Veranstalter der Holocaust-Konferenz fordern Verbot der Anti-Islam-Konferenz
Aus der Rubrik alle Feinde meines Feindes sind doch nicht meine Freunde: Erst lädt man sich Rechtsextremisten und Holocaust-Leugner ein, nennt diese ganze antisemitische Propaganda einen Beitrag zur Meinungsfreiheit und beschimpft andere Staaten, die angeblich die vermeintliche Wahrheit unterdrücken. Gemeint ist hier natürlich der Iran, bzw. dessen Führung. Nun meldet sich Teheran wieder zu Wort, es geht um die rassistische Anti-Islam-Konferenz in NRW. Diese für den 19. und 20. September angesetzte Veranstaltung solle verboten werden, forderte die iranische Führung von der französischen EU-Ratspräsidentschaft, wie die amtliche Nachrichtenagentur Irna am 03. September 2008 berichtete.
Diese Forderung ist durchaus nachvollziehbar, verständlich und unterstützenswert, doch aus dem Mund der iranischen Regierung einfach nur blanker Hohn. Deutsche Rechtsextremisten wird es egal sein, sie feiern Ahmadinedschad weiterhin ab, wenn er gegen Israel hetzt – und setzen gleichzeitig auf rassistische Anti-Islam-Kampagnen. Zwar gibt es auch Neonazis, die den Islam durchaus bewundern, aber eben nur, wenn er in den vermeintlichen Heimatländern ausgeübt wird. Auch bei der Anti-Islam-Konferenz geht es wohl kaum um eine Modernisierung der Religion, nicht um die Rechte von Frauen, sondern diese Kreise wollen schlicht und ergreifend keine Moslems in Deutschland und Europa haben, die Islam-”Kritik” ist hier Mittel zum “fremden”feindlichen Zweck. Daher ist es auch extrem wichtig, dass sich fortschrittliche Kritiker des Islam deutlich distanzieren von diesem rassistischen Bürger-Mob.
“Feel the Difference!”
In der linken Wochenzeitung Jungle World wird vor dem Kongress und dem linken Gegen-Kongress “Feel the Difference!” über den Umgang der Linken mit rechter, rassistischer Islamkritik diskutiert, aber auch über die Aufgaben einer linken Islamkritik. Im Beitrag der Gruppe TOP-Berlin (Jungle World 35/08) wurde die Islamisierung muslimischer Migranten vor allem auf deren soziale Benachteiligung und Stigmatisierung in der Diaspora zurückgeführt. Darauf antwortete Klaus Blees, der als Podiumsteilnehmer an dem Gegen-Kongress teilnehmen wird, mit seinem Artikel “Mehrheit ist relativ“.
Rund 1000 Teilnehmer erwartet
Am 19./20. September sollen in Köln rund 1000 Teilnehmer der rechtspopulistischen und radikalen Szene der Einladung der Partei “pro Köln” zu dem “Anti-Islam-Kongress” folgen. Prominente Rechtsaußen wie der Franzose Le Pen werden erwartet, Redner der FPÖ, von Italiens Lega Nord und Belgiens “Vlaams Belang”. 40.000 Gegendemonstranten sind laut Medienberichten gemeldet.
An dem rassistischen Kongress wird unter anderem auch der Bundestagsabgeordneten Henry Nitzsche teilnehmen. Bereits vor drei Jahren war Nitzsche mit der 2004 von der NPD verwendeten Parole “Arbeit, Familie, Vaterland” in den Wahlkampf gezogen. Der Slogan war als “Travail, Famille, Patrie” bereits Wahlspruch des französischen Vichy-Regimes während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg gewesen. Wes Geistes Kind der Hinterbänkler ist, zeigte er bereits als Christdemokrat. Ende 2006 sorgte er für Schlagzeilen, als bekannt wurde, daß er auf einer Veranstaltung der sächsischen CDU zum Thema “Patriotismus” erklärt hatte, man brauche denselben, »um endlich vom Schuldkult runterzukommen«, damit Deutschland “nie wieder von Multikultischwuchteln in Berlin regiert” werde.
Siehe auch: Sachsen: CDU verhilft NPD zu noch mehr Akzeptanz, Sachsen: Nitzsche begehrt bei den Rechten, Homophobes Geprolle – am besten bei der NPD, Hetze gegen Schwule – Anzeige gegen “al Salam” , Nazis und Islamisten: Trotz des gemeinsamen Feindes – zu viel Hass für Kooperation, Ethnopluralismus für Fortgeschrittene: “Nazis für Israel”, Niedersachsen: Brandanschlag auf islamischen Gebetsraum, Berlin: “Blutsauger Israel”, Europäische Rechtsparteien planen Bündnis – ohne NPD und DVU, Analyse: Extreme Rechte & Islam, Antisemitismus in Europa – und der hilflose Kampf der UNO gegen den Judenhass, Antisemiten unter sich: Mahler schreibt an Ahmadinedschad, ‘Zwei Araber und ein Nazi’ rappen für ‘den Tod aller Juden’, Schweiz schlägt Holocaust-Konferenz vor, Iran: “Hitler war Jude”, Holocaust-Konferenz: Finkelstein doch nicht dabei, Holocaust-Leugner: Iran soll “humanitäre Hilfe” leisten

woher stammt eigentlich die Zahl der 40.000 Gegendemonstranten? Über diese Zahl stoplere ich beim lesen jedes mal.
Ich bin mir nicht ganz im Klaren, welches Spektrum dorthin mobilisiert werden kann um solche Mengen zu versammeln.
Kann es jemand erklären?
Die Zahl wird hochgerechnet aus der Anzahl der aufrufenden Organisationen ziviler und politischer Art unter Berücksichtigung von deren Größe und Einfluss. Solche Zahlen sind aber mit Vorsicht zu genießen, auch wenn es hier tatsächlich extrem viele Unterstützer gibt. Dabei sind neben den typischen politischen und antifaschistischen Gruppen auch viele, welche sonst kaum gegen rechts von sich reden machen. Ich selbst kann nicht an diese Zahl glauben, wenn es auch wünschenswert wäre, denn das hat es noch nie gegeben. Selbst in Hamburg am 1. Mai waren es nur 10000 Leute – und selbst das war schon extrem viel. Alles über 10000 halte ich für einen großen Erfolg, 40000 aber für unrealistisch. Und man liefert mit solchen Zahlen nur den Nazis einen Propagandaerfolgt, wenn sie nachher verbreiten können, dass vielleicht nur die Hälfte davon erschien. Dann lieber vorsichtiger schätzen.
Ich hab die Antwort gerade selbst gefunden:
Die Polizei soll diese Zahlen auf einer Pressekonferenz genannt haben. Allerdings hat sie dabei wohl die Grenzen der Mathematik etwas gedehnt.
http://september.web-republic.de/September/wordpress/?p=202
Nun ja, von Polizeiberichten kann man dieses oder jenes halten. Ich persönlich jedoch gar nix.
Das Ziel der Anti-Islamkonferenz ist keineswegs Kritik am Islam bzw. Islamismus zu üben, sondern dient zur Förderung von Rassenhass und Fremdenfeindlichkeit. Das wird schon deutlich an der angkündigten Kameradenschar von Neofaschisten aus ganz Europa.
Diesen Rechtsradikalen geht es nicht um die menschenrechtswidrigen und antidemokratischen Grundinhalte und Praktiken der islamischen Religion, sondern es sollen Einwanderer aus der Türkei dem Iran und anderer arabischen Länder pauschal als Bedrohung vorgeführt werden – die fremdenfeindliche Stimmung wird somit innerhalb der einheimischen Bevölkerung weiter eingeheizt.
Dabei wird die Verlogenheit der Rechtsradikalen nur allzu deutlich: Sie verschweigen die tiefe weltanschaulich-politische Wesensverwandtschaft zwischen einheimischen Neonazis und Islamischer Orthodoxie, die sich in gemeinsamen ideologischen Werten ausdrücken. Denn Islamisten und Rechtsextremisten pflegen ein ausgeprägtes Freund-Feind-Denken, propagieren die Ideologie der Ungleichheit und lehnen die universalistische Geltung der Menschenrechte und Menschenwürde ab.
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