“Rasse” soll aus Gesetzestexten verschwinden
Das Deutsche Institut für Menschenrechte empfiehlt den Parlamenten und Regierungen auf Bundes- und Landesebene nach eigenen Angaben, in Zukunft auf die Verwendung des Begriffs “Rasse” zu verzichten. Dies soll bereits bestehende Bemühungen im Kampf gegen Rassismus unterstützen. Die Empfehlung beinhaltet eine Änderung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes und des deutschen Grundgesetzes.
Der Begriff “Rasse” ist historisch extrem belastet und enthält rassistische Implikationen. Theorien und gedankliche Konstrukte, die Menschen in unterschiedliche “Rassen” einteilen, waren und sind schon immer rassistisch. Sie schreiben Menschen pauschal bestimmte Eigenschaften zu und gipfeln in der Annahme höher- und minderwertiger “Rassen”. Dennoch wird bis heute in rechtlichen Bestimmungen, die eigentlich der Bekämpfung rassistischer Diskriminierung dienen, der Ausdruck “Rasse” verwendet. In einigen anderen europäischen Ländern ist es bereits üblich, in Gesetzestexten von dem Begriff Abstand zu nehmen. In Deutschland ist dieser Schritt längst überfällig. Zudem sollte sich Deutschland gegen einen weiteren Gebrauch des Ausdrucks “Rasse” in internationalen Dokumenten einsetzen.
Vorstoß gegen Hasskriminalität – mit dem Begriff “Rasse”
Auch bei einem Vorstoß mehrere Bundesländer zum schärferen Vorgehen gegen Hass-Verbrechen tauchte der Begriff auf, wie NPD-BLOG.INFO berichtet hatte. Die Vorschrift sollte nach dem Willen mehrere Länder gelten, wenn “ein Beweggrund der Tat die politische Einstellung, Nationalität, Volkszugehörigkeit, Rasse, Hautfarbe, Religion, Weltanschauung, Herkunft oder das äußere Erscheinungsbild, eine Behinderung oder die sexuelle Orientierung des Opfers ist”.
Der Rassismus schließt den Glauben mit ein, Menschen könnten wegen ihrer genetisch bedingten ethnischen Merkmale auch bestimmte Prädispositionen haben. Von Menschenrassen zu sprechen, ist wissenschaftlicher Unsinn. Leider wird immer wieder aus dem Englischen der Begriff “race” falsch mit Rasse übersetzt.
Siehe auch: Buchtipp: “Deutschland Schwarz Weiß – Der alltägliche Rassismus” UN-Experten kritisieren mangelhafte Maßnahmen gegen Rassismus, Leitfaden für Journalisten., “Die nordische Rasse ist objektiv”, Orientiert Pastörs sich am an slawischen Bewohnern in MVP aus dem 11. Jahrhundert?, Hintergrund: Was bedeutet Rechtsextremismus eigentlich?

Man sollte bei derartigen Änderungen immer vorsichtig sein, dass die bestehende effektivität der Regelungen dadurch nicht verwässert wird.
Das ist zwar nicht der EnglischDeutsch-Blog, aber: Wie würde man “race” sonst übersetzen? Auch LEO gibt u.a. “Rasse” als Übersetzungsmöglichkeit an: http://dict.leo.org/?lp=ende&search=race
Hautfarbe.
siehe auch: http://npd-blog.info/?p=646
Grüße
PG
Wie wäre race denn richtig zu übersetzen?
Ich finde es gut, dass dieses Wort aus den Gesetzestexten gestrichen werden soll! Kann man einfach nur befürworten.
Ist die Änderung der Gesetzestexte denn nicht auch ein Eingeständnis dafür, daß man bei der politischen Auseinandersetzung mit der NPD versagt hat ?
Rasse wurde aus frz. race, ital. razza entlehnt, diese entweder aus arab. ra’s,Kopf,Ursprung oder lat. ratio in der Bedeutung, Kategorie, Art, Sorte.
In der spanischen Reconquista wird das spanische Äquivalent für Rasse erstmals auf Juden bezogen, die nach dem Zwangsbekehrungsedikt von 1492 verdächtigt wurden, als Neuchristen heimlich zu “judaisieren”.
(soweit verkürzt die Begriffserklärung)
Rasse war das zentrale Schlüsselwort des Nationalsozialismus – der Grundfeiler nationalsozialistischer Weltanschauung, die Ideologie der Höchstwertigkeit der Arier, des Untermenschentums der Juden und für “die Rassenhygiene mit ihrem nordischen Zuchtziel”.
Der nationasozialistische Rassenwahn führte schließlich zur Ermordung von Millionen Menschen, weil sie nicht der “arischen Rasse” angehörten. Die Nazis hatten sich “die Ausmerzung des paraistenhaften Judentums” auf die Fahne geschrieben.
Heute wird Rassismus zum einen als Weltbild angesehen, als eine Einstellung von Unwissenheit und sozialen Statusängsten. So ist etwa beim Blick auf rechtsextremes Wahlverhalten in Ostdeutschland in den Medien nicht selten von einer Zunahme rassistischer Einstellungen zu lesen. Zum anderen wird der Rassismus als eine Art Erklärungsformel immer dort herangezogen, wo Praktiken der Ausgrenzung eine besonders radikale gewalttätige Form annehmen. So fragt man bei Gewalttaten gegen “Ausländer” regelmässig nach möglichen rassistischen Motiven. In beiden Fällen ist der Rassismusbegriff eine Leerformel, die etwas bezeichnet, das entweder blosse Funktion externer Verhältnisse ist (die Arbeitslosigkeit im Osten und der Rassismus als ihre Folge) oder aber Rassismus als abstraktes Motiv für Gewalttaten. Dieser Sprachgebrauch hat dem Rassismus den Anschein einer Selbstverständlichkeit und den Charakter einer im Grunde simplen, wenn nicht gar “primitiven” Ideologie und “barbarischen” Praxis verliehen, der die tatsächliche Komplexität des Phänomens in gefährlicher Weise verschleiert.
Die Änderungsvorschläge von Hendrik Cremer sollen deutlich machen, dass mit der Zuordnung zu einer Rasse meist auch eine “Abwertung bestimmter Gruppen von Menschen” einhergeht.
Diese Änderung ist keineswegs “ein Eingeständnis dafür, dass man bei politischen Auseinandersetzung mit der NPD versagt hat”. Die Neonazi sind in ihrer Ideologie so gefangen, dass solche Änderungen bei denen ohnehin nicht fruchten – deshalb bleiben uns Auseinandersetzungen mit deren geistigen Verworrenheit weiter erhalten ohne darin zu “versagen”.
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