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Warum sich die Öffentlichkeit in der ökonomischen Krise gegen Israel wendet

02. Februar 2010 12:58 1.109 mal gelesen 38 Kommentare

Der Journalist und Autor Robert Kurz bezeichnet die Glorifizierung des alten „Antiimperialismus“ sowie dessen Übertragung auf die islamistischen Bewegungen und Regimes als ideologische Verwahrlosung. Dies gelte besonders bei Linken, da der Islamismus gegen alles stehe, wofür die Linke jemals eingetreten ist. Ein Auszug aus dem Text von Kurz:

Die politischen Reaktionen auf den Krieg in Gaza zeigen, dass Israel umso weniger Freunde hat, je bedrohlicher seine militärische Lage wird. Im Verhältnis der Kräfte findet eine tektonische Verschiebung statt. Schon immer ging es im Nahen Osten nicht um einen begrenzten Streit von regionalen Interessen, sondern um einen exemplarischen und ideologisch aufgeladenen Stellvertreter-Konflikt. In der Epoche des Kalten Krieges galt die Auseinandersetzung zwischen Israel und Palästina als Paradigma für den Gegensatz von westlichem Imperialismus unter Führung der USA und einem „antiimperialistischen“ Lager, um dessen Führung die Sowjetunion und China konkurrierten. Die Propaganda beider Seiten ignorierte dabei den Doppelcharakter des Staates Israel, der einerseits ein gewöhnlicher moderner Staat im Rahmen des Weltmarkts ist, andererseits aber eine Antwort der Juden auf die eliminatorische Ausgrenzungsideologie des europäischen und insbesondere des deutschen Antisemitismus. Israel wurde subsumiert unter eine weltpolitische Konstellation, in der es nie aufging.

Nach dem Zusammenbruch des Staatssozialismus und der „nationalen Befreiungsbewegungen“, die ein Programm „nachholender Entwicklung“ auf Basis des Weltmarkts formuliert hatten, veränderte sich der Charakter des Stellvertreter-Konflikts grundsätzlich. An die Stelle der säkularen Entwicklungsregimes trat im Nahen Osten und darüber hinaus der sogenannte Islamismus, der nur scheinbar als traditionelle religiöse Bewegung firmiert. Tatsächlich handelt es sich um eine postmoderne kulturalistische Krisenideologie eines Teils der längst verwestlichten Eliten in den islamischen Ländern, die das autoritäre Potential der Postmoderne repräsentieren und den gänzlich unislamischen europäischen Antisemitismus aufgesogen haben. Die am Weltmarkt gescheiterten Segmente des Kapitals in dieser Region erklärten den Krieg gegen die Juden zum exemplarischen Kampf gegen die westliche Vorherrschaft. Umgekehrt machte der westliche Krisenimperialismus mit den USA an der Spitze den Islamismus zum neuen Hauptfeind, nachdem er ihn zuvor im Kalten Krieg gepäppelt und mit Waffen versorgt hatte.

Diese neue Konstellation führte zu ideologischen Verwerfungen ungeahnten Ausmaßes. Der Neoliberalismus schien sich mit dem kapitalistischen Weltordnungskrieg gegen die „zerfallenden Staaten“ in den Krisenregionen und im Nahen Osten mit Israel zu identifizieren. Neofaschistische Strömungen in aller Welt gehen seither mit dem antisemitischen islamistischen „Widerstandskampf“ konform, obwohl sie gleichzeitig rassistische Stimmungen gegen Migranten aus den islamischen Ländern schüren. Auch große Teile der globalen Linken begannen umstandslos die Glorifizierung des alten „Antiimperialismus“ auf die islamistischen Bewegungen und Regimes zu übertragen. Das kann nur als ideologische Verwahrlosung gekennzeichnet werden, denn der Islamismus steht gegen alles, wofür die Linke jemals eingetreten ist; er verfolgt jedes marxistische Denken mit gnadenloser Unterdrückung und Folter, er stellt Homosexualität unter Todesstrafe und behandelt die Frauen als Menschen zweiter Klasse. Auch dafür ist keine traditionelle Religion verantwortlich, sondern eine kulturalistisch eingefärbte Militanz des kapitalistischen Patriarchats in der Krise, die sich auf andere Weise auch im Westen bemerkbar macht. Die unheilige Allianz des „sozialistischen“ Caudillismus eines Chavez mit dem Islamismus stellt nur die weltpolitische Ratifizierung dieses ideologischen Verfalls dar, die keine emanzipatorische Perspektive hat.

Der ganze Text erschien bei Exit-Online.

Siehe auch: Querfront-Träume: NPD bietet Elsässer Zusammenarbeit an, Rostock: Anschlag auf jüdische Gemeinde, Finanzkrise als Nährboden für AntisemitismusAufruf Zusammen gegen den Al Quds-Tag – gegen antisemitische und antiisraelische Hetze, Antisemitismus: Yes, they can!, Darf man Israel in Deutschland kritisieren?,  Querfront: Vermeintliche Linke auf Abwegen , “Der Antisemit nimmt dem Juden nicht übel, wie er ist, sondern, dass er existiert” , Deutschland, Iran und die Linkspartei, Neonazis und soziale Themen: Ist das neu?, Antisemitische Hetze im NPD-Netztagebuch09/11, ZOG und “Judenpresse”: Wie baue ich eine Verschwörungstheorie?, Völkischer Antiimperialismus: Bei der NPD gut aufgehobenHessen: NPD-Funktionär möchte “alle Juden human erschießen”, Die UN und der Antisemitismus: Noch kein Abschlussdokument von Durban 2001“Protokoll der Weisen von Zion” in der UN-Vollversammlung

38 Kommentare »

  • Eistee said:

    Sehr interessant, nur leider einseitig und falsch!
    “Die politischen Reaktionen auf den Krieg in Gaza zeigen, dass Israel umso weniger Freunde hat, je bedrohlicher seine militärische Lage wird.”

    Was nur verständlich ist. Natürlich bestreitet niemand ernsthaft, das Israel gegen die Raketenangriffe der Hamas vorgehen muss. Nur rechtfertig das Verbrechen gegen die Menschlichkeit? Wäre eine geordenet Polizeiaktion nicht viel sinnvoller und würde dies nicht auch vor allen weniger Opfer bedeuten? Wenn ich mich nicht irre sind zur Zeit ca. 3-4Menschen in Israel durch die Raketen umgekommen und mittlerweile über 1000 Palastinenser durch die israelischen Faschisten(!!!). Ich frage mich was passieren würde, wenn z.B. militante Nazis in Deutschland Raketen z.B. Richtung Polen jagen, würde mann dann Luftschläge z.B. gegen Dresden und Berlin als legitim empfinden?
    Ist es eigentlich moralisch vertretbar, das Panzer auf Steine werfende Kinder schiessen?
    Ist es im sinne des Völkerrechts, das man ständig die Grenze verletzt, Siedlungen errichtet und das Land anektiert? Was passiert, wenn wir z.B. deutsche Siedlungen in Böhmen gründen und dann das Gebiet wieder annektieren? Bekommen wir dann auch von den Amis jährlich zig Mrd.$ um unsere Bundeswehr aufzurüsten?
    Warum hat niemand was gegen die jüdische Losung “von Gott auserwähltes Volk” und “Recht auf das heilige Land” etwas? Der weg zu “Arier der Übermensch” und “Lebensraum im Osten” ist nicht weit!!!
    Warum tun Politiker so, als ob der Likud-Block eine ganz normale Partei ist, obwohl sie Forderungen in ihren Wahlprogramm haben die ganz eindeutig das Völkerrecht brechen? Warum wird diese Partei nicht ebenso wie die Hamas auf eine Liste der Terrorismus fördernden Grupierungen gesetzt und international geächtet? Diese Partei ist definitiv nicht menschlicher als die NPD, Hamas und co.!
    Warum lässt man zu, dass wenn schon Schulen, Krankenhäuser, Infrastruktur, etc mit EU-Fördermittel gebaut werden, dass die Israelis dies bei der nächsten Gelegenheit gleich wieder wegbomben? und es somit jedesmal zu verhindern wissen, das sich die Palastinenser entwickeln können? Das sollten auch Livni, Olmert und co. kapieren, ohne Perspektive im eigenen Land, bleibt nur der Widerstand gegen die Unterdrücker!!! Und das sind nunmal die Israelis!
    Warum kapieren die Israelis nicht, dass wenn sie so weiter machen, es wahrscheinlich niemals zu einer Versöhnung der (überflüssigen) Religionen kommt und sie den Terror auf ewig zementieren?
    Warum wird Kritik an Israel (fast) immer als Antisemitismus ausgelegt? Ist nicht eigentlich genau das diskriminierend?…
    Warum haben ausgerechnet die Israelis nichts aus der Geschichte gelernt, obwohl doch gerade der jüdische Glaube über 2 Jahrtausende verfolgt wude?

    Spätestens wenn Obama Präsident wird, ist der Krieg wohl vorerst vorbei… Einfach nur traurig, was im Namen der Demokratie und der Menschenrechte für Verbrechen passieren… Arme Menschheit…

  • RvS said:

    Ich habe 15 Fragen gezählt.

    Wikipedia meint:

    Rhetorische Fragen werden gerne in Vorträgen angewendet, um bei erschöpfend langen Ausführungen die Aufmerksamkeit des Zuhörers zurückzugewinnen und um einen Monolog zu vermeiden. In Diskussionen und Dialogen wird die rhetorische Frage häufig eingesetzt, um Argumente zu verstärken. Daher sind in sachlich geführten Diskussionen rhetorische Fragen umstritten und gelten als Totschlagargumente.

  • Eistee said:

    Wikipedia ist auch umstritten!

  • ramin said:

    Meiner Meinung nach, sind das berechtigte Fragen. Es kann sein, dass sie hier als rhetorisches Mittel eingesetzt werden, dennoch sind Sie inhaltlich berechtigt. Aus Eistee`s Text lässt sich auch nicht schliessen, dass ein Anti-Israelismus (nicht anerkennung des Staates) oder ein Anti-Semitismus versteckt existent ist. Diese Fragen gehen mir auch durch den Kopf. Ich bin keines Fall gegen einen Staat Israel und ich bin auch kein Judenhasser. Aber was zu weit geht, geht einfach zu weit. Die Operation “Gegossenes Blei”, geht einfach viel zu weit, weil sie – es mag unbeabsichtigt sein – ein Krieg gegen die Zivilbevölkerung des Gazas ist.

  • O.B. said:

    @Ramin
    Zu so einem Krieg gehören immer zwei. Da hätte er dann auch mal fragen können, warum Hamaskämpfer sich als Zivilisten verkleiden und aus zivilien Ortschaften (Wohnblöcken, Schulen u.ä.) heraus die israelische Armee bekämpft und billigend in Kauf nimmt, dass darauffolgend Zivilisten den jeweiligen Beschuß ausgesetzt sind. Zivilisten als Schutzschilder zu verwenden ist auch nicht die feine Art.
    Desweiteren hätte man auch fragen können, warum die Hamas immer dann verstärkt israelische Städte mit Raketen beschiesst, wenn es die kleine Chance auf Friedensverhandlungen gibt. Da wird provoziert ohne Ende und irgendwann ist da bei jedem die Geduld zu Ende.
    Bei solchen Konflikten sollte man stets das Ganze aus allen Sichten betrachten.

    Und bevor man Israel vorwirft, da über zu reagieren (ok, momentan sind sie wirklich brutal drauf, aber wiegesagt, dazu gehören durchaus immer zwei*), sollte man mal vielleicht andere Länder befragen, wie sie reagieren würden, wenn ihre Städte mit Raketen beschossen werden. Wie würde Russland reagieren, wenn aus Georgien russische Städte beschossen werden würden? Oder chinesische Städte würden beschossen werden. Ich glaube da kommen dann noch ganz andere Szenarien zur Vorschein, was die Sache ansich nicht besser macht, keine Frage. Bei den Ländern würde sich aber kaum einer trauen, zu intervenieren. Nur Israel darf nischt…Warum eigentlich?

    In einem Forum meinte mal jemand als er in Israel war, dass er miterlebt hat, wie Palästinenser und Israelis gemeinsam gefeiert haben. Auf seinen Erstaunen hin meinte einer davon: “Lass die Hardliner sich mal ruhig gegenseitig umbringen, dann funktioniert das hier schon.”
    Tja, wohl auf den Punkt gebracht. Die beiden Völker sollten sich mal ihrer Hardliner entledigen. Dann könnte es vielleicht Frieden geben und vielleicht sogar Zusammenarbeit. Frage mich aber, ob das in der Umgebung dort so wirklich gewünscht ist, da einige dann merklich an Einfluß verlieren würden. Und man merkt ja auch, dass ein Frieden bei vielen unerwünscht ist, da sie dann innenpolitisch ranklotzen müssten. So kann man immer sehr gerne von inneren Fehler ablenken, indem man auf Erzfeind Israel schimpft oder die armen Palästinenser bedauert, welche man aber damit auch nicht wirklich hilft. Meistens wird von vielen arabischen Ländern das Problem der Palästinenser nur zur Propagandazwecken verwendet.

    Da unten haben meines Erachtens leider zuviel “Bekloppte und Bescheuerte” das Sagen oder zuviel Einfluß was zu Lasten der Palästinenser UND der Israelis geht. Die beiden müssten sich zusammentun um sich dieser zu entledigen. Das wäre mal eine Aufgabe wert! Wenn die wirklich zusammen kommen würden, wäre wohl u.a. eine gewisse Person im Iran ziemlich sauer und bestimmt auch ein wenig eingeschnappt, da ihm aufeinmal eine wesentliche Grundlage entzogen wird für sein Wirken in der Region. Ebenso wären einige andere Extremisten dort ihrer Grundlage entzogen. Ansich egal, Hauptsache die können da unten irgendwann mal im Frieden leben.

    Mit freundlichen Grüßen
    Olli

    *Es gibt auch Berichte, dass das israelische Militär so ein wenig den Überblick verloren hat und dort gerade Chaos herrscht, was die taktische Marschroute angeht. Daher kommt es zu so vielen Fehlschlägen sowie “Friendly Fire”. Das spräche nicht gerade für das Militär und dessen Gefechtführung.

  • ramin said:

    @O.B.:

    Da ist bestimmt ne Menge dran, was Du da gesagt hast. Deine Erläuterungen erscheinen mir jedenfalls logisch und danke für die kurze Lektion!
    Allerdings ist es taktisch betrachtet äusserst unklug einen Waffenstillstand einseitig zu beenden, wenn man keinen militärischen Vorteil daraus zieht, oder nicht? Ich meine, das wäre sicherlich ein Selbstmordunternehmen.
    Da ich ein bisschen die persische Sprache beherrsche habe ich mich mal auf iran. Nachrichten eingelassen, und die sagen dazu, dass der Waffenstillstand deswegen gebrochen wurde, weil Israel die Bedingungen für diesen nicht eingehalten habe. Die Palästinenser sind von der Grenzeöffnung abhängig, da sie sich wohl kaum selbst ernähren können.

    Was die anderen arabischen Staaten angeht, kann man ja wohl nur sagen, dass es ihnen herzlichst egal ist, was mit den Palästinensern passiert. Keiner hilft denen, und jeder bemitleidet sie.

    Was die ernsthaften Bemühungen angeht Frieden zu stiften so muss man wohl davon ausgehen, dass diejenigen die ihn wirklich wollten getötet worden sind wie Al-Sadat oder Rabbin. Sharon hat nicht früh genug erkannt worum es geht und als er den Frieden vor Augen hatte, kam dieser Schlag….
    Gott scheint nicht gross genug zu sein.

  • Martin said:

    Leider wird hier nicht die Schlusspassage von Kurz zitiert, derzufolge:

    “die Vernichtung von Hamas und Hisbollah eine elementare Bedingung nicht nur für einen prekären kapitalistischen Frieden in Palästina ist, sondern auch für eine Verbesserung der sozialen Verhältnisse. Wenn die Chancen dafür schlecht stehen, stehen sie gut für den Zerfall der Weltgesellschaft in die Barbarisierung.”

    Umgekehrt wie Kurz könnte ich mich allenfalls damit abfinden, dass jemand die Hamas “vernichtet”, um seinen persönlichen Frieden zu haben. Der hohe Ton – man muss die Hamas im Namen der Menschheit “vernichten”, um so Adornos Programm der Entbarbarisierung zu verwirklichen – macht die Sache für mich nicht besser, sondern abstoßender.

    Ich hätte mich zuerst gefragt, ob das marxistische Analysebrimborium bei Kurz hier von Belang ist. Aber er argumentiert tatsächlich vor dem Horizont eines Publikums, das darin geübt ist, gesellschaftliche Gruppen einzuteilen in solche, die den Menschheitsfortschritt fördern, und andere, die dem Menschheitsfortschritt im Wege stehen (Kulaken usw.) und daher zu liquidieren sind.

  • Parteiloser said:

    Man darf bei der Diskussion nicht vergessen, dass Israel völkerrechtlich Besatzer der palästinensischen Gebiete ist und somit eine Verantwortung gegenüber des palästinensischen Volkes trägt. Wenn man diese nicht wirklich wahrnehmen will und die Menschen immer stärkeren Repressalien aussetzt, darf man sich nicht wundern, dass diese alles in ihrer Macht stehende tun, die Situation zu beeinflussen. Motiviert durch die Aussichtslosigkeit.
    Bei dem Abschuss der selbstgebauten Kassam-Raketen handelt es sich meiner Meinung nach um den Versuch Aufmerksamkeit zu generieren. Für die Situation. Für den Konflikt. Handlungen zu erzwingen heißt das Ziel. Jedoch dreht der Goliath in diesem Konflikt dem David aus allem einen Strick und machte die Menschen vom Schmuggel abhängig. Dass diese Tunnel perfekt für weiteren Waffenschmuggel genutzt werden können, steht wohl außer Frage. Nun ist die Situation da und Israel trägt einen großen Anteil, dass sie so ist, wie sie ist. Aber selbstreflektiertes Denken ist in der Führung Israels nicht zu finden. Statt dessen setzt man auf Mittel und Wege, die schon in der Vergangenheit zu keiner echten Besserung geführt haben. Mit dem Dampfhammer wird dieser Konflikt nie lösbar sein. Im Gegenteil.
    Korrigiert mich gerne, sollte ich mich irren.

    Ich bin auch seit langem der Meinung, dass die Extremisten beider Seiten entthront gehören. Daher muss eine dritte Partei her, die das nötige Vertrauen respektive den nötigen Respekt beider Parteien genießt und als Schiedsrichter fungieren kann. Dass dies nicht schon längst wirksam geschehen ist, steht, aus meiner Sicht, für die Unfähigkeit der UN.
    Versagen alle Instanzen so sehe ich auch uns alle in der Verantwortung, dass u.a. dieser Konflikt endlich sein Ende findet.

    ˶Ändere die Welt, sie braucht es.̋ — Berthold Brecht

  • Eistee said:

    @ O.B.
    1. wenn sie meinen Text aufmerksam gelesen haben, hätten sie erkennen können, dass ich der Hamas schon sehr kritsisch, um nicht zu sagen ablehnend gegenüberstehe. Ausserdem möchte ich nicht um Verständnis für die Hamas werben, sondern lediglich zeigen, dass die Israelische Seite definitiv nicht besser ist. (Likud-Block und andere ultra-rechte Israelis)

    2.Zitat “Und bevor man Israel vorwirft, da über zu reagieren,(…) sollte man mal vielleicht andere Länder befragen, wie sie reagieren würden, wenn ihre Städte mit Raketen beschossen werden. Wie würde Russland reagieren, wenn aus Georgien russische Städte beschossen werden würden? Oder chinesische Städte würden beschossen werden.”

    Der Unterschied liegt darin, dass sich Israel in seinen Selbstverständis als pluralistische Demokratie versteht die die Menscherechte achtet, im gegensatz zu Russland und China! Was jetzt nicht bedeutet dass ich z.B. das russische Vorgehen in Georgien oder Tschetschenien akzeptiere, weil dass zerbomben von Städten (Bsp. Chinwali, Grosny) niemals eine akzeptable Lösung sein kann oder das vorgehen der Chinesen gegenüber Tibetern, Uiguren, Taiwanesen, etc!
    Ausserdem geht es bei den Artikel um Israel und nicht um allgemeine Menschenrechtsverletzungen in der Welt, wo ich ehrlich gesagt gar nicht wüsste wo man anfangen soll…. USA, E.U., Russland, China, Sudan, Somalia, Pakistan,…
    Raten sie auch mal, warum die U.S.A. so heftig kritisiert werden? Gerade weil sie sich in ihren Selbstverständnis für Demokratie und Freiheit einsetzen, wird das logischerweiser umso heftiger kritisier, wenn sie die demokratischen Grundpfeiler mit Füßen treten.

    Zitat”Bei den Ländern würde sich aber kaum einer trauen, zu intervenieren. Nur Israel darf nischt…Warum eigentlich?”
    Israel darf sich gegen die Hamas wehren, aber muss man gleich ein ganzes Volk mit in Geiselhat nehmen? Was halten sie eigentlich im allgemeinen von Kollektivstrafen?
    Und wie von mir geschrieben, wäre eine konnzentrierte Polizei-/Sondereinsatzkommando-Aktion nicht wesentlich efffektiver und humaner?

    3.Etwas, was ich noch vergessen habe: Israel hat trotz des Wahlsieges der Hamas, die Hamas nie als Gesprächspartner akzeptiert. Frieden kann aber nur über die Diplomatie erfolgen. Woraus sich schon vermuten lässt, dass das Interesse der bisherigen israelischen Regierung an einen dauerhaften Frieden eher begrenzt ist. Außerdem bedeutet das auch, das man über 50% der Palastinenser, die dieser Organisation ihre Stimme gegeben haben,(ob gut oder schlecht sei jetzt einmal dahigestellt) nicht ernst nimmt.

    5. Was auch sehr beschämend ist für die israelische Politik, dass vor jeder Wahl in Israel vom Likud-block und meines erachtens auch von der Kadima, immer wieder der Versuch unternommen wird, alle arabischen Parteien von der Wahl ausszuschliessen, was aber bisher glücklicherweise jedesmal vom Obersten Gericht verhindert wurde. Was im übrigen wieder vermuten lässt, dass diese Israelis (vom Likud-Block, Kadima) absolut kein Interesse an einer Aussöhnug mit den arabischen Israelis haben.

    6. Mit dem Rest haben sie aber schon recht. ;) Zu viele Bekloppte…

    Vorerst können die Menschen da unten wenigstens wieder halbwegs ruhig schlafen…

  • Eistee said:

    Und noch etwas, das zu einen Krieg immer zwei gehören, mag zwar oberflächlich betrachtet stimmen, aber wenn sie etwas tiefgründiger werden, sollten sie feststellen, das nicht immer zwei Seiten nötig sind. (siehe Angiffskrieg von Hitler, spanischer Eroberungskrieg in Südamerika, Burenkriege, allgemein kolonialkriege, etc.)

  • Mathias said:

    @Eistee

    Zitat:
    “3.Etwas, was ich noch vergessen habe: Israel hat trotz des Wahlsieges der Hamas, die Hamas nie als Gesprächspartner akzeptiert. Frieden kann aber nur über die Diplomatie erfolgen.”

    Wie soll man jemanden als Gesprächspartner akzeptieren, der einem das eigene Recht auf Existenz verweigert? Mit so einem würde ich auch nicht reden. Bevor die Hamas das nicht tut, wird auch Israel nicht mit ihr reden. Völlig zu Recht!

  • Eistee said:

    @Matthias

    Das sehe ich nicht so. Das Problem ist, dass dies nämlich auch die Palastinenser als Grund nehmen können. Im Likud-Block und anderen ultra-rechten Kreisen träumt man immer noch teilweise sehr offen von einen Großisrael inklusive der Palastinensergebiete, was de facto bedeutet, das man den Palastinensern damit auch das Existensrecht entzieht (Bsp.siehe
    Siedlungsbau der Israelis).
    Was beudeuten würde wir müssen warten bis einer er beiden Seite die andere weggebombt hat. Was aber für einen vernünftigen Menschen niemals als Lösung in betracht kommen kann.
    Außerdem sollte man auch akzeptieren, das es bei der Hamas auch Moderate Kräfte gibt, die das Existenzrecht Israels anerkennen oder zumindest ein Ende der Gewalt wollen. Aber da Israel gleich mit dem Wahlsieg Gespräche ausgeschlossen hat, und es gab Angebote von der Seite der Hamas, hat man natürlich den Extremisten wieder Auftrieb gegeben.
    Man muss aber die Vernünftigen auf beiden Seiten stärken, und das geht nur über Gespräche auf Augenhöhe und nicht mit Krieg!

  • Eistee said:

    Ein interessanter Artikel dazu ist bei Zeit-Online erschienen: http://www.zeit.de/online/2009/04/gaza-krieg-israel-sackgasse

  • kotzlem said:

    wer hier für auf der muslimischen seite steht versteht nichts vom eigentlichen problem. das problem ist : die hamas ist eine terror organisation die von den arabern gewählt wurde und seitdem die eigene bevölkerung unter angst setzt und auf israel hetzt. es ist nicht so das israel kein frieden will, es sind die araber die kein frieden wollen. wer die geschichte kennt weiß bescheid das bei der unabhängigkeitserklärung alle arabischen nationen israel bereits am ersten tag den krieg erklärt haben. das allerschlimmste dabei ist das alle terror organisationen sich immer auf den koran besinnen und genau das ist das eigentliche problem, denn der koran fordert die weltherrschaft der muslime.. von daher werden muslime immer mit allen völkern und nationen im konflikt stehen, bis irgendwann das mass voll ist und alle normalen, ungläubigen,juden,christen,budhisten,hindus,homos etc. gemeinsam zurückschlagen noch sehen die leute eben das wahre gesicht des islams nicht, aber das kommt noch. übrigens den arabern in israel geht es besser als in allen anderen arabischen ländern.

    http://www.youtube.com/watch?v=pOPfia8Dx5k
    http://www.youtube.com/watch?v=pvE5K9W6UUk

  • Parteiloser said:

    @Kotzlem

    In meinen Augen betrachten Sie die Sache unreflektiert, oberflächlich, pauschalisieren alle Schichten des Islam als grundsätzlich extremistisch und schließen die Vernunft des Menschen bei Ihren Überlegungen gänzlich aus. Ob aus Ihnen die Vernunft spricht? Wage ich zu bezweifeln. Auch zweifel ich an Ihren persönlichen Friedensabsichten, denn wie Sie schreiben treten Sie eher für die Ausweitung des Konflikts ein.
    Dabei sollten Ihnen die unzähligen Muslime, die sich beispielhaft in westliche Gesellschaften integriert haben, wie auch in Israel, und gegen reaktionäre und extreme Strömungen innerhalb des Islam stehen, die Augen öffnen.

    Aus meiner Sicht gibt es innerhalb des Nahost-Konflikts kein Schwarz-Weis. Diese Denke sollten Sie ablegen. Oder was halten Sie von jüdischen nationalistischen Extremisten, die Tagesausflüge nach Palästina machen, um dort im Schutze der israelischen Armee Palästinenser abzuknallen? Was halten Sie von jüdischen Terroristen, die im eigenen Land Bomben legen? Was halten Sie von jüdischen fundamentalistischen Siedlern, die der Meinung sind, man solle alle Palästinenser ausrotten?
    Ich will Ihnen nur klar machen, dass auch innerhalb der israelischen Gesellschaft menschenverachtende Strömungen existieren, die allesamt versuchen ihren Einfluss geltend zu machen und alles andere als friedlich auf den Konflikt einwirken.

    Schönen Gruß,
    Parteiloser

  • dreaven3 said:

    Warum sich die Öffentlichkeit in der ökonomischen Krise gegen Wikipedia wendet.

    Die politischen Reaktionen auf den Krieg in der Wikipedia zeigen, dass Wikipedia umso weniger Freunde hat, je bedrohlicher seine militärische Lage wird.

    So umstritten ist Wikipedia.

    Nun können sich andere wieder ernsthaften Fragen zuwenden.

  • KaoZ said:

    @Kotzlem…

    Geh bitte wieder zurück zu deinem polemischen PI-Gehetze…
    Der PI-Rechtspopulismus ist nichts weiter als Volksverhetzung und entbehrt jedweder humanistischen Sicht!

    Hier wirst du (hoffentlich mit deinem dumpfen Populismus auf taube Ohren Stoßen.

  • Popeye said:

    “Nur rechtfertig das Verbrechen gegen die Menschlichkeit?”

    Beweise doch mal bitte die angeblichen Vebrechen Israels! Und bitte ohne die Hetze von Goldstone und Co.

    “Wäre eine geordenet Polizeiaktion nicht viel sinnvoller und würde dies nicht auch vor allen weniger Opfer bedeuten?”

    Beschäftige Dich mal bitte mit den Opfern und lerne zwischen getöteten Gegnern und Zivilisten zu unterscheiden.

    “Wenn ich mich nicht irre sind zur Zeit ca. 3-4Menschen in Israel durch die Raketen umgekommen und mittlerweile über 1000 Palastinenser durch die israelischen Faschisten(!!!)”

    Es Israel anzukreiden, das es seine Zivilisten schützt (Alarmsysteme, Bunker, befestigte Zimmer in jedem Haus), dabei die psychischen Folgen tausender Raketen und Mörsereinschläge seit 2001 unter den Tisch fallen zu lassen, ist das Letzte!
    Zu der Opfereinordnung auf palästinensischer Seite siehe oben, die perfide Taktik der Hamas in Bezug auf ihre Zivilbevölkerung muss man sicher nicht erklären, oder?

    Und das auf diesem Blog Israelis ungestraft als Faschisten beschimpft werden können, sag wohl einiges aus.

    “Ist es eigentlich moralisch vertretbar, das Panzer auf Steine werfende Kinder schiessen?”

    Warum schreibst Du nicht gleich, Israel würde Organe von Palästinensern rauben. Hat die gleiche Qualtität.

    “Ist es im sinne des Völkerrechts, das man ständig die Grenze verletzt, Siedlungen errichtet und das Land anektiert?”

    Israel hat den Gazastreifen und das Westjordanland nicht anektiert, sondern besetzt. Komisch, das sich keiner beschwert hat, als Ägypten und Jordanien beides besetzt hielten.
    Und sicherlich hast Du auch nichts davon gehört, das Israel das Land gegen Frieden tauschen wollte und dafür die drei Neins von Karthum entgegengeschmettert bekam. Ach ja, Gaza ist seit 2005 nicht mehr besetzt, nur mal so am Rande.
    Welche Grenzen verletzt Israel denn? Die zu einem Palästina, das von den Arabern von 1948 – 1967 nicht gegründet wurde, weil man damit beschäftigt war, Israel zu vernichten?
    Die illegalen Siedlungen kann man kritisieren, man kann natürlich auch pauschal alle Siedlungen verteufeln.

    So, jetzt reichts mir, auch der Rest vom Text zeugt von Ahnungslosigkeit und schlimmsten Antisemitismus! (Spar Dir bitte die bescheuerte Frage: Warum? Wer Israelis als Faschisten bezeichnet und den Likud mit der Hamas und der NPD gleichsetzt und fröhlich mit den 3 D´s spielt, ist kein Israelkritiker!)

    Hier ein paar Links für Interessierte, früher habe ich das mal auseinanderklamüsert und zu jedem meiner Argumente Zitate und Quellen genannt. Aber da ich die Erfahrung gemacht habe, das Israelhasser lieber meine Quellen verunklimpfen, als sich mit den Argumenten auseinanderzusetzen und den Links in den Quellen zu folgen und zu überprüfen, sehe ich dies als sinnlos an.

    israel
    http://backsp.wordpress.com/2009/05/21/10-fakten-zum-streit-um-jerusalem/
    http://www.nicht-mit-uns.com/nahost-infos/
    http://heplev.wordpress.com/2009/05/21/das-ziel-der-araber-ist-nicht-frieden/
    http://wahrheitgraben.wordpress.com/2009/03/25/die-mauer/
    http://www.adf-berlin.de/html_docs/berichte_nah_ost/plo_charta.html
    http://www.trend.infopartisan.net/trd1103/t181103.html
    http://www.theisraelproject.org/atf/cf/%7B84dc5887-741e-4056-8d91-a389164bc94e%7D/20090302GAZASTATS-JPEDITS.PDF
    http://www.lizaswelt.net/2009/03/vorschlag-zur-gute.html
    http://plus7.arte.tv/de/detailPage/1697660,CmC=2506894,CmPage=1697660.html
    http://www.adf-berlin.de/html_docs/berichte_nah_ost/propagandaluegen.html
    http://www.contextxxi.at/context/content/view/258/96/
    http://heplev.wordpress.com/2009/02/06/schaschlik-47/
    http://www.tachles.ch/Nachricht.aktuell-nachricht.0.html?&tx_ttnewsissue_id=461&tx_ttnewsissue=461&tx_ttnewstt_news=6316&tx_ttnewsbackPid=60&cHash=5e630db2a0
    http://www.nahost-politik.de/israel/tantura.htm
    http://www.eussner.net/artikel_2004-03-16_00-10-27.html
    http://www.wahlrecht.de/news/2006/04.htm

    gazakrieg
    http://freiesicht.wordpress.com/2009/05/28/zeva-adom-alarmstufe-rot-in-sderot/
    http://zeitungfuerdeutschland.wordpress.com/2009/01/24/der-fall-israel-und-warum-die-vorwurfe-der-kriegsverbrechen-verlogen-sind/
    http://antiislam.wordpress.com/2009/01/11/der-gaza-streifen-zahlen-und-fakten/
    http://anstalt.wordpress.com/2009/01/21/ein-paar-gedanken-zum-kriegsvolkerrecht/
    http://heplev.wordpress.com/2009/03/15/ein-wenig-gaza-arithmetik/
    http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E8FF46DD8B04C4F3BB63CAB1A3D0AF643~ATpl~Ecommon~Scontent.html
    http://www.theisraelproject.org/site/apps/nlnet/content2.aspx?c=hsJPK0PIJpH&b=689705&ct=6478505
    http://jer-zentrum.org/ViewArticle.aspx?ArticleId=186
    http://www.h-ref.de/feindbilder/juedische-kriegserklaerungen/germany-must-perish.php
    http://backsp.wordpress.com/2009/02/16/idf-gibt-zahlen-der-todesopfer-in-gaza-heraus/
    http://idfspokesperson.com/category/idf-statistics/
    http://www.welt.de/politik/article2993384/Die-Fernsehbilder-vom-Krieg-in-Gaza-luegen.html
    http://community.livejournal.com/nasha_pravda_il/52041.html
    http://www.mfa.gov.il/MFA/Terrorism-+Obstacle+to+Peace/Palestinian+terror+since+2000/Missile+fire+from+Gaza+on+Israeli+civilian+targets+Aug+2007.htm
    http://www.unwatch.org/site/c.bdKKISNqEmG/b.5537773/k.291E/SelfDefense_is_not_a_Crime_of_War.htm
    http://www.youtube.com/watch?v=pZvopfDbea4&feature=related
    http://www.paltoday.com/arabic/News-57047.html
    http://www.paltoday.com/arabic/News-55720.html

    geschichte
    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/klaus_bittermann_zwischen_gleichen_rechten_entscheidet_die_gewalt/
    http://adf-berlin.de/html_docs/berichte_nah_ost/fakten.html
    http://israel.hagalil.com/2008-60/index.htm
    http://www.aref.de/kalenderblatt/mehr/israel-nahostkonflikt_mehr.htm
    http://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/German/Der_Krieg_von_1948.html
    http://www.zukunft-braucht-erinnerung.de/holocaust/juedische-emigration/170.html
    http://heplev.wordpress.com/2009/06/09/gastbeitrag-die-ursachen-bekampfen-nicht-die-symptome/
    http://www.kimizion.org/pal.html
    http://www.nicht-mit-uns.com/nahost-infos/texte/JerusalemCapital.html

    siedlungen
    http://castollux.blogspot.com/2009/05/israelische-siedlungen-geruchte-und.html
    http://heplev.wordpress.com/2009/06/09/gastbeitrag-die-ursachen-bekampfen-nicht-die-symptome/
    http://lindwurm.wordpress.com/2009/02/02/israelische-siedler-klagenfurter-phrasendrescher/

    uno
    http://www.lizaswelt.net/2009/01/die-htschelkinder-der-un-i.html
    http://heplev.wordpress.com/erste-sahne-andere-2/organisierte-hetze/

  • Oleg said:

    Und wenn Ihr Deutsche seid, baut eine wahre Freundschaft mit Israel auf! Sie sind weltoffen, freundlich, gebildet und haben mit vielen bösen Nachbarn zu kämpfen, die ihnen aus Neid ihr Land strittig machen wollen, sozusagen ihr Land von außen einengen wollen…

  • NDM said:

    Die Taktik der Hamas ist altbekannt, und hat ein erstes Vorbild gehabt. Ist hier auf der letzten Seite nachzulesen.

    http://www.dig-trier.de/downloads/geschichteisraellang01.pdf

  • Kruppzeuch said:

    Noch ein Lesetipp: “Warum sich die Öffentlichkeit in der ökonomischen Krise gegen Israel wendet”…

    Der Teaser: Der Journalist und Autor Robert Kurz bezeichnet die Glorifizierung des alten „Antiimperialismus“ sowie dessen Übertragung auf die islamistischen Bewegungen und Regimes als ideologische Verwahrlosung. Dies gelte besonders bei Linken, da der …

  • ben gunn said:

    kanns mir einer mal erklären?
    in der Überschrift steht: “Warum sich die Öffentlichkeit in der ökonomischen Krise gegen Israel wendet”
    die Antwort darauf finde ich nirgens. Dann wird von islamistischen Regimes und Ländern gesprochen und dann zum Schluss: “Auch dafür ist keine traditionelle Religion verantwortlich, sondern eine kulturalistisch eingefärbte Militanz des kapitalistischen Patriarchats in der Krise, die sich auf andere Weise auch im Westen bemerkbar macht.”

    Also was nu? Einerseits die Öffentlichkeit, andererseits irgendwelche Antiimps, einerseits Islamismus, andererseits kapitalistisches Patriarchat unter dem Deckmantel der Religion…

    Vielleicht bin ich ja zu müde, aber was will der Autor uns jetzt sagen?

    Es handelt sich um einen Auszug des Textes.

  • Hans Christoph Stoodt said:

    Liebe Leute von npd-blog.info,

    ich halte es für eine Grundvoraussetzung jeder ernstzunehmenden Diskussion zu dem hier angeschnittenen Thema, sehr klar zwischen “Islamismus” und “Islam” zu unterscheiden. Andernfalls landet man in einem knacke-rechten Diskurs, der mit Positionen des antiislamischen Rassismus und der Neuen Rechten bestens kompatibel sind.
    Das schließt aus meiner Sicht die notwendige Distanzierung von Positionen, wie sie Mina Ahadi, Ralph Giordano, Henryk M.Broder, aber auch Positionen wie die von Stephan Grigat oder Alex Feuerherdt mit ein. Hier gibt es inzwischen keinerlei trennscharfe Unterscheidung von rechten Positionen mehr, wenn es gegen den albernerweise so bezeichneten “Islamofaschismus” o.ä. gehen soll. Ein Blick in “Politically Incorrect” (“proamerikanisch, proisaelisch ..”)als “living museum” des alltagsdeutschen Rassismus ist da sehr lehrreich.
    Nichts ist heute im Rassismusbereich mehr mainstram, stärker mobilisierungs- und konsensfähig, als “islamkritisch” zu sein, was zugleich auch meist noch im Gestus des “mutigen Tabubruchs” geäußert wird. Guter Artikel dazu bei “Analyse und Kritik”: http://www.akweb.de//ak_s/ak546/02.htm.

    Solidarische und antifaschistische Grüße,
    Hans Christoph Stoodt

  • Patrick Gensing said:

    Lieber Herr Stoodt,
    nur damit ich Sie richtig verstanden habe: Die NPD gratuliert der Linksfraktion – und wir sollen uns in diesem Zusammenhang von höchst unterschiedlichen Kollegen distanzieren, die sie allesamt in einen rechten Topf werfen?
    Tut mir leid, aber da komme ich nicht mehr mit.
    Gruß
    PG

  • Hans Christoph Stoodt said:

    Lieber Herr Gensing,

    nein, sie sollen sich nicht von Kollegen distanzieren, sondern von denjenigen ihrer Positionen, die nicht eindeutig in der Differenzierung von Islam und Islamismus sind. Ich unterscheide also, wie oben nachzulesen, explizit und sorgfältig zwischen den Kollegen und deren Positionen. So habe ich zB. mit Ralph Giordano zur Frage der Beteiligung des deutschen Generalstabs beim Völkermord an den Armeniern 1915 konstruktiv und persönlich sehr solidarisch zusammengearbeitet. Seine verbalen Attacken allerdings, in denen er Burka-tragende Frauen als “Pinguine” bezeichnete (http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/627848/), die er “auf deutschen Straßen” nicht sehen wolle (sic!) bezeichne ich klipp und klar als rassistische Hetze (http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/627848/).

    Ebenso bitte ich zu unterscheiden, daß

    1. diejenigen KollegInnen der Linksfraktion am 27.1. im Bundestag, die sich nach der Rede von Staatspräsident Shimon Peres nicht zum Applaus von ihren Sitzen erhoben, deutlich klargestellt haben, daß sie durchaus und mit voller Überzeugung aufgestanden sind, als es um die Ehrung der Opfer der Shoah ging, nicht aber nach eine Rede, in der zB. fälschlich und in kriegslegitimierender Absicht behauptet wurde, Iran verfüge über Atomwaffen. Dazu vgl. zum Beispiel die völlig eindeutige Position von MdB Christine Buchholz (http://christinebuchholz.de/2010/02/02/ich-klatsche-nicht-fur-ideologische-kriegsvorbereitungen/);

    und

    2. daß nicht jede/r, dem die NPD höhnisch applaudiert, auch NPD-Positionen vertreten muss.
    Sie, Herr Gensing, wissen doch ganz genau, daß es bei niemandem in der LINKEN Bundestagsfrakktion Sympathien für die NPD gibt. Oder wollen Sie das ernsthaft behaupten? Kann ich mir nicht vorstellen. Was soll das also?

    Beste Grüße,
    Hans Christoph Stoodt

  • Patrick Gensing said:

    Lieber Herr Stoodt,
    selbstverständlich denke ich nicht, dass Abgeordnete der Linksfraktion mit der NPD sympathisieren. Ich habe dies auch nicht behauptet.

    Ich denke aber, es besteht dringender Diskussionsbedarf, was die Themen Antizionismus/Antisemitismus sowie Solidarisierung mit islamistischen Terrororganisationen angeht. Und daher hat mich Ihr Hinweis auf Broder und andere Kollegen irritiert. Dazu ließe sich einiges schreiben, ist hier aber einfach nicht das Thema. Es geht um Teile der dogmatischen Linken, die krampfhaft an einem veralten bipolaren Weltbild festhalten. Infolgedessen werden auch gerne Leute, die dieses Weltbild kritisieren, zu Rechten, Rassisten Neocons oder Falken erklärt. Bequem – aber Schwachsinn. Dass dies Schwachsinn ist, wird auch in der Linkspartei zunehmend thematisiert – doch der Konflikt wird gedeckelt. Das kann ich sogar nachvollziehen, denn es zeichnet sich auch überhaupt keine Lösung ab.

    Allerdings stimme ich mit Ihnen überein, dass progressive Religionskritik derzeit leicht vereinahmt wird. Dies habe ich hier kommentiert:
    http://npd-blog.info/2009/11/30/die-religionskritikverhinderer-4666/

    Grüße
    PG

  • dagmar.schatz said:

    Es wendet sich nicht “die Welt” und schon garnicht gegen “Israel”; normalerweise akzeptiere ich es nicht, wenn man das “Israel” in Gänsefüßchen setzt, hier ist es allerdings angebracht, denn ich meine ein lautstarkes Netzwerk, das sich immer für “Israel” ausgibt. Dazu habe ich aktuell:
    http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=14745
    und vor über einem Jahr was geschrieben:
    http://www.duckhome.de/tb/archives/4562-Neues-vom-Obsession-Team-Standing-Ovations-fuer-Geert-Wilders-in-Israel.html

    Dieses Netzwerk klebt allen den Antisemitismus-Bebber an, der Positionen vertritt, die nicht die Seinen sind, und das geht bis hin zu eigenen SoldatInnen:
    http://www.ynet.co.il/english/articles/0,7340,L-3841480,00.html

    und all jenen, die sich jetzt bei Breaking the Silence engagieren:
    http://www.shovrimshtika.org/index_e.asp

    Laut Regierungssprecher Regev alles Antisemiten.

    Und die “Welt” wendet sich ganz und gar nicht gegen Israel, sondern es wird versucht,sie gegen “den Islam” zu drehen, vielleicht verfolgt Ihr mal das (bombing Mecca):
    http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=14680
    http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=14715

    was ich anlässlich der Wahl von obama schon mal thematisiert hatte:
    http://www.duckhome.de/tb/archives/3591-Obsession-Ablenkung-vom-Bailout-und-Wahlkampf-fuer-McCain-durch-einen-neuen-Anti-Islam-Spin.html

    Das ganze ist ein einziger Spin, der dazu dienen soll, in nicht nur den USA, sondern auch anderen Ländern den Gesellschaftsumba voranzutreiben.

    Habt Ihr über die Sache mit der DVD schon mal gelesen? Sicherlich nicht; der Diskurs ist vollkommen disprortional.Von den sehr guten und hoch angesehenen Blogs wie:
    mondoweiss, josephdana, tikun olam sicherlich auch nicht.
    Für mich bildet der Diskurs in Deutschland die Realiät nicht mehr ab,

    Einen Kommentar dazu habe ich neulich als Witz auf haGalil gelesen: “Ich habe beobachtet, wie sich pro-Israel-Deutsche und pro-Palästina-Deutsche bis aufs Blut geprügelt haben. Und was soll ich Euch sagen? Weit und breit kein Araber und kein Jude in Sicht…”

    Herzlich
    Dagmar Schatz

  • NDM said:

    @dagmar.schatz:

    Es gibt durchaus beides, IMHO. Allerdings wird dem Islam bzw. den Moslems nicht unterstellt, den Kapitalismus oder die Geschicke der Welt zu “lenken”. Dem Judentum hingegen schon – das war schon während der “Great Depression” so. Und dieser Antisemitismus fokussiert modernerdings einen Brennpunkt auf Israel.

    Dem Islam/den Moslems fällt hier wohl eher, wenn man denn historische Parallelen mit der früheren Wirtschaftskrise zieht – eine Rolle vergleichbar mit der der Sinti/Roma zu. Siehe z.B. die Ausführungen Sarrazins.

  • dagmar.schatz said:

    @NDM: ” Allerdings wird dem Islam bzw. den Moslems nicht unterstellt, den Kapitalismus oder die Geschicke der Welt zu “lenken”.” Nun ja, die Figur ist etwas variiert und heisst heute “schleichende Islamisierung. Und was die “Focussierung” auf Israel betrifft: erlauben Sie,dass ich mir diesen Schuh nicht anziehe:die Belege dazu habe ich in meinem vorigen Posting geliefert: Es wird bloß der *Eindruck* erweckt, man sei “Israel” – und jeder, der/die diese fatale Gleichung auflösen will, dann als “Antisemit” denunziert wird, sie Evelyn Hecht-Galinski und Felicia Langer. Wenn hier:
    http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=14745
    von einem “international verzweigten Netzwerk” spreche, meine ich keineswegs die “jüdische Weltverschwörung” sondern ein internationales rechtsextremes Netzwerk, in *auch* rechtsextreme Israelis und Juden sind, die im Übrigen europäische RechtsextremistInnen finanziell mit erheblichen Summen unterstützen:
    http://blog.thebrights.de/2009/07/04/unsauberes-gebaren/

    Wenn Israel ein Staat ist, wie jeder andere muss man es – wie seine RepräsentantInnen auch wie jeden anderen Staat kritisieren können. Das darf man natürlich nicht mit Antisemitischen Stereotypen tun.

    Im Übrigen: ProtagonistInnen dieses Netzwerks, wie die “Proud Jewess” Pamela Geller haben keine Schwierigkeiten ihre jüdischen politischen Feindfiguren (George Soros) antisemitischen Stereotypen zu schmähen, namentlich dem von Ihnen oben zitierten.Frau Geller wird im Teil 3 der Bombing Mecca-Serie von mir ausführlich gewürdigt.

  • NDM said:

    @dagmar Schatz:

    Im Grunde sind wir uns einig. Man darf und soll Kritik an der Politik Israels üben, insbesondere dann, wenn man freundschaftliche Absichten hegt. Das ist jedoch etwas anderes, als Kritik an der Existenz dieses Staates. Bei manchen Strömungen schimmert ein klarer Antisemitismus durch, wenn Rethorik darauf abzielt, den Staat “Endzulösen”(überspitzt ausgedrückt), oder wenn der Zionismus zur Verschwörung gegen die Welt hochgejazzt wird. Solche Ansichten können durchaus auch bei sogenannten “Antiimperialisten” auftauchen. Und es ist schon sinnvoll, dahingehend nachzuforschen, ob dies eben mit einer Nazi-Querfront zusammenhängt, und/oder vielleicht mit Solidarität zu zweifelhaften Islamistischen Strömungen, welche alteuropäische antisemitische Stereotype weiterpflegen. Das gibt es ja ebenfalls. Diese hegen jedoch keine Antiimperialistischen Absichten. Das stellt der Text von Herrn Kurz heraus.

    Ich wollte also deutlich machen, dass die Dämonisierung Israels, die in einigen Strömungen geschieht, bei Antisemiten en Vouge ist. In Wirtschaftskrisen scheinen manche Strömungen eben einen personifizierten Verantwortlichen zu suchen, und der “Finanzjude” ist der klassische antisemitische Sündenbock schlechthin. Israel symbolisiert für völkische Antisemiten das Staatgewordene Judentum, dass es aus deren Sicht zu vernichten gilt.

    Die kulturalistische Dämonisierung des Islam bzw. der Moslems hat in der Wirtschaftskrise jedoch ebenfalls Konjunktur – zumindest bei den Rechtsradikalen. Die rechtsradikalen Antimoslemischen “Diskurse” (z.B. bei PI, usw.) dürften ja sattsam bekannt sein. Da ist dann “der Islam” sowohl der ungebildete HartzIV-Bengel, der alte Omis ausraubt, als auch das hochgebildete Taqiyya-Monster, das seine Finanzkraft nicht zum Wohle der Allgemeinheit im Lande nutzt, sondern alles ins Ausland schickt – also in jedem Falle eine finanzielle Belastung, die es ebenfalls abzuschaffen gilt. Daher die (wenn auch hinkende) Analogie zu Sinti & Roma.

    Das meinte ich, als ich schrieb, dass es beides gibt.

    Die Artikel zum Netzwerk, das offenbar ebenfalls kritisiert gehört, habe ich überflogen. Ich will dahingehend auch überhaupt nichts bestreiten. Ich durfte mich selbst auch schon von Leuten aus einer solchen Strömung beschimpfen lassen. Diese Strömung wird sich natürlich nicht gegen Israel wenden. Das ist klar.

  • dagmar.schatz said:

    @NDM: gut, wenn wir uns einig sind. Es bleibt mir dann bloß noch., darauf hinzuweisen, daß die mediale Aufmerksamkeit, die Antisemitismus und Antimoslemistmus bekommen, sehr ungleich verteilt ist: niémand will Israel “endlösen”: was für eine grandiose Lüge das angebliche Ahmadinejad-Zitat war, ist ja mittlerweile mehr als einmal durch Presse und Blogs gegangen und vorsorglich erlaube ich mir, daraus hinzuweisen, daß beim Israel-Gewächs Hamas der Punkt 32 der Charta, der eben jenes fordert, diejenigen Israelis, die die Hamas (mit) aufgebaut haben, auch nicht gestört hat. Der Extremfall von Asymmetrie sind die Antideutschen, über die die Jüdin Elise Hendricks schreibt:
    “Zum antideutschen Judenbild: Für den Nazi bin ich Hassobjekt. Für den Antideutschen bin ich Wichsvorlage.Für keinen von beiden bin ich Mensch.” Sie hat zwei pointierte Artikel dazu abgeliefert:
    http://meldungen-aus-dem-exil.noblogs.org/post/2010/01/08/der-masturbatorische-philosemitismus-nochmals-zu-den-antideutschen
    und:
    http://meldungen-aus-dem-exil.noblogs.org/post/2009/12/15/lob-der-innovation

    Streckenweise kommt mir die ganze Debatte vor wie eine Gespensterdebatte: da wird gegen Sachen angerannt, die maximal von einer zu Recht marginalisierten Minderheit postuliert werden und die reale Gefahr, die längst im mainstream angekommen ist, wird überhaupt nicht gesehen.

  • Patrick Gensing said:

    Sehr geehrte Frau Schatz,
    eigentlich wollte ich mich aus der Debatte hier heraushalten, aber was Sie nun zu Hamas und Ahmadinedschad schreiben, muss ich doch zurückweisen. Ich könnte Ihnen dazu etliche Quellen nennen, ich denke aber, diese sind Ihnen bekannt – aber Sie halten andere für glaubwürdiger, von daher möchte ich mir die Zeit sparen. Dennoch möchte ich zumindest meine Position hier einmal deutlich machen.
    Gruß
    PG

  • Hans Christoph Stoodt said:

    Lieber Herr Gensing,

    die Ausgangsfrage der hiesigen Zusammenfassung des Artikels von Robert Kurz lautete für mein Empfinden suggestiv: “Warum sich die Öffentlichkeit in der ökonomischen Krise gegen Israel wendet”. Auf diese Frage gibt die Zusammenfassung des obigen Artikels im Grunde nicht wirklich eine Antwort. Es ist für meine Wahrnehmung eher so, daß es sich in der Überschrift um eine These handelt, die ich persönlich nicht nachvollziehen kann.

    Wenn man aber wirklich über die Frage des Zusammenhangs von Antisemitismus und Krise nachdenken möchte – denn darum soll es doch wohl, wenn auch aus meiner Sicht unzulässig mit dem Stichwort “Israel” repräsentiert, gehen, dann empfiehlt es sich vielleicht, doch einmal die 2009 veröffentlichten Ergebnisse von Wolfgang Benz Ernst zu nehmen und nicht unbesehen ad acta zu legen.
    Antisemitismus und antiislamischer Rassismus werden einander strukturell immer ähnlicher. Der aktuelle Fall “Cihad” hat auch Micha Brumlik dazu veranlasst, die Positionen von Benz in einem beachtlichen Interview im Deutschlandradio zu unterstützen.
    Wenn es Sie interessiert, können Sie etwas dazu hier nachlesen: http://antinazi.wordpress.com/2010/02/05/wer-cihad-heist/

    Es wird in verschiedenen Diskussionsbeiträgen hier Stellung gegen einen sogenannten “alten” Antiimperialismus bezogen, der angeblich auf der Logik einer nicht mehr existierenden bipolaren Welt aufgebaut habe.

    Dazu möchte ich hier nur ganz kurz zu bedenken geben: im Grunde war das immer schon nur eine Verleumdung. Wer, wie Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg zum Beispiel, den Hauptfeind – hierzulande also: den wilhelminischen deutschen Imperialismus – im eigenen Land sah und sieht, wurde und wird als Agent ausländischer Mächte von manchen gerne als außerhalb jeder Debatte stehend behandelt und “geächtet”.

    Selbstverständlich gab und gibt es in Wahrheit keinen homogenen Antiimperialismus, so wenig es eine alleinseligmachende und einzig wahre Imperialismustheorie gibt. Es gibt seit Rosa Luxemburg, Rudolf Hilferding, W.I.Lenin ud vielen anderen vielmehr eine bis heute nicht beendete Debatte über den genauen Inhalt des wissenschaftlichen und politischen Begriffs Imperialismus sowie die politischen Konsequenzen, die aus ihm zu ziehen sind. Das ist wohl unvermeidlich auch gut so.
    Und es gab und gibt die antiimperialistische Solidarität mit Völkern und Bewegungen weltweit, die nach ihren Kräften versuchen, sich dem Diktat der Monopolbourgeoisie in den Metropolen zu entziehen und einen selbstbestimmten Entwicklungsweg einzuschlagen. Das ist niemals eine fehlerfreie oder bruchlose Angelegenheit.
    Aber wir, die auch wir in einem Staat der Profiteure leben: sollten wir zuerst diese Fehler der unter die Räder Gekommenen thematisieren, anstatt die Verwicklung des Staats, in wir dem leben, in das Elend der globalen Bevölkerungsmehrheit zu unterstützen?
    Wie bequem und arrogant wäre denn das?

    Nach einer Analyse der BBC aus dem Jahre 2005 werden in Großbritannien und vergleichbaren Staaten 40 – 60% der erzeugten Nahrungsmittel nicht gegessen, sondern vernichtet – das ist doch wohl, wenn es nicht einfach als kollektiver irrationaler Unsinn für ein unerklärbares Phänomen gehalten werden und damit als Zustand verewigt werden soll, das zwingende Ergebnis der Logik kapitalistischer Warenproduktion.
    Zugleich sterben tagtäglich (!!) ca. 150.000 Menschen an den Folgen des Hungers, obwohl die weltweite Landwirtschaft schon heute potentiell in der Lage wäre, für knapp das doppelte der Weltbevölkerung, ca. 12 Milliarden Menschen, pro Tag ca. 3000 kcal an Nahrung zu erzeugen (Zahlenangaben zB. bei Jean Ziegler, das Imperium der Schande, dort werden Zahlen der FAO zitiert; man kann es auch in dem – stellenweise von der Realität schon wieder überholten Film Erwin Wagenhofers, “We feed the World” ausführlicher dargestellt finden).
    Zum Vergleich: die 150.000 täglichen (!) Hungertoten übertreffen in ihrer Anzahl die toten ZivilistInnen und Soldaten des Zweiten Weltkriegs in einem auf die gesamte Kriegsdauer fiktiv berechneten Tagesdurchschnitt. Sie liegen nicht viel unter der Opferzahl des Erdbebens in Haiti. Beide Ereignisse gelten zu recht – wenn auch auf höchst unterschiedliche Art und Weise – als epochale Katastrophen.
    Am Hunger, ausgelöst durch die dominante Produktionsweise der Erde, sterben – pro Tag! – genausoviele Menschen: open end. Die Reichen dieser Erde, physisch oft genug bedroht vom Übergewicht, fressen buchstäblich die Armen – Kannibalismus modern.
    Diesen Zustand zu verteidigen, ja, als global betrachtet winzige Minderheit der Weltbevölkerung auf Kosten der weiten Mehrheit an ihm zu verdienen, das gehört zum Wesen des Imperialismus, verteidigt mit den Mitteln der Propaganda, einer gigantischen Bewußtseinsindustrie, dem Strafrecht sowie militärischen Mitteln.

    Und wer sich dagegen, wie inkonsequent oder fehlerhaft leider auch immer, konsequent und laut zur Wehr setzt, ist AntiimperialistIn.

    Es ist ganz genau so, wie Erich Fried es zusammenfasste:

    Wer will,
    daß die Welt bleibt,
    wie sie ist,
    will nicht,
    daß sie bleibt.

    Herzliche Grüße,
    Hans Christoph Stoodt

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