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Bayern: Männer dominieren NPD-Listen, sind aber kaum zu erreichen

01. September 2008 15:10 506 mal gelesen 2 Kommentare

Immer wieder betont die rechtsextreme NPD, sie sei der Sachverwalter des Volkes, nicht so abgehoben wie die “kriminelle Politikerkaste” usw.usf. Über das Angebot Kandidatenwatch lassen sich solche Behauptungen stets sehr schön überprüfen, auch andere Rückschlüsse sind möglich – wie auch schon die Wahlen in Niedersachsen und Hessen gezeigt hatten.

Da wäre zunächst die Dominanz der Männer in der NPD. Bei 91 Kandidaten gibt es nur etwa zehn Frauen auf der Liste der rechtsextremen Partei. Dazu auch hier: Kandidatinnen kommen bisweilen aus der Familie eines anderen Kandidaten oder sind anderweitig mit NPD-Kadern verbunden.

Keine Kontaktmöglichkeit für den Wähler

Interessant auch, wie wenige NPD-Kandidaten überhaupt ihre Email-Adresse für Fragen zur Verfügung gestellt haben. Bei der 1915 geborenen Anneliese Michael möchte man dies noch nachsehen, doch nach Angaben von Kandidatenwatch gibt die NPD besonders bei unerfahrenen Kandidaten zumeist nur Email-Adressen von Bezirks- oder Kreisverbänden an. Eine bei Kandidatenwatch nicht zulässige Praxis. So wundert es auch nicht, dass bislang lediglich bei 17 von 91 NPD-Kandidaten Fragen gestellt wurden.

Kopfschütteln bei Kandidatenwatch…

Zudem beschwerte sich die NPD laut Kandidatenwatch, dass ihre Listen zunächst nicht vollständig dargestellt worden waren. Dies sorgte bei den Machern von Kandidatenwatch für Kopfschütteln, hatten sie doch nach eigenen Angaben bei der NPD immer wieder nachgehakt, um rechtzeitig Kandidatenlisten für die Wahlen zu bekommen – ohne Erfolg.

Nationaler Sozialismus und Nationalsozialismus

Die meisten Fragen wurden bislang Peter Haese gestellt, von zehn beantwortete er neun. Eine ließ er offen – und dieses Beispiel zeigt, wie man mit etwas Hintergrundwissen die NPD schnell in höchste Verlegenheit bringen kann:

Sehr geehrter Herr Haese,

Führende Kader ihrer Partei, u.a. der Parteivorsitzende Udo Voigt, sprechen häufig von einem “Nationalen Sozialismus”.

Wie unterscheidet sich ihr “Nationaler Sozialismus” vom “Nationalsozialismus” der Vergangenheit?

Es gibt eine Argumentationshilfe für NPD-Leute, gemacht von Jürgen Gansel (NPD). Diese Broschüre empfielt Ihnen auf meine Frage folgende Antwort:


Auf den Themenkomplex Holocaust, Kriegsschuldfrage 1939 und Nationalsozialismus sollte sich mit dem Hinweis auf die Gegenwartsaufgaben der NPD niemand festnageln lassen.—–Ich möchte aber IHRE persönliche Meinung dazu hören. Zur Erinnerung: Wie unterscheidet sich ihr “Nationaler Sozialismus” vom “Nationalsozialismus” der Vergangenheit?Mit freundlichen Grüßen

Indirektes Bekenntnis zum Nationalsozialismus 

Nachtrag 01.09.2008, 18:20 Uhr: Mittlerweile hat Haese geantwortet – und seine Reaktion ist schon sehr lesenswert:

“Da ich annehme, daß Sie die genannte Argumentationshilfe und auch andere NPD-Publikationen gelesen haben, muß ich Ihnen wohl nichts über das Wollen der NPD zu diesem Thema sagen. Ihre darüber hinausgehende spezielle Frage werde ich nicht beantworten, da ich nicht den Rest meiner Lebensjahre hinter Gittern verbringen möchte.”

Die restlichen Zeilen füllt Haese mit dem ewigen Lamento über angeblich fehlende Meinungsfreiheit in der Bundesrepublik. Wie gehabt.

Die NPD tritt bei den Ende September in Bayern stattfindenden Landtags- und Bezirkswahlen flächendeckend an. Von den Bewerbern der rechtsextremen Partei sind mehrere bereits mit dem Gesetz in Konflikt geraten und oder haben verbotenen Neonazi-Gruppierungen angehört. Viele sind auch durch besonders extreme Sprüche aufgefallen.

Hier die NPD-Kandidaten ohne Email-Adresse (Stand 22. August 2008):

Anneliese Michel,
Armin de Bruyne,
Benjamin Blümel,
Bernd Reichelt,
Bernd Gerhard Lorenz,
Björn-Christopher Balbin,
Christoph Hofer,
Dieter Fischer,
Dietmar Genzel,
Dirk Reifenstein,
Dominic Bruno Hanakam,
Dr. Gerhard Gregori,
Eduard Hornsteiner,
Elisabeth Götz,
Elke Tamme,
Erich Schwarzfischer,
Erich Georg Wilhelm,
Frank Behm,
Frank Hartwig,
Fred Eichner,
Gerald Schmidt,
Harald Merl,
Horst Fritz Fuchs,
Jakob Schelshorn,
Jasmin Oleszak,
Jens Rüttiger,
Johann Böhm,
Johann Unterstaller,
Jürgen Blank,
Jürgen Schubert,
Karin Machner,
Karl Richter,
Manfred van Gorkom,
Marc Freitag,
Marco Reeb,
Markus Fridgen,
Martin Gabling,
Martin Paulus,
Matthias Bauerfeind,
Matthias Fischer,
Matthias Polt,
Michael Heiß,
Michael Paulus,
Nico Krause,
Patrick Bernstein,
Per Lennart Aae,
Philip Kraus,
Rainer Biller,
Ralf Ollert,
Renate Werlberger,
Richard Vahlberg,
Robert Erlebach,
Roland Wuttke,
Ronny Goth,
Rudolf Dorn,
Sabrina Tänzer,
Sebastian Schmaus,
Simon Siegl,
Stefan Faber,
Stefan Friedmann,
Stephan Steininger,
Thorsten Emde,
Toni Kuster,
Thorsten Steinbeck,
Ulrich Pahl,
Uwe Brunke,
Waldemar Hirschfeldt,
Waldemar Horn,
Walter Baur,
Wolfgang Rochner

insgesamt 69, also gut 2/3 aller Kandidaten sind noch ohne Angabe der Email-Adresse, so Kandidatenwatch gegenüber NPD-BLOG.INFO.

Siehe auch: Bayern: Die Kandidaten der rechtsextremen NPD, NPD-Tarnliste zieht in bayerische Stadträte ein, Bayern: Grillabend statt Großveranstaltung, NPD-Kandidaten: männlich und kaum zu erreichen

2 Kommentare »

  • Parteiloser said:

    Genialer Schachzug des Fragestellers.

  • treffend said:

    alles obdachlose?an tageslichttauglichem Personal mangelt es der NPD weiter.