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Wikileaks will 37.000 Emails der NPD veröffentlichen

30. März 2010 04:44 7.565 mal gelesen 17 Kommentare

WL_Hour_Glass_small In den kommenden Wochen sollen Tausende Emails aus der internen Kommunikation der neonazistischen NPD veröffentlicht werden. Das kündigte Wikileaks-Aktivist Daniel Schmitt an. Insgesamt handele es sich um rund 37.000 Nachrichten aus einem Zeitraum von drei Jahren, sagte Schmitt in einem Interview mit dem “Küchenradio“. Aus den Mails werde deutlich, wie die NPD funktioniere, kündigte er an. Allerdings sei es noch unklar, wann die Kommunikation genau zugänglich sei, so Schmitt, da zurzeit noch eine passende Plattform gebaut werde. Die Emails sollten so aufbereitet werden, dass Interessierte diese systematisch durchsuchen können, kündigte er an.

WikiLeaks ist eine Internet-Plattform, auf der jeder anonym Dokumente veröffentlichen kann, solange diese bestimmten Kriterien genügen, beispielsweise öffentliches Interesse. Das Projekt will laut Wikipedia “denen zur Seite stehen, die unethisches Verhalten in ihren eigenen Regierungen und Unternehmen enthüllen wollen.” Dazu wurde ein System “für die massenweise und nicht auf den Absender zurückzuführende Veröffentlichung von geheimen Informationen und Analysen” geschaffen. Wikileaks wurde 2006 von chinesischen Dissidenten ins Leben gerufen und ist nach dem Wiki-Prinzip aufgebaut. Es gilt als unzensierbar.

BNP-Mitgliederlisten veröffentlicht

In Großbritannien hatte Wikileaks für Aufsehen gesorgt, als es die Mitgliederliste der rechtsextremen British National Party veröffentlicht hatte (siehe Artikel im Guardian). Die Liste umfasste demnach Namen, Adressen, Alter und Beruf von fast allen der damals fast 13.00 Mitgliedern der Partei, darunter auch Polizisten, Anwälte, Pfarrer, Ärzte sowie Lehrer an Grund- und Mittelschulen. In Großbritannien ist Polizisten die Mitgliedschaft in der BNP untersagt, und mindestens ein Polizist wurde aufgrund der Veröffentlichung aus dem Dienst entlassen, berichtete die BBC. Am 19. November gab laut Wikipedia BNP-Chef Nick Griffin bekannt, dass die undichte Stelle in der BNP gefunden sei und es sich um einen ehemaligen Führungskader der Partei handele, der die Partei allerdings 2007 verlassen habe.

Wie Wikileaks an die Emails aus der NPD kam, ist bislang unbekannt. Möglicherweise handelt es sich um einen Racheakt eines ausgebotenen Ex-Funktionärs der Partei.

Spiegel durfte aus NPD-Mails zitieren

Das Nachrichtenmagazin “Der Spiegel” hatte bereits im Jahr 2008 aus internen Emails der NPD zitiert, dabei ging es um den Richtungsstreit in der Partei; allerdings erließ das Landgericht Hamburg auf Antrag der NPD eine Einstweilige Verfügung gegen das Zitieren aus den Emails. Diese wurde am 23. Mai 2008 jedoch wieder aufgehoben. Der Spiegel hatte argumentiert, es liege ein öffentliches Interesse vor, es bestehe dagegen kein überwiegendes Interesse an der Vertraulichkeit. Für in Schriftform fixierte geschäftliche Korrespondenz bestehe ohnehin ein grundsätzlicher Vorrang des Vertraulichkeitsschutzes nicht. Hier sei nicht der private Lebenskreis des Antragstellers betroffen, sondern nur seine politische Betätigung. Die Berichterstattung sei auch nicht unter dem Gesichtspunkt der rechtswidrigen Informationserlangung unzulässig, da diese nicht feststehe. Selbst wenn sie rechtswidrig erlangt wären, wäre eine Veröffentlichung nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes nicht gänzlich ausgeschlossen.

Das Gericht urteilte, bei der gebotenen Abwägung der widerstreitenden Interessen überwiege das Informationsinteresse der Öffentlichkeit das Persönlichkeitsrecht des Antragstellers, also der NPD. Die Partei habe zudem nicht glaubhaft darlegen können, dass das Nachrichtenmagazin die Emails in “strafbarer und rechtswidriger Weise erlangt” habe.

Hacker-Angriffe auf Neonazi-Seiten

bhhack

Kontrollzentrum des B&H-Forums.

In den vergangenen Jahren hatten Hacker mehrmals Neonazi-Seiten angegriffen. So wurde unter anderem das Forum von “Blood & Honour” komplett zugänglich gemacht, die Daten brachten aber weniger Ergebnisse als zunächst angenommen. Zudem veröffentlichten Hacker die Kundendaten von Thor Steinar, die zeigten, dass der “Osten Thor ist“. Auch die NPD wurde bereits Opfer von Hacker-Attacken.

Einige Teilnehmer des 25. Chaos Communication Congress (25C3) in Berlin hatten Ende 2008 konzertierte Hackerangriffe auf Webseiten und Server der rechtsextremen NPD ausgeübt. Die Seite NPD.de war vorübergehend nicht mehr zu erreichen, genau wie zahlreiche Seiten von Landesverbänden. Die illegalen Eindringlinge veränderten zudem die Internetauftritte des Landesverbands Schleswig-Holsteins sowie der NPD Südwestpfalz – und “schmückten” es mit dem Bild eines Affen. Darüber hinaus hatten die Hacker auch einen niederbayerischen NPD-Server “aufgemacht” und sich Datenbankzugang zu NPD.de verschafft.

Andy Müller-Maguhn vom Chaos Computer Club (CCC), der den Kongress veranstaltet hatte, sprach gegenüber heise online davon, dass bei dem ein oder anderen Teilnehmer offenbar “das bürgerliche Engagement durchgegangen ist”.

affe

17 Kommentare »

  • Wikileaks will 37.000 Emails der NPD veröffentlichen « cyberpunk – punkrock, politics & computer said:

    [...] Jetzt schlägt’s 13 für die NPD: Wikileaks will 37.000 Emails der NPD veröffentlichen [...]

  • Tweets that mention NPD-BLOG.INFO » Blog Archive » Wikileaks will 37.000 Emails der NPD veröffentlichen -- Topsy.com said:

    [...] This post was mentioned on Twitter by NPD-BLOG.INFO. NPD-BLOG.INFO said: #Wikileaks will 37.000 #NPD Emails veröffentlichen http://npd-blog.info/2010/03/30/wikileaks-emails-npd-100/ [...]

  • Marcel said:

    Gute Sache, prügelt den braunen Dreck aus dem Netz. WikiLeaks ist womöglich die wichtigste Seite des Jahrhunderts.

  • WW said:

    Der Link, “dass der “Osten Thor ist“”, funktioniert nicht: Error 404 – not found.

  • NPD-Mails « medium – wenn schon n3rd, dann richtig! said:

    [...] Bald 37 000 interne Emails der NPD bei Wikileaks zum Nachlesen [...]

  • NichtSchlecht said:

    Sehhhhr schön. Endlich muss man nicht alle 3 Stunden die Daten neu auf Filehostern hochladen, was bei der menge auch zuviel Arbeit währe.

    Ich hoffe die Sunshinepress gibt uns ein schöne Umgebung für unsere Recherchen. Städegeordnet sollte es sein!

  • NPD-BLOG.INFO said:

    Link ist repariert, danke für den Hinweis.

  • blub said:

    auch wenn es sch*n w*re, das mit dem Affen stimmt einfach nicht!

    der affe ist nur bei einer spezitell modifiziertn url angezeigt worden um auf eine Potentielle sicherheitsl*cke hinzuweisen

  • Hartung1848 said:

    Ich finde das mit den E-Mails schlecht und erschreckend!
    Denn was man bei der NPD machen kann, koennte man auch bei anderen, die ueberhaupt nicht extremistisch geneigt sind. Ich moechte nicht, dass meine elektronischen Briefe veroeffentlicht werden, nur weil meine Meinung einem anderen nicht passt. So etwas muss generell gelten. Da kann man keine Ausnahmen machen. Erst wenn eine Partei wegen ihrer demokratiefeindlichen Haltung verboten wurde, dann meinetwegen zur Aufklaerung der Oeffentlickeit.

    Aber so etwas dient sicherlich nicht der Demokratie!

    Hartung

  • Demokrat said:

    Solange der Inhalt der Emails nicht die Privatsphäre eines Menschen verletzt, sondern nur im Bezug auf eine Amtsträgerschaft nimmt, ist eine Veröffentlichung rechtens. Das gilt auch bei allen anderen Parteien und/oder Firmen etc.

  • Alleingelassen und verweist – Altermedia abgeschmiert! « Analyse, Kritik & Aktion said:

    [...] er sich aus dem Staub gemacht? Hat er Angst, was in älteren NPD-E-Mails stehen könnte, die in den nächsten Wochen bei wikileaks veröffentlicht werden sollen? Wer weiß . . [...]

  • NPD-BLOG.INFO » Blog Archive » NPD veröffentlicht internen Email-Verkehr said:

    [...] der Ankündigung von Wikileaks, 37.000 Emails aus der internen Kommunkation der NPD veröffentlichen zu wollen, zieht die [...]

  • Links #2 « nibeblog said:

    [...] Wikileaks will 37.000 E-mails der NPD veröffentlichen [...]

  • April 2010 « Infothek-Dessau.de said:

    [...] so aufbereitet werden, dass Interessierte diese systematisch durchsuchen können, kündigte er an. weiter… Landgericht Stendal – Pressemitteilung Nr.: 003/10Schwerer [...]

  • NPD-BLOG.INFO » Blog Archive » Hack von KZ-Gedenkseiten: Image-Coup für Neonazis said:

    [...] scheitert: Facebook auch für Nazis, NPD 2.0: Neonazis bieten “Verbandsserver” an, Wikileaks will 37.000 Emails der NPD veröffentlichen, Immer dieses Internet! Google vs Android-App-Adolf, Süddeutsche Zeitung verkauft rechtsextreme [...]

  • chriszim.com said:

    Veröffentlicht OpenLeaks nun WikiLeaks-Daten? [UPDATE]…

    Vor einigen Tagen wurde bekannt, dass OpenLeaks einige WikiLeaks-Dokumente mitgenommen hat. Laut Daniel Domscheid-Berg habe er und ein Techniker von WikiLeaks dies getan, da WikiLeaks keine sichere Infrastuktur hätte. WikiLeaks versucht derweil, rechtl…