Wegen des großen Erfolgs – NPD 2.0 legt nach
Diese Woche durfte sich die NPD über einen schönen Erfolg freuen. Anlässlich der Ausstellung „Die braune Falle“ des Bundesamtes für Verfassungsschutz tappten der Innenminister und Medien in selbige, als sie groß vor den Internet-Aktivitäten der NPD und ihres Umfeldes warnten. Dabei bezogen sie sich auf einen Beitrag in der NPD-Zeitung „Deutsche Stimme“, der eigentlich so gar nicht dafür geeignet war, Angst und Schrecken vor geschickten braunen Kadern zu verbreiten. Er mutete eher zum Lachen an. Dennoch verbreitete sich die Warnung vor einer Unterwanderung von Sozialen Netzwerken durch die Neonazis wie ein Lauffeuer durch die deutschen Medien.
Tatsächlich nutzen Neonazis das Internet – und damit auch Soziale Netzwerke – selbstverständlich. In vielen Netzwerken lassen sich leicht Profile von Neonazis finden, sie stellen hier ihre Party-Bilder ein – oder verabreden sich zu Aufmärschen. Wie Neonazis aus NRW berichteten, würden über solche Netzwerke beispielsweise die Anreisedaten zu Aufmärschen verbreitet. Auch bei Twitter sind NPD-Kader längst aktiv, über Google News werden ihre Pressemitteilungen zu Nachrichten und in Mecklenburg-Vorpommern starteten NPD-Kader jüngst ein ganz neues Info-Portal.
Besonders in Sachsen aktiv
Ob der großen Aufmerksamkeit will die NPD die Gunst der Stunde aber nutzen und weist darauf hin, sie nutze auch schon länger „gezielt die Kontaktchancen der sozialen Netzwerke zur Bekanntmachung ihrer Funktions- und Mandatsträger und zur Nachwuchsgewinnung“. Unklar sei, warum Merkels oberster „Verfassungsschützer“ [gemeint ist der Bundesinnenminister de Maiziere] diese Erkenntnis erst jetzt preisgibt. So habe die „sächsische NPD im letzten Jahr Mitglieder und aktive Wahlkampfhelfer über die sozialen Netzwerke rekrutieren können“.
Die NPD unterstreicht dabei die Bedeutung des Netzes für ihre Zwecke, da ihr der Zugang zu Massenmedien weitestgehend versperrt bleibt. Allerdings muss die NPD einräumen: Das Löschen von Profilen, beispielsweise bei „MeinVZ“, nervt. Doch die Neonazis frohlocken: „VZ-Sprecher Dirk Hensen räumte ein, daß in einem Netzwerk mit 16 Millionen Nutzern „niemand alles“ kontrollieren könne.
Es kann allerdings auch gar nicht darum gehen, “alles zu kontrollieren”, sondern menschenfeindlichen Einstellungen zu widersprechen und diese zu ächten. Dabei spielt es keine Rolle, von wem diese kommen – und ob sie bei Welt-Online in der Kommentarspalte oder auf einem Profil eines Neonazis bei StudiVZ verbreitet werden. Aber um dies zu benennen, müsste man ja mit dem Finger nicht nur auf die bösen Nazis zeigen…
Siehe auch: Revolution im Web: Hier kommen die Nazis 2.0


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