Steinbach: “Mehr Widerstandskämpfer als Nazis im BdV”
Erika Steinbach hat ihren Anspruch auf einen Sitz im Stiftungsrat der geplanten Gedenkstätte gegen Vertreibung unterstrichen. Im Videochat von tagesschau.de betonte die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, man lasse “sich seine Rechte nicht abkaufen”. Steinbach betonte, die Berufung ihrer Person in den Stiftungsrat sei eine rein innerdeutsche Frage. Wenn man auf polnische, russische oder jugoslawische Proteste Rücksicht nähme, mache man sich abhängig.
Außenminister Guido Westerwelle warf sie vor, er mache sich erpressbar. Der ganze Streit wirke auf sie absurd. “Wir engagieren uns gegen Vertreibung in Afrika und auf dem Balkan, das Thema ist eine Menschenrechtsfrage”, so Steinbach weiter. Man könne nicht sagen, “in Afrika muss man dies und jenes tun, aber die Opfer in Deutschland interessieren keinen”.
“BdV selbstkritisch”
Steinbach betonte, dass sich der BdV äußerst selbstkritisch der eigenen Geschichte stelle. Zwar sei das “eine oder andere” Mitglied auch bei der NSDAP gewesen, doch habe man “mehr Widerstandskämpfer als Nationalsozialisten” gehabt. Sie äußerte den Wunsch, dass auch andere so selbstkritsch gewesen wären wie der BdV.
Für die Ablehnung ihrer Person in Polen gab Steinbach deutschen Politiker eine Mitschuld. Diese hätten Ängste geschürt”. Sie verteidigte ihre Abstimmungsverhalten im Jahr 1990, als sie gegen die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze zu Polen votiert hatte. Diese Entscheidung sei richtig gewesen, da die Eigentumsfrage noch nicht geregelt gewesen sei – und dies sei bis heute so geblieben. Sie warf polnischen Nationalisten vor, sie erzeugten Angst mit diesem Thema. Steinbach antwortete ausweichend auf die Frage, ob sie eine Rückgabe von enteignetem Eigentum anstrebe. Dies sei “eine offene Frage”, die von den Regierungen gelöst werden müsse.
Gefragt nach der Unterstützung durch die NPD für ihre Person, antwortete Steinbach, dies sei ihr nicht bekannt. Die Moderatorin des Chats verwies daraufhin auf eine Erklärung der NPD in Sachsen. Steinbacht entgegnete, man könne “sich nicht aussuchen, wer solidarisch ist”. Einen ihrer Vertreter habe sie “abwählen lassen”, weil er sich in eine fragwürdige Richtung entwickelt habe. Für ihre Arbeit seien solche Dinge kontraproduktiv.
Die NPD-Fraktion Sachsen hatte in dem Streit um Steinbach von polnischen Erpressungen gesprochen und eine “schäbige Behandlung der Heimatvertriebenen im eigenen Land” beklagt. NPD-Fraktionschef Holger Apfel sprach von einem Holocaust am deutschen Volk, der zunehmend relativiert werde. Die demokratischen Fraktionen im Landtag entschuldigten sich bei Polen für diesen Vergleich.
“Blanker Unsinn”
Der Wissenschaftler Samuel Salzborn erklärte auf Anfrage des Autoren, die Behauptung von Steinbach zu den Widerstandskämpfern im BdV sei “blanker Unsinn”. “Ob es unter den einfachen Mitglieder eine nennenswerte Anzahl von Widerstandskämpfern (was auch immer Frau Steinbach darunter verstehen mag) gibt oder gegeben hat, entzieht sich meiner Kenntnis”, so Salzborn. “Für die GEWÄHLTEN Führungen der Vertriebenenverbände, insbesondere die einflussreichen Landsmannschaften, ist diese Aussage für die 1950er und 1960er Jahre blanker Unsinn”
Siehe auch: Westerwelle, der Vaterlandsverräter, “Vorsätzlich geplante Vernichtungsaktion gegen Deutsche”,

[...] This post was mentioned on Twitter by NPD-BLOG.INFO, Rudolf Homann. Rudolf Homann said: RT @npdblog: Steinbach: "Mehr Widerstandskämpfer als Nazis im BdV" http://npd-blog.info/2009/11/22/steinbach-bdv191945/ [...]
[...] via NPD-BLOG.INFO » Blog Archive » Steinbach: “Mehr Widerstandskämpfer als Nazis im BdV”. [...]
Ja, stimmt schon, die NSDAP, dass waren ja nur Hitler, sein Chauffeur und dessen Frau, alle anderen waren “Widerstandskaempfer”, die das System von Innen heraus zerstoeren wollten…
Allein schon diese Geschichtsverklitterung disqualifiziert fuer ein Amt, in dem Pietaet und Fingerspitzengefuehl gefragt ist.
Dass sich nun plötzlich innerhalb der ostdeutschen Landsmannschaften mehr Widerstandskämpfer befinden sollen als Nationalsozialisten, ist wirklich kaum zu glauben. Man muss nur die Stimmenanteile bei den Reichstagswahlen zwischen 1924 und 1933 anschauen, um zu sehen, wo die NSDAP ihre treusten Anhänger hatte. Und das waren u.a. die ehemaligen deutschen Ostgebiete. Und das kann Frau Steinbach wohl kaum leugnen.
(http://www.wahlen-in-deutschland.de/wuKarteNSDAP.htm)
Man darf aber nicht den Fehler begehen und alle ehemaligen Vertriebenen in die “rechte Ecke” stellen. Das wäre grundfalsch und sehr verletzend. Sehr viele setzen sich aus voller humanistischer Überzeugung und Verantowrtung vor der Geschichte für die deutsch-polnische Versöhnung ein. Leider wird dies in den Medien kaum ernsthaft thematisiert. Einige von ihnen sind im BdV organisiert, die allermeisten haben mit dem BdV allerdings überhaupt nichts zu tun. Schon in den 1960er Jahren waren im BdV gerade mal 1-2% aller Vertriebenen organisiert. Von daher können der BdV und Frau Steinbach wohl kaum für sich in Anspruch nehmen, für alle Vertriebenen zu sprechen. Gerade diese Menschen haben vor allem seit 1990 mehr für die Verständigung zwischen Deutschen und Polen getan, als der gesamte BdV seit seinem Bestehen.
Dem gegenüber stehen dann jene Vertriebenen, denen überhaupt nichts daran liegt, mental in der Gegenwart anzukommen, weil sie klangheimlich immer noch die (irrsinige) Hoffnung hegen, dass die ehemaligen deutschen Ostgebiete wieder an Deutschland kommen und das Reich wieder aufersteht; mitunter gehören zu dieser Gruppe auch jene Deutsche, die nach 1944/45 in Polen geblieben sind. Doch auch diese stellen eine Minderheit dar.
Überzeugte Nazis müssen diese Menschen keinesfalls sein, aber dass deren Erinnerungsvermögen erst 1944/45 einsetzt, ist an vielen ihrer Aussagen gut dokumentiert. Die Charta der Vertriebenen, auf die sich der BdV auch heute noch beruft, ist ein gutes Beispiel für jene Realistätsflucht und Geschichtsklitterung.
Wer seine Kinder und Enkelkinder alljährlich in die tradistionellen Trachten der Schlesier, Ostpreußen, Pommeraner und Sudetendeutschen zwengt und seinem “Vertriebenendasein” einen quasireligiösen Anstrich verleiht und sich dementsprechend auch wahrnimmt, ist kaum für eine ehrliche und nachhaltige Versöhnung zu gebrauchen und für rechte Geschichtsrevisionisten ein dankbares Opfer.
Erst die polnischen boulevard Blätter (meist in deutscher Hand) haben Steinbach bekannt gemacht. In Deutschland kannte sie bis zum Ende der 1990er Jahre niemand. Einerseits ist Steinbach zu glauben, dass sie den BdV von offenen Rechtsextremisten “gesäubert” hat. Andererseits hat innerhalb der Vertriebenenkreise der rechte Geschichtsrevisionismus seit 1945 Hochkonjunktur, was aus polnischer Sicht eine inakzeptable Hürde bei der Aussöhnung darstellt. Obwohl Steinbach selbst mehrfach glaubwürdig den kausalen Zusammenhang zwischen Krieg und Vertreibungen betont hat, wird dies nicht von allem Vertriebenen so gesehen.
Gegen die “Solidarisierungsversuche” seitens NDP, DVU und der JF können Steinach und der BdV sehr wohl was tun. Ein klares Bekenntnis der Abgrenzung – das bis heute nicht erfolgt ist – im Namen aller im BdV organisierten Vertriebenen wäre ein wünschenswertes und glaubwüdiges Singnal. Leider meinen Steinbach und der BdV, dass dies nicht nätig sei. Aber sie irren.
Was für pietät? Ich finde, das Vertrieben auch ein Recht auf angemessene Vertretung haben. Schlieslich hat Polen einen großen Teil unseres Landes bekommen, Geschenkt- wohlgemerkt 1990! Ich finde diese Diskussion absolut albern. Man sollte an dieser Stelle mal die NAZI Keule wieder einpacken und zur Vernunft zurückkehren. Ist jedes Familienmitglied einer vertrieben Familie gleich ein Nazi? Meine Familie stammt auch aus der nähe von Grünberg, heute Zielena Gora und hatte einen Hof mit 380 Hektar Ackerfläche. Wenn ich das wieder haben will, bin ich dann ein Nazi? Das ist ja so etwas von Lächerlich.
@Ecki
Das Ihre Familie den Hof verloren hat ist für Sie bedauerlich. Schuld daran sind aber nicht die Menschen im heutigen Polen sondern ausschließlich jene Verbrecher, die den zweiten Weltkrieg angezettelt haben. Polen hat 1990 auch kein Stück Deutschlands geschenkt bekommen. Diese ehemaligen deutsche Gebiete wurden auf internationalen Konferenzen den jeweiligen Staaten zugeordnet.
Und mit Verlaub, wer etwas zurück haben will, was ihm auf der Grundlage internationalen Rechts abgenommen wurde, dem würde ich schón das Prädikat “Ewig gestrig” (zurückhaltend formuliert) zuerkennen.
MFG skeptiker
Das ist wie mit der Mär des Herrn Adenauer, der sein Köln zur “Widerstandshochburg” erklärte, während ihm die Historiker bewiesen, dass u.A. gerade in Köln “der Führer” als erster be-”Sieg heilt!” wurde …
Und das sind die “Widerstandskämpfer” der Frau Steinbach – zumindest die Heutigen:
http://heimatliebe.wordpress.com/?s=BdV
…nebst ihren “Medienverweisen”:
(…)
Medienverweise:
- Cicero – Magazin für politische Kultur
- Deutsche Militärzeitschrift
- Deutsche Stimme
- Die AULA
- Dr. Bandulet – Deutschlandbrief
- Eigentümlich frei
- Freisinn Buchdienst
- Junge Freiheit
- Katholische Nachrichten
- Nationalzeitung – Deutsche Wochenzeitung
- Preußische Allgemeine Zeitung – das Ostpreußenblatt
- Unabhängige Nachrichten
- Zur Zeit
(…)
Wenn man sich das Klientel des BdV so einmal durchliest, dann … ähm … öhm … hat man eigentlich auch keine “wirklichen” Fragen mehr…
Nicht dass ich falsch verstanden werde, ich moechte nicht jedes Mitglied der NSDAP als schlimmen Nazi-Schergen darstellen.
Aber mit Sicherheit waren die wenigsten damals Widerstandskaempfer, und diese Bezeichnung zu nutzen, um sich von der kollektiven Schuld dieser Generation reinzuwaschen, ist in meiner hoecht eigenen Meinung verachtungswuerdig und eine Beleidgung fuer all jene, die ihr Leben im Kampf gegen die NS-Diktatur gelassen haben.
Vermutlich sind die meisten der heutigen Mitglieder der Vertriebenenstiftung keine Nazis oder Neo-Nazis. Die Frage, die ich mir stelle, ist aber: Nach wie vielen Generationen hoert man denn auf, “vertrieben” zu sein?
Darf sich jemand, dessen Grosseltern vor der Geburt der eigenen Eltern aus den ehemaligen Ostgebieten flohen, jemand, der vielleicht nur einen einzigen Grosselternteil hat, der vertrieben wurde, duerfen sich diese Menschen heute noch “vertrieben” nennen?
Ich moechte hier in keinster Weise Unrecht relativieren, aber das Auftreten der Vertriebenstiftung in der Oeffentlichkeit laesst manches Mal vermuten, dass man sich als Opfer des Nationalsozialismus betrachtet. Denn: Haetten die Nazis nicht den Krieg verloren, haette man die ganzen Probleme heute nicht.
Legenden, Legenden, Legenden …
Um nur mal einige zu erwähnen:
@ A. M.
“Das ist wie mit der Mär des Herrn Adenauer, der sein Köln zur “Widerstandshochburg” erklärte, während ihm die Historiker bewiesen, dass u.A. gerade in Köln “der Führer” als erster be-”Sieg heilt!” wurde …”
Geht man nach den Wahlergebnissen der NSDAP so befanden sich die frühen Hochburgen der NSDAP in Schaumburg-Lippe, Coburg (Franken) und Thüringen. Dagegen war in Großstädten wie Köln noch Berlin bis 1933 das Widerstandspotential gegen den Nationalsozialismus vergleichsweise hoch. Was Sie eigentlich auch selbst hätten herausfinden können …
@ Skeptiker
“Diese ehemaligen deutsche Gebiete wurden auf internationalen Konferenzen den jeweiligen Staaten zugeordnet. Und mit Verlaub, wer etwas zurück haben will, was ihm auf der Grundlage internationalen Rechts abgenommen wurde …”
Eigentlich schreiben Sie es ja selbst, vermengen es dann aber einfach: Man sollte schon den Unterschied zwischen einer internationalen Konferenz, auf der etwas beschlossen wurde, und internationalem Recht im juristischen Sinne unterscheiden.
Bis 1990 hatte im übrigen das geteilte Deutschland überhaupt keine Möglichkeit, juristisch verbindlich die heutige Grenze anzuerkennen. Dies war erst zu diesem Zeitpunkt möglich.
Im Grunde genommen geht es darum bei der Frage nach dem Eigentum der Vertriebenen aber überhaupt nicht. Das Recht bzw. die Möglichkeit dazu liegt beim Geschädigten. Und in diese Entscheidung sollten Dritte, die es persönlich nicht betrifft, nicht hereinreden, finde ich. Der überwiegenden Mehrheit der Vertriebenen geht es jedoch nicht um die Eigentumsfrage, sondern leidglich um die Anerkennung, daß ihnen Unrecht angetan wurde. Das ist doch nicht zu viel verlangt.
@ neuer Leser
“Die Charta der Vertriebenen, auf die sich der BdV auch heute noch beruft, ist ein gutes Beispiel für jene Realistätsflucht und Geschichtsklitterung …”
Das klingt nun wirklich so, als hätten Sie die Charta der Heimatvertriebenen von 1950 nie wörtlich gelesen. Gleich in der Präambel ist vom Verzicht auf Rache und Vergeltung die Rede. Das war die Grundlage und der Ansatzpunkt der Vertriebenenarbeit, eine klare und eindeutige Distanzierung von Radikalen. Angesichts der Tatsache, daß die Vertreibung erst wenige Jahre zuvor stattgefunden hatte, ein bemerkenswerter Schritt, der nun gar nichts mit “Realitätsflucht” und “Geschichtsklitterung” zu tun hat.
“Wer seine Kinder und Enkelkinder alljährlich in die tradistionellen Trachten der Schlesier, Ostpreußen, Pommeraner und Sudetendeutschen zwengt und seinem “Vertriebenendasein” einen quasireligiösen Anstrich verleiht und sich dementsprechend auch wahrnimmt …”
Als ob sich Erinnerung befehlen ließe! Was ja vielleicht bei Kindern bis zum 12. oder 13. Lebensjahr theoretisch noch möglich wäre – verlöre sich spätestens in der Pubertät, wenn es denn Zwang wäre. Nein, es ist einfach und allein ein Interesse an der Geschichte der Eltern und Großeltern. Ich nenne es Traditionsbewußtsein. Sie vielleicht “Klitterung” …
Hallo E.S.,
Sie schreiben:
“Gleich in der Präambel ist vom Verzicht auf Rache und Vergeltung die Rede. Das war die Grundlage und der Ansatzpunkt der Vertriebenenarbeit, eine klare und eindeutige Distanzierung von Radikalen. Angesichts der Tatsache, daß die Vertreibung erst wenige Jahre zuvor stattgefunden hatte, ein bemerkenswerter Schritt, der nun gar nichts mit “Realitätsflucht” und “Geschichtsklitterung” zu tun hat.”
Das klingt ja so, als ob die deutschen Heimatvertriebenen die einizigen und Hauptleidtragenden des Krieges wären und sie in ihrer grenzenlosen Barmherzigkeit als einzige das großzügige Recht hätten, ihren Peinigern zu vergeben. Darüber können die Opfer der hitlerischen Aggression nur wenig schmunzeln.
Was sollen denn die Juden sagen?
In der Charta heißt es wörtlich:
“1. Wir Heimatvertriebenen verzichten auf Rache und Vergeltung. Dieser Entschluß ist uns ernst und heilig im Gedenken an das unendliche Leid, welches im besonderen das letzte Jahrzehnt über die Menschheit gebracht hat. 2. Wir werden jedes Beginnen mit allen Kräften unterstützen, das auf die Schaffung eines geeinten Europa gerichtet ist, in dem die Völker ohne Furcht und Zwang leben können. 3. Wir werden durch harte, unermüdliche Arbeit teilnehmen am Wiederaufbau Deutschlands und Europas. Wir haben unsere Heimat verloren. Heimatlose sind Fremdlinge auf dieser Erde. Gott hat die Menschen in ihre Heimat hineingestellt. Den Menschen mit Zwang von seiner Heimat trennen, bedeutet, ihn im Geiste töten. Wir haben dieses Schicksal erlitten und erlebt. Daher fühlen wir uns berufen zu verlangen,…”
Und dann heißt es ernsthaft:
“Die Völker der Welt sollen ihre Mitverantwortung am Schicksal der (deutschen) Heimatvertriebenen als der vom Leid dieser Zeit am schwersten Betroffenen empfinden.”
(http://www.hdg.de/lemo/html/dokumente/JahreDesAufbausInOstUndWest_erklaerungChartaDerHeimatvertriebenen/index.html)
Damit wir uns verstehen: Niemand kann bestreiten, dass die Vertreibungen entsetzlich waren und unzählige Unschuldige getroffen haben, nur so oft ich die Charta auch lese, finde ich dort keine Erwähnung der Judenvenichtung, keine Erwähnung des Angriffskrieges vom September 1939 und der Angriffs auf die Sowjetunion. Keine Erwähnung der vorhergehenden Zwangsenteignungen, Vertreibungen und Zwangsumsiedlungen von Polen, keine Erwähnung von Zwangsarbeit, von der auch die Gutsbesitzer Ostelbiens profitiert haben. Stattdessen findet man folgenden Satz: “…im Gedenken an das unendliche Leid, welches im besonderen das letzte Jahrzehnt über die Menschheit gebracht hat.”
Als ob das Leid von sich aus und aus eigenem Entschluss auf die Welt gekommen wäre, um den Menschen Schaden zuzufügen. So kann man die eigene Schuld am Krieg auch schön reden!
P.S. Das von den damaligen Heimatvertriebenen proklamierte gottgegebene “Recht auf Heimat” ist Unsinn so wie der Versuch, der Welt weißmachen zu wollen, man wäre der einzige Leidtragende des Krieges.
Leider weht der “Geist” dieser Charta auch heute noch durch den Kopf so machen Vertriebenen und behindert die Versöhnung.
[...] Zusammenfassung des Videochats bei npd-blog.info [...]
Nachtrag:
Ralph Giordano hat sich seit 2004 für die Stiftungsarbeit des BdV zumindest namentlich engagiert. Er war aufgrund zahlreicher (Vor-)Gespräche mit Frau Steinbach der Auffassung, dass unter ihrer Führung die Empathie für das Leid der Opfer des Vernichtungskrieges im Namen Deutschlands im BdV deutlich erkennbar und auch ernstgemeint war.
Sein Engagement hat ihn viel Kritik und Unverständnis eingebracht, doch er blieb standhaft.
(http://www.gfbv.it/3dossier/eu-min/jued-hass.html#r5)
Im Jahr 2007 ließ er sich von der Unterstützerliste streichen, weil er erkannt hat, dass der BdV in seinen Ausstellungen das Leid der deutschen Heimatvertriebenen überproportional betont, während gleichzeitig das Leid der anderen Völker und die Ursachen für die Vertreibungen vom BdV nach wie vor marginalisiert würden.
(http://www.faz.net/print/Politik/Vertriebene-verlieren-Giordano)
Auch wenn es jetzt zu pointiert klingt:
Dass, wofür Ralph Giordano drei Jahre gebraucht hat, riecht jedes tschechische und polnische Schuldkind 100 km gegen den Wind. Und da sollte es niemanden verwundern, dass Frau Steinbach, der BdV und (leider) die Vertriebenen im Allgemeinen in manchen Ländern nicht gerade zu den Sympathieträgern gehören.
Deshalb muss man auch sagen, dass der BdV nach wie vor nicht willig ist, den Inhalt seine Charta zu überarbeiten und auf eine neue post-Kalte-Kriegs-Realität zu stellen.
@E.S.
Na dann frage ich doch Prof. Dr. Matzerath bzgl. des “Kölner Widerstand” einfach mal an – oder noch besser: Ich kaufe sein Buch …
http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1246895335718.shtml
http://www.koeln-nachrichten.de/kultur/literatur/koeln_matzerath_ns-zeit_faschismus_nsdap_hitler_edelweispiraten.html
http://www.wdr3.de/resonanzen/details/artikel/wdr-3-resonanzen-e653f623b8.html
Und noch Etwas zur “Charta”:
(…)
„Keine Silbe darüber, dass es nach 1939 und vor 1945 in Osteuropa zu Massenvertreibungen von Millionen von Menschen gekommen war, und zwar lange bevor auch nur ein einziger Deutscher seine Heimat verlassen hatte oder verlassen musste. In diesem allseits als Zeugnis politischer Vernunft und moralischer Größe gepriesenenen document humain fehlt jeder Hinweis auf die Vorgeschichte von Flucht und Vertreibung, wird die Verbindung zwischen Ursache und Wirkung gekappt, die Chronologie der Ereignisse ignoriert und das eigene Leid als das schwerste seiner Zeit beschworen.“
– Ralph Giordano: Ostpreußen ade. 5 Auflage. dtv, München Juni 1999, ISBN 3-423-30566-5, S. 105 ff.
@ neuer Leser
“Das klingt ja so, als ob die deutschen Heimatvertriebenen die einizigen und Hauptleidtragenden des Krieges wären und sie in ihrer grenzenlosen Barmherzigkeit als einzige das großzügige Recht hätten, ihren Peinigern zu vergeben. Darüber können die Opfer der hitlerischen Aggression nur wenig schmunzeln.
Was sollen denn die Juden sagen?”
Das ist ja nur wirklich totaler Unfug. Man sollte sich einmal die reale Situation im Jahre 1950 vor Augen halten: Die meisten Vertriebenen lebten jenseits der politischen und gesellschaftlichen Wahrnehmungsgrenze – zumeist in Baracken weit jenseits der Städte, meist gemieden von der dortigen Bevölkerung – obwohl diese meist nicht weniger Schuld in Sachen NS auf sich geladen hatte als die Vertriebenen. Ist es da nicht das Normalste der Welt, in dieser Situation explizit auf das eigene Schicksal hinzuweisen? Dieses in den Mittelpunkt zu stellen, heißt doch andererseits noch lange nicht, die Situation und das Schicksal anderer zu vergessen.
Dies spiegelt sich natürlich auch in der Charta wieder. Ich sehe jedoch keinerlei Grund, das, was da steht, als Schnee von gestern oder Kalter-Kriegs-Jargon zu bezeichnen.
Vertreibungen als Mittel der Politik wurden eben nicht erst im bzw. nach dem Zweiten Weltkrieg eingesetzt. Mit den Vertreibungen der Armenier durch die Türkei im Ersten Weltkrieg begann das Jahrehundert der Vertreibung und es endete mit den Vertreibungen in Südslavien vor nicht einmal eineinhalb Jahrzehnten.
Wenn nun alles dafür getan werden soll, Vertreibungen und Vertreiber generell zu ächten, so sollte dies doch eine Herzensangelegenheit auch gerade derjenigen sein, die vorgeben, sich besonders stark für die Menschenrechte zu engagieren.
@e.s.
“Man sollte sich einmal die reale Situation im Jahre 1950 vor Augen halten. Ist es da nicht das Normalste der Welt, in dieser Situation explizit auf das eigene Schicksal hinzuweisen?”
Vielleicht, allerdings war es auch da schon etwas unlecker, wenn irgendwelche Nazis nach der Ost-Enteignungs-Tour 1939-45 lauthals Opfer schreien – und in den 1950iger Jahren bestand die Führungsriege des BdV zu einem nicht unerheblichen Teil aus Alt- oder meinetwegen auch Ex-Nazis. Zudem schreiben wir mittlerweile das Jahr 2009. Aber das scheint Sie nicht zu stören, denn:
“Ich sehe jedoch keinerlei Grund, das, was da steht, als Schnee von gestern oder Kalter-Kriegs-Jargon zu bezeichnen.”
Ich denke, Sie können sich beileibe nicht beschweren, wenn man Sie als gestrig bezeichnet.
Quark.
Kermit
Warum wird überhaupt noch mit solchen Salonfaschisten und Hobbynazis wie E. S. diskutiert?
Es ist doch mehr als offensichtlich, dass man mit solchen Rassisten keine wirklich vernünftige Diskussion führen kann. Eine Diskussion setzt immer einen gewissen Grundkonsens voraus und den gibt es hier einfach nicht. Wenn jemand sagt, dass die Erde eine Scheibe ist und auf diesem Standpunkt verharrt, würde auch niemand auf die Idee kommen, mit ihm zu diskutieren.
Wir sollten E. S. eher ignorieren und seinem Wortergreifungsversuch damit Einhalt gebieten.
@ Ingo:
Wir sollten uns hier wirklich nicht als Salonfaschisten, Hobbynazis und Rassisten beschimpfen. Ich teile zwar so manches nicht, was E.S. sagt, aber solche Bezeichnungen sind zumindest im Fall von E.S. fehl am Platz.
@ E.S.
Ich stimme Ihnen zu, dass die meisten Menschen stets das eigene erlebte Leid in den Mittepunkt rücken, und das Leid anderer gerne übersehen oder nicht wahrnehmen wollen. Das ist nur all zu menschlich. Und ich habe auch nichts dagegen, dass die Charta von 1950 so aussah, wie sie nun mal aussah.
Doch gibt es heute noch Tendenzen innerhalb des BdV und der Landsmannschaften, und Ralph Giordano (und andere externe Personen vielleicht auch) hat es ja selbst mitbekommen, von bestimmten (eingefahrenen) Wahrnehmungs- und Darstellungspositionen nicht abzurücken, selbst wenn die öffentlichen Verlautbarungen anders klingen mögen.
Ich bin d’accord mit ihnen, wenn Sie sagen, dass der Verarbeitungsprozess für die meisten Vertriebenen bis 1950 wohl zu kurz war, um Empathie für die anderen Opfer des Krieges zu empfinden. Aber wer noch in den Jahren 1989-1991 nicht anerkennen wollte, dass die deutsche Ostgrenze an der Oder und Neiße liegt, der muss sich bezüglich bestimmter politischer Positionen und Forderungen doch selbst disqualifizieren.
Ich selbst kenne ca. ein Dutzend deutscher Vertriebener, und wenn Frau Steinbach und andere BdV-Funktionäre so wären wie diese Menschen, müsste sich dieser Verein nicht den Vorwurf des Revanchismus gefallen lassen und es gäbe so manches Problem nicht.
P.S. In den letzten Tagen konnte man erfahren, dass unser neuer Verkehrsminister Peter Ramsauer auch so seine Probleme mit der Anerkennung Oder-Neiße-Grenze im Jahr 1991 hatte, als es darum ging, im Bundestag dem deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrag zuzustimmen.
Da ist vielleicht eine e-mail fällig oder eine Anfrage über abgeodnetenwatch.de, zum mitlesen
[...] Siehe auch: Steinbach: “Mehr Widerstandskämpfer als Nazis im BdV” [...]
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