einem Bericht des “Nationalen Netztagebuchs”). In einem Bericht des “Nationalen Netztagebuchs”, welches von der NPD Barnim betrieben wird, heißt es:

Mike Sandow, NPD-Kandidat zu den brandenburgischen Kommunalwahlen hat keinen Zweifel, dass es sich um einen gezielten Anschlag handelte. “Als ich die erste Explosion hörte, war mir sofort klar was los ist. Ich weckte sofort meine Frau und sagte zu ihr: Jetzt ist es soweit…jetzt kommen die Kommunisten. Noch nicht ausgesprochen gab es schon die zweite Explosion.” Die Fahrzeuge befanden sich unter einem Carport, wenige Meter vom Haus entfernt.

Bei der Polizei in Barnim zeigte man sich auf Anfrage verwundert über die Aktivitäten der NPD. Kein Wunder, denn in der Pressemitteilung der Polizei vom 26. August 2008 hieß es:

Aus bisher unbekannter Ursache brannte heute in den frühen Morgenstunden ein Carport auf einem Grundstück im Kirchhofsweg. Die Grundstücksinhaberin bemerkte den Brand und informierte sofort die Polizei des Schutzbereiches Barnim, welche umgehend Einsatzkräfte zum Einsatzort entsandte. Die Feuerwehr wurde ebenfalls über den Brand im Kirchhofsweg informiert.

Unter dem brennenden Carport befanden sich zwei Pkw, welche ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen wurden. Der Brand wurde durch die Einsatzkräfte der Feuerwehr gelöscht. Zur Schadenshöhe liegen momentan noch keine Angaben vor. Für das angrenzende Wohnhaus und die darin befindlichen Personen bestand keine Gefährdung. Als Geschädigter tritt der ehemalige Vorsitzende der NPD im Bereich Barnim/ Uckermark auf. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen. Diese dauern zurzeit an. Es besteht der Verdacht der Brandstiftung.

Offenbar Betreiber des “Netztagebuchs” 

Sandow soll einer der Betreiber des “Nationalen Netztagebuchs” der NPD sein, welches für Partei-Verhältnisse durch besonders offene Hetze auffiel. So gab es im Dezember 2007 einen Artikel, in dem von der “Sonderbehandlung” für politische Gegner die Rede war. Im Februar 2008 veröffentlichte das “Netztagebuch” einen Beitrag mit der Überschrift: “Grundstück für Juden, nicht jedoch für deutsche Jugend?”. In dem Artikel heißt es:

Minderheiten haben es in der brd besonders gut. Vorallem dann, wenn sie an den Hebeln der Macht sitzen. Und so genügt das ziehen an einigen Fäden um so manch willfährige Politiker-Puppe in die gewünschte Bewegung zu bringen. Folgerichtig verkündet heute die moz, dass 2012 in Potsdam eine Synagoge entstehen soll.

Weiter das NPD-Netztagebuch, laut Impressum zu erreichen über die Bundeszentrale der völkischen Partei:

Die Synagoge Potsdam wurde bei einem Bombenangriff der “alliierten Befreier” am 14. April 1945 schwer beschädigt und folgerichtig im August 1957 auf Beschluss des Rates der Stadt abgerissen.

Folgerichtig? Hätte man also dieser Argumentation zufolge auch alle deutschen Städte abreißen sollen, die beschädigt waren? Bemerkenswerter Gedankengang. Vielleicht will sich die NPD auch für die Deindustrialisierung einsetzen, auch Gerd Sonneitner wäre möglicherweise für eine Podiumsdiskussion zum Thema “Der Morgenthau-Plan – eine verpasste Chance für Deutschland?” zu gewinnen.

Was fehlt noch bei dieser Nazi-Hetze? Richtig: die “jüdisch-bolschewistische” Verschwörung

Literatutipp dazu:

Los geht`s:

Ganz vorne mit dabei wenn es darum geht fragwürdige Allianzen zu schmieden sind wiedermal die Kommunisten der EX-SED. So übergab die Landtagsfraktion der Linken eine Spende von 1.800 € an die Juden. Eine Allianz aus Juden und Kommunisten also? Was man davon zu halten hat sollte jeder für sich selbst klären und dabei einen Blick in die Geschichte werfen.

Noch ein Beispiel aus dem “NN”, dabei wird im antisemitischen Wahn ein Zusammenhang zwischen einer Razzia gegen die NPD und der Forderung nach einem NPD-Verbot von der Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, konstruiert. Wörtlich heißt es:

Wer mal wieder bezweifeln will wer die eigentliche Macht im Staat bildet dem sei hier mal wieder folgendes vorgeführt. Noch gestern forderte …die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, (..) eindringlich ein Verbot der rechtsextremistischen NPD. [...] Und siehe da. Auftragsgemäß geht man natürlich sofort ans Werk um den Forderungen in gebückter und gesetzlich vorgeschriebener ewig demütiger Haltung sofort nach zu kommen. Keine 12 Stunden nach der Forderung von Zentralrats-Charlotte, wird die Parteizentrale der NPD durchsucht. Und da soll natürlich bestimmt auch gar kein Zusammenhang bestehen? Neeeiiinnnn….natürlich nicht. Das kann man doch niemanden mehr erzählen. In welchem Sinne und nach wessen Willen hier Politik gemacht wird dürfte damit auch dem letzten Zweifler endlich klar vor Augen geführt worden sein.

Dem Letzten dürfte damit vor allem klar vor Augen geführt worden sein, dass man sich Diskussionen mit solchen Leuten locker sparen kann. Denn wer aus blindem Hass auf Juden selbst einfachste Zeitabläufe (nur zwölf Stunden zwischen der Forderung und der bundesweiten Razzia) ausblendet und tatsächlich glaubt, der Zentralrat habe faktisch die Macht in der Bundesrepublik, ist möglicherweise eher ein Fall für einen Facharzt denn für politische Streitgespräche. Auch eine “Wahlanalyse” des “Nationalen Netztagebuchs” aus dem Januar 2008 ist durchaus erhellend.

Offenbar Bekennerschreiben eingegangen

Und bevor mir jetzt irgendwelche Oberschlaumeier unterstellen, ich möchte durch diese Aufzählung von fürchterlichen Veröffentlichungen des “NN” einen möglichen Anschlag auf Sandow rechtfertigen: Es geht mir hier um die nicht vorhandene Glaubwürdigkeit des “Nationalen Netztagebuchs”, welches “Mordanschlag” schreit. Ein Brandanschlag von militanten Antifas erscheint nämlich gut möglich. Auf Anfrage bestätigte die Staatsanwaltschaft Frankfurt/Oder am 28. August 2008, dass ein Bekennerschreiben vorliege, welches auf einen politisch motivierten Brandanschlag hinweise. Die Echtheit des Schreibens werde zurzeit geprüft.

Kein Kommentar »

  • Vermeintlicher Anschlag auf Naziautos in Biesenthal | Antifaschistische Aktion Bernau (bei Berlin) - www.antifa-bernau.tk said:

    [...] Weiterer Artikel unter dem Titel “Angeblich “Mordanschlag” auf NPD-Funktionär” gibt es unter http://www.npd-blog.info [...]

  • WW said:

    In der Tat mutet dieses widersinng an! Ein angeblicher Mordanschlag, bei dem laut Polizei “für das angrenzende Wohnhaus und die darin befindlichen Personen [...] keine Gefährdung” bestanden habe. Aha. Aber wer wird denn kleinlich sein.
    Aber, liebe NPD, mit einem Blick in die Geschichte kann ich die Allianz zwischen Juden und Kommunisten nicht recht erkennen. So werden doch die Juden von Euch gerne als Großkapitalisten und Bereicherer verachtet. Und die sollen mit den Kommunisten alles verstaatlicht haben? Sagenhaft….

    Jüdisch hingegen ist für die Nazis alles, was ihnen nicht passt. Dieser so einfache Satz ist trotzdem richtig. Erinnern wir uns an den Fußball, wo man den Gegner gerne als Juden bezeichnet, entsprechende Transparente sind weithin bekannt. Und auch die “Freien Nationalisten Bremen”, mehr ein unfähiger Trümmerhaufen als eine Organisation, spricht nach dem Krieg von “britisch-jüdischen Folterknechten” in Bad Nenndorf. Hier werden die Juden als deutsche Opfer sogar zu Tätern an den Deutschen gemacht. Es ist eben keine Fantasie zu dumm, wenn man hasserfüllt ist.
    Übrigens ruft man dort auch auf:
    “Wir fordern alle Deutschen auf, dem gewalttätigen und zerstörerischen Treiben der sogenannten Antifaschisten (Antifa) ein Ende zu setzen und gemeinsam mit uns linksextremistische Krawallmacher zu bekämpfen – wenn notwendig mit allen Mitteln !!!”

    Das klingt doch schon eher nach Mord.

  • WW said:

    Nachtrag:
    Bei Altermedia sind sich die Nazis sogar schon sicher, dass es ein “Bombenanschlag” war. Nanu, warum schließt man dieses? Etwa aus Veröffentlichungen der Kriminalisten, gar aus eindeutigen Spuren am Tatort? Nun, vor allem gibt es eine Spur:
    “Mehrere Fahrzeuge der Kriminaltechnik waren vor Ort, darunter auch ein Fahrzeug das sonst bei Ermittlungen beteiligt ist, die im Zusammenhang mit Sprengstoffen stehen.” Von der BLÖD sind wir durchaus solch raffinierte Schlussfolgerungen gewohnt und da will man als Nazi natürlich nicht zurückstehen. Und wir fragen jetzt nicht, warum die Nazis “ein Fahrzeug, das sonst bei Ermittlungen beteiligt ist, die im Zusammenhang mit Sprengstoffen stehen” so gut kennen. Wir stellen nur fest, dass man sich in der Szene sehr gut mit solchen Dingen auskennt, quasi Expertenstatus beanspruchen darf:

    http://www.redok.de/content/view/295/36/

    http://www.netzeitung.de/politik/deutschland/810370.html

    http://www.aida-archiv.de/index2.php?option=com_content&do_pdf=1&id=370

    Und:
    “In dem kleinen Ort Reinhardtsdorf-Schöna in der Sächsischen Schweiz [...]war die NPD bereits in der Vergangenheit stark. Zu tun hat das mit dem einflussreichen örtlichen Klempnermeister, der sich für die NPD einsetzt und bei dem die Polizei während einer Razzia gegen eine Skinheadgruppierung vor Jahren Sprengstoff in der Garage fand.
    Quelle: http://www.faz.net/s/Rub61EAD5BEA1EE41CF8EC898B14B05D8D6/Doc~EDA36F7665179441F9BD72E3BB5930362~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    Und wir wollen auch nicht unterstellen, dass man sich propagandistisch gar als Opfer von Staatsterrorismus stilisieren möchte. Sonst müssten wir ja auch diese Lüge als weiteren Beleg dafür einordnen: Der Anschlag würde nicht veröffentlich, jammern dieselben Nazis: “Nicht einmal in der Polizeipresse, die ansonsten jede kleine Bagatelle dokumentiert.”
    Tja, wir, die Leser dieses Blogs und damit des Lesens mächtig, konnten uns anhand des Textes oben ja immerhin vom Gegenteil überzeugen.

    NPD-Blog-Leser wissen mehr :-)

  • Charly said:

    Von “jüdisch bolschewistischer Verschwörung” – oder ein Vorurteil kann auf einem anderen aufbauen.
    “Die Juden sind Kommunisten” oder “die Kommunisten sin Juden” – das ist bis heute bei vielen Menschen die feste Überzeugung.
    Es ist – wohl auch denen, die das Stereotyp verbreiten – ja überhaupt nicht klar, was es bedeutet, in diesem Zusammenhang jemanden als Juden zu bezeichnen, zu identifizieren; welche Kriterien sollten hier gelten? Die jüdische “Abstammung”? die jüdische Kultur? die jüdische Religion? oder gar das jüdische “Aussehen”?
    Die antisemitische Vermischung von Judentum und Sozialismus nahm seinen Anfang mit Karl Marx, der zusammen mit Friedrich Engels das “Kommunistische Manifest” verfasst hatte. Das war das Schreckgespenst einer Revolution – der Generalangriff auf das konservative Bürgertum. Sowas konnte doch nur von Juden kommen , jenen Feinden alles Bestehenden! Da spielte es auch keine Rolle, dass Marx mit sechs Jahren getauft wurde und zusammen mit seinen Eltern zum Protestantismus konvertierte. Aber einen ordentlichen Antisemiten beeindruckt so etwas überhaupt nicht – denn deren Überzeugung heisst: “Einmal ein Jude, immer ein Jude”.
    Die sozialistischen Ideen haben bei Juden durchaus Resonanz gefunden. Dafür gibt es aber nüchterne und logische Gründe.
    1. Im Zarenreich wurden die Juden unterdrückt, und immer wieder kam es zu blutigen Pogromen. Wo sonst hätten säkularisierte Juden Hoffnung finden können als in sozialistischen und zionistischen Ideen? Thron und Adel, Staat und Kirche waren gegen sie eingestellt.
    2. Während der Oktoberrevolution haben einige gegenrevolutionäre Gruppierungen grausame Massaker an Juden verübt, insbesondere die Weissen Garden in der Ukraine. Das hat die Juden geradezu in die Arme der Bolschewiki getrieben. Aber eine wirklich beherrschende Stellung haben Juden im kommunistischen Machtapparat nie eingenommen.Zudem haben sie sich gerade nicht als Juden verstanden. Das sind ebenso historische Tatsachen wie die Ermordung Trotzkis und vieler anderer Juden durch Stalins Killer in den Dreißigerjahren und danach.
    Aber die Kombination von “Jude” und “Bolschewist” passte schon immer nahtlos in das Weltbild der Antisemiten. Schliesslich führte diese kontinuierliche Hetzpropaganda zu einem Feindbild, das Hitler und anderen 1941 zur Rechtfertigung des Überfalls auf die Sowjetunion dienen sollte.
    Und dieses alte Stereotyp wird heute wieder belebt – gerade auch bei uns in Deutschland.

  • OttoKrüja said:

    Was ich an der Meldung witzig finde:
    Das NETZTAGEBUCH (!) benutzt völlig ungeniert das Wort ‘Carport’!
    Na, das sind mir ja dolle Nationalisten!

  • Bert said:

    bei solchen Texten wie sie im netztagebuch erschienen sind, weiß ich immer nicht, ob ich nun lachen, oder weinen soll.

    Lachen könnte ich jedes mal über die ganzen ungereimtheiten und unlogiken, die nur den schluss zulassen, dass da entweder sehr dumme menschen, sehr verblendete Menschen, oder aber Menschen am werke waren, die andere verblenden wollen. Zum weinen ist mir dann oft zumute weil es leider viel zu viele gibt, die sich dann durch diesen schwachsinn verblenden lassen und alles glauben. und große Medien helfen mit, indem sie pressemitteilungen die meist das gleich niveau aufweisen einfach als redaktionellen bestandteil ausdrucken