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Sarrazin und die Suche nach dem neuen Fremden

10. September 2010 10:54 1.843 mal gelesen 15 Kommentare

“Ich hab` nichts gegen Ausländer, aber…” – ein Klassiker der 1980iger und 1990iger Jahre. Heute ist dieses Gelöbnis des Stammtisches kaum noch zu vernehmen. “Die” Ausländer taugen nicht mehr als generelles Feindbild. Diese Einsicht hat sich mittlerweile sogar bei NPD-Strategen durchgesetzt. Das völkische Blut- und Boden-Konzept hat ausgedient, ist nicht mehr attraktiv – wie zuletzt die “neue bunte” DFB-Elf bei der WM eindrücklich gezeigt hat. Doch wer nun hofft, die Sehnsucht nach Abgrenzung sei vorbei, der sieht sich getäuscht. Denn jetzt wird nach guten und schlechten Migranten selektiert. Die Suche nach dem neuen Fremden läuft.

Von Patrick Gensing

DFB-Integrationsspot: Die Eltern der deutschen Fußball-Nationalspieler schauen gemeinsam ein Spiel.

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Rassismus ist flexibel und passt sich gesellschaftlichen Rahmenbedingungen an. Offener Kolonialrassismus und antisemitische Rassenlehre sind zwar nicht gänzlich verschwunden, haben aber deutlich an Wirkungsmächtigkeit eingebüßt. Heute wird Ausgrenzung über Kultur und Religion vorgenommen; die Neue Rechte setzt seit Jahren auf den Ethnopluralismus, der den Begriff “Rasse” durch Kultur ersetzt. Und aktuell zeigt die Debatte um Thilo Sarrazin eindrücklich, wie effektiv diese Taktik greift.

Der Historiker Andreas Strippel sagte im Gespräch mit NPD-BLOG.INFO, der moderne Rassist sei da, wo er die Leitideen der Gesellschaft vermute. “Demographie und die Konjunktur der Kulturwissenschaft sind dabei der dikursive Rahmen, indem sich rassitische Argumentationen einfügen”, erklärt Strippel. Ihnen gemein sei “allen, dass sie letztlich homogene Gruppen konstruieren und als Gegensätze etablieren. Beispielsweise fleißige Deutsche gegen faule türkische und arabische Migranten. So werden mehr oder weniger direkt Reinheits- und Überlegenheitsphantasien ausgelebt.”

Andreas Strippel ist Historiker mit den Schwerpunkten Nationalsozialismus, historische Rassimusforschung, frühe Bundesrepublik. Im Frühjahr 2011 erscheint von ihm im Schönigh-Verlag “NS-Volkstumspolitik und die Neuordnung Europas.  Rassenpolitische Selektion der Einwandererzentralstelle des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD 1939-1945″.

Sarrazins Thesen über Muslime, die in Deutschland einen demographischen Eroberungsfeldzug führen (Kopftuchmädchen) und nichts zum gesellschaftlichen Wohlstand beitragen, werden toleriert, sogar als mutiger Beitrag gelobt. Erst als Sarrazin jüdische Gene ins Spiel brachte, wurden auch seine Unterstützer unruhig. Denn mit Argumentationen, die an den NS-Rassenwahn erinnern, möchte man dann doch nichts zu tun haben. Brauner Schmuddelkram.

Bunt ist, was sich integriert

Aber Muslime und “Integrationsmuffel” – die sind zur Selbstfindung und Identitätsbildung der Mehrheitsgesellschaft als äußerst tauglich befunden worden. Die Mehrheitsgesellschaft hat nichts gegen leistungsbereite Migranten, die beispielsweise in der Fußball-Nationalmannschft das Bild eines bunten, modernen und starken  Deutschlands nach außen tragen. Vorläufer des Ganzen war der putzige und fleißige Grieche oder Italiener mit seinem Imbiss an der Straßenecke, gegen den man natürlich nichts hatte – was Neonazis selbstverständlich nicht davon abhielt, auch Griechen oder Türken krankenhausreif zu schlagen – denn auf solche bürgerlichen Nuancen möchten die Kameraden nur ungerne Rücksicht nehmen.

In der aktuellen Debatte geht es aber nicht um gutes italienisches Essen, sondern es  werden in zahllosen Beiträgen Szenarien entworfen, wonach in sämtlichen deutschen Städten unhaltbare und gefährliche Zustände herrschten. Vor türkischen Hochzeitsgeschäften,  Kopftuchmädchen mit Sprengstoffgürteln sowie genetisch verblödeten Familienclans könne der kleine Mann, der sein Leid übrigens angeblich nicht äußern darf, kaum noch vor die Tür gehen. Diesen Eindruck bekommt man zumindest beim Überfliegen der zahllosen Forumseinträge, Leserbriefe und Medienbeiträge zur “Sarrazin-Debatte”.

Produkt einer politisch gewollten Entwicklung

Historiker Strippel meint, ein zentrales Element dieser Strategien sei die Vorstellung,  die Essenz der überlegenen Gruppe zu bewahren, die irgendwie von den anderen bedroht werde. “Also im Fall Sarrazin die Abschaffung des fleißigen Deutschen durch den sozial-minderwertigen Migranten-Pöbel. Die sozialen Wurzeln des Rassimus werden bei diesem Bild auch noch bedient.”

Strippel betont, Sarrazin könne und wolle nicht darüber reden, dass die Abgehängten ein Produkt einer politisch gewollten ökonomischen Entwicklung seien. “Die Verrohung, die sich daraus ergibt -  beispielsweise Resignation, das Verharren in vormodernen Machostrukturen, religöse Verblendung und Antisemitismus – werden dann zum Ausweis für die Richtigkeit des Ganzen genommen. Kultureller und sozialer Status werden miteinander kurzgeschlossen und zu einem Kreislauf geformt. Der rassistische Zirkelschluss ist perfekt.

Die Feinde: Islam und 68er

Vermeintlich äußerer Feind in dieser Strategie ist “der Islam”. Innerer Feind sind die 68er und “Gutmenschen,” welche wahlweise durch die Nazi-Keule, das Mittel der Political Correctness oder gleich Berufs- und Redeverbote die mutigen Tabubrecher mundtot machen wollen. Diese linke Kaste aus Politikern und Medienvertretern wollen demnach sofort den Volkstod der Deutschen (NPD) oder schaue aus falsch verstandender Toleranz zu, wie Deutschland sich abschaffe (Sarrazin). Fakten spielen kaum eine Rolle, werden entsprechende Berechnungen widerlegt, verweisen die Propheten des Untergangs auf andere Argumente, welche stichhaltiger seien. Ein Hase-und-Igel-Spiel der Irrationalitäten.

Diese inneren und äußeren Feinde sind identitätsstiftend für eine mögiche neue rechte Partei, über die seit Jahren spekuliert wird. Die NPD ist dabei aus dem Rennen; zu tumb, zu militant im Auftreten – und ein verbranntes Etikette verhindern einen Neustart des braunen Haufens. Da hilft es auch nichts, sich rasch das Label “Soziale Heimatpartei” anzukleben. Sollten sich mehrere halbwegs prominente Ex-CDUler oder SPDler vom Schlag eines Stadtkewitz` oder Sarrazins zusammenfinden, wird die NPD endgültig von der Bildfläche verschwinden – Verankerung in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen hin oder her.

Schlägt jetzt die Stunde der Rechten?

Alexander Häusler bemerkte zutreffend im Interview mit tagesschau.de, dass auf dem Ticket des vermeintlichen Kampfs gegen Political Correctness und Meinungsdiktatur populistisch ein Feld besetzt werden könne, das bislang die rein neonazistische auftretende extreme Rechte in der Bundesrepublik nicht besetzen konnte. “Nämlich vom offenen Bekenntnis zum Nationalsozialismus und auch zum Antisemitismus Abstand zu nehmen und den Rassismus, der nach wie vorhanden ist, über den Umweg der vermeintlichen Kultur- und Religionskritik mehrheitsfähig zu machen. Das ist ein Feld, das Wilders bereitet hat und das zur Nachahmung in der extremen Rechten in ganz Europa und eben auch in der Bundesrepublik einlädt.”

Die Rechte in Deutschland hofft, die Stunde sei nun gekommen. Heute will der Ex-CDU-Politiker Rene Stadtkewitz in Berlin eine neue Partei gründen. Stadtkewitz bringt beste Voraussetzungen mit: Er wurde aus der CDU-Fraktion in Berlin ausgeschlossen, weil er eine Einladung an Geert Wilders nicht rückgängig machen wollte. Also ein Vorzeigeopfer des “linken Meinungsterrors” – mit politischem Netzwerk. Stadtkewitz beklagt übrigens, die Probleme mit muslimischen Einwanderern würden in Deutschland kleingeredet.

Ein absurder Befund, wenn man sich mit der Materie beschäftigt, denn seit Jahren gibt es umfangreiche Untersuchungen und Programme auf diesem Gebiet; die große Öffentlichkeit interessiert sich nur leider zumeist nicht für solche Feinheiten. Groß wurde das Thema aber auch in den vergangenen Wochen – durch die Vorabdrucke von Sarrazins Thesen in BILD und Spiegel. Allerdings ist es nicht das erste Mal, dass die Öffentlichkeit das Thema Ausländer / heute Migranten entdeckt: Man erinnere sich nur an Wahlkämpfe von Roland Koch oder Jürgen Rüttgers – oder an die unseelige Medienhetze gegen Flüchtlinge Anfang der 1990er (ganz weit vorne dabei: BILD und Spiegel). Auch Ede Stoiber warnte bereits – übrigens ohne danach geschasst zu werden – vor einer durchrassten Gesellschaft.

Das Problem war also nicht ein angebliches Tabu, was das Thema Ausländer, Migranten oder Integration angeht, das Problem besteht vielmehr in der vollkommenen Unwilligkeit der Mehrheitsgesellschaft, sich auch nur einen Zentimeter zu bewegen. Darum geht es auch in der aktuellen Debatte nicht, stets ist von den anderen die Rede, die sich zu integrieren hätten. Dynamische, wechselseitige Prozesse und deren Chancen spielen weiterhin keine Rolle. Leidkultur pur.

Butter bei die Fische!

Die Chancen für eine rechtspopulistische Partei in Deutschland lassen sich indes nur schwer abschätzen. Das Wählerpotenzial scheint vorhanden zu sein, dazu gehört auch ein Heer von Abgehängten, das offenbar das Kreuz bei der Partei macht, welche am meisten “gegen die da oben” ist. Aber gibt es auch genügend politische Köpfe, die  in einer neuen Rechten miteinander arbeiten können? Hier könnten sich einmal mehr die zusammenschließen, die in anderen Zusammenhängen nichts wurden – oder nicht gewollt waren. Also eine Versammlung von – gelinde gesagt – nicht ganz einfachen Charaktären. Bislang haben sich sämtliche rechte Neugründungen innerhalb kürzester Zeit wieder zerlegt – oder sie kamen erst gar nicht über ein Dasein als Splitterpartei hinaus.

Neu an der Situation ist jedoch, dass sich halbwegs prominente und erfahrene Politiker zu einer neuen Partei rechts von der Union zusammenfinden könnten. Auch ein Zugang zu Massenmedien scheint vorhanden. Die neue  Rechtsaußen-Partei  könnte also Wirklichkeit werden. Das kann Vorteile haben. Denn die vermeintlichen Tabubrecher und angeblichen Querdenker müssen nun auch selbst handeln, ein konkretes Programm erarbeiten; beweisen, wie sie es besser machen wollen. Butter bei die Fische sozusagen.

Tendenz: nationalistisches Lager

Ob die Rechten dann mehr zu sagen haben als eine Person wie Eva Herman, die als Verfechterin konservativer Werte gefeiert wurde? Die, wie Volker Weiß treffend schrieb, in  der Öffentlichkeit doch nur ihre Naivität und mangelnde Bildung offenbarte. Dadurch habe sich der Konservatismus endgültig dem Massenspektakel untergeordnet, das zu verachten er stets vorgab. Ähnlich verhält es sich derzeit im Fall Sarrazin und Erika Steinbach, welche durch bemerkenswert schlichte Argumentationen auffallen. Dieser Populismus, betont Weiß, sei “das Gegenteil des konservativen Gebots einer »Haltung«an der die aristokratischen Ursprünge der Strömung erkennbar sein sollen. Er tendiert in das mehr oder weniger radikal nationalistische Lager.”

Und der Publizist Rolf Schneider antwortete auf die Frage, was eigentlich konservativ sein solle im DeutschlandradioKultur:

Werden deutsche Repräsentanten befragt, liefern sie als Antwort eine diffuse Ansammlung von Einzelheiten. Man ist für Familie, für Religion, für preußische Ordnungsbegriffe, man misstraut dem Liberalismus und dem Marxismus sowieso. Man ist für Brauchtum, einen starken, wehrhaften Staat. Das ist nicht besonders viel. Manches davon lässt sich auch bei anderen politischen Strömungen finden. [...]

Otto von Bismarck, Paul von Hindenburg und Alfred Hugenberg waren unzweifelhaft Konservative. Hindenburg und Hugenberg wurden mitschuldig an Hitler. Der späte Bismarck regierte innenpolitisch auch nicht eben glücklich, man denke an Kulturkampf und Sozialistengesetz. Zu beidem dürften heutige Konservative in Deutschland sich ungern bekennen wollen. Sie sind Bürgerliche mit rührend altmodischen Ansichten. Ihr Konservatismus ist nicht viel mehr als ein ideologischer Phantomschmerz.

Siehe auch: Pro-Deutschland bietet Sarrazin den Vorsitz an, Rechte Revolte: Mehr Gott, mehr Staat, mehr Vaterland, Konservatismus – ein ideologischer Phantomschmerz, Auf dem Selbstfindungstrip, Die Union und der rechte Rand, Konservatismus – ein ideologischer Phantomschmerz

15 Kommentare »

  • Frauenknecht said:

    Migranten der verschiedensten Nationalitäten sind allenfalls attraktiver und medienrelevanter als deutsche Hartz IV-Empfänger.

    Grüsse aus dem Bereich der Gene von Arbeitslosen

  • ebook leser said:

    Die Bundesbank hat ihr Problem Sarrazin jetzt gelöst. Auch wenn es jetzt das öffentlich gemacht hat was immer vermutet wurde. Die Bundesbank ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. Der Weber hat ja nur das gemacht, was die Merkel ihm gesagt hat. Dieser Mann ist für die EZB natürlich nicht geeignet. Der ist reif für den Ruhestand.

  • mar52 said:

    Naja, vielleicht warten wir erstmal auf die Ansage der Bundesbank. Herr S. hat es ja nicht so sehr mit Fakten, da hoere ich lieber beide Seiten der Geschichte.

  • Felix Krebs said:

    Srarrazin ist kein neuer Rechter, sonder ein alter – die Gefahr einer neuen Rechts Partei wird m. E. überschätzt.

    Der eugenische Kern, also die Debatte um biologisches Erbgut, statt um kulturelles Erbe, bei Sarrazin hat seinen Ursprung in den rassistischen, bevölkerungspolitischen Diskussionen in den USA zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Frank Schirrmacher stellte in der FAZ (30.08.10) kritisch fest „ Es geht um die Verbindung von Erbbiologie und Kultur und damit letztlich um, ein Wort, das Sarrazin so unerschrocken benutzt, wie einst Gottfried Benn, ‚Zuchtwahl’ und ‚Auslese’“. – Zuchtwahl und Auslese diese Wortwahl benutzten die Nationalsozialisten! Und statt adjektivisch, vornehm von „dysgenisch“ zu sprechen, wie Sarrazin es tut, hieß es damals ehrlicherweise „Rassenhygiene“ – das deutsche Wort für Eugenik.

    Schirrmacher weist in seinem Text auch nach, das Sarrazin in seinem Traktat bewusst einige „Begriffe, Namen und Quellen im Register nicht“ nennt, „obwohl sie sich in den Fußnoten oder über Verweise rekonstruieren lassen. Das ist kein Versehen“, so Schirrmacher. Sarrazin greift vollkommen veraltete Theorien, wie z.B. die des Biologen Harry Laughlin , des Ökonomen Irving Fischer und des Eugenikers Francis Galton auf. In einer Fußnote geht Sarrazin davon aus, dass eine „Erblichkeitsannahme von 80 Prozent“ „grundsätzlich schlüssig“ sei. Als aktuellerer Quelle bedient sich der Bundesbanker aus dem tendenziösen Werk „The Bell Curve“, des Politikwissenschaftlers Charles Murray und des Psychologie-Professors Richard Herrnstein aus den USA. Die „American Psychological Assosiation“ , wies die Thesen von Murray und Herrnstein 1995 im Wesentlichen als wissenschaftlich unhaltbar zurück. Des Weiteren beruft sich Sarrazin u.a. auf die Thesen des Verhaltensforschers Irenäus Eibl-Eibesfeldt, der seine ethologische Forschung an Tieren auf menschliches, intelligenz-gesteuertes Verhalten überträgt und deshalb heftig kritisiert wurde. Eibl-Eibesfeldt dient nicht nur Herrn Sarrazin als Referenz, sondern auch neofaschistischen Ideologen der NPD. Trotzdem kann man bei Sarrazin lesen: „Jeder Hunde- und Pferdezüchter lebt davon, dass es große Unterschiede im Temperament und Begabungsprofil der Tiere gibt und dass diese Unterschiede erblich sind“ und er suggeriert so gleich die Übertragbarkeit auf den Menschen. Für eine kurze kritische Einführung in die eugenische Methode von Sarrazin, sei der erwähnte Artikel von Frank Schirrmacher empfohlen, für weitergehende Kritik an solchen Erbtheorien die Bücher „Der falsch vermessene Mensch“, von Stephen J. Gould, oder „Die Gene sind es nicht…“ von Lewontin, Rose und Kamin.
    Zuletzt die Stellungnahme des Verbandes Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland e.V. – VBIO: “Herr Sarrazin hat die grundlegenden genetischen Zusammenhänge falsch verstanden – seine Aussagen beruhen auf einem Halbwissen, das nicht dem Stand der Evolutionsforschung entspricht.”

    Es ist ein gewisser Trost, dass Thilo Sarrazin das große extrem rechte Potential nicht mit einer Partei oder einer Vereinigung mobilisieren will. Er wolle SPD-Mitglied bleiben und fühle sich im Übrigen zu alt. Das Problem von elitären Populisten wie Sarrazin ist, dass sie einen rassistischen Mob mobilisieren, den sie im tiefsten Inneren verachten. Mit einem SPIEGEL-Leser würde er sich noch an einen Tisch setzen, einen arbeitslosen, übergewichtigen Hauptschulabgänger, der von der NPD zur Sarrazin-Partei wechseln würde, möchte Herr Bundesbanker lieber ins Arbeitslager stecken, als in seiner Nähe haben. Wegen diesem Widerspruch zwischen Mob und Elite, ist Deutschland, von Ausnahmen wie Schönhuber und Schill abgesehen, bisher von rechtspopulistischen Parteien, wie anderenorts in Europa, verschont geblieben. Und die bestehenden neofaschistischen oder rechtspopulistischen Versuche haben zum Glück bisher weder charismatische Führer hervorgebracht, noch einen funktionierenden Parteiapparat organisieren können. Denn braune Projekte ziehen nun einmal allerlei Gelichter, Karrieristen und Glücksritter an, wie Scheiße die Fliegen.

    Sarrazins Gefahr liegt m. E. darin, dass er den gesamten Diskurs um Migration und Integration, Leistung und Elite, Solidarität oder Ausgrenzung, Sozialstaat oder gnadenlose Konkurrenz, nach rechts befördert. In dem berüchtigten letzten Kapitel seines Buches deutet Sarrazins dieses an. Die sich schnell wandelnde Diskussion in Feuilletons, Boulevard und Talkshows lässt befürchten, dass nicht mehr die eindeutige Zurückweisung der eugenischen, rassistischen und elitären Thesen von Sarrazin auf der Agenda stehen, sondern unter dem Stichwort der „Debatte um eine gescheiterte Integration“, auf eine reaktionäre Lösung gesetzt wird. Dass während der lautstarken Debatte um eine angeblich nötige Verschärfung von Migrations- und Asylpolitik, auch ein weiterer Abbau des Sozial- und Bildungswesens vorangeht, dass der Zwang zur Arbeit um jeden Preis, der Kampf Aller gegen Alle und die Spaltung in Arm und Reich zunehmen. Die Gefahr liegt also nicht primär in der Person Sarrazin und einer rechtspopulistischen Partei, sondern in der Rechtsentwicklung aller Parteien.

  • NPD-BLOG.INFO said:

    Moin Felix,
    wenn sich nun doch mal ein halbwegs geschickter und vorzeigbarer Kopf zeigt, könnte es auch eine neue rechtsradikale Partei geben, die erfolgreich ist. Allerdings ist dies bislang nicht zu erkennen – und daher meine ich, Du liegst mit Deiner Einschätzung richtig. Wenn man sich die aktuellen Äußerungen von Seehofer und Merkel zu Steinbach anschaut, wird bereits deutlich: Die Union will den rechten Rand weiter integrieren – auch auf Kosten geschichtsrevisionistischer Thesen (was ebenfalls nicht neu ist).
    Mehr dazu hier gleich auf der Seite – ein Interview mit A. Häusler zum Thema.
    Gruß
    Patrick

  • NPD-BLOG.INFO » Blog Archive » “Kante zeigen – gegen einen Ruck nach Rechts” said:

    [...] Lesetipp: Sarrazin und die Suche nach dem neuen Fremden [...]

  • NPD-BLOG.INFO » Blog Archive » “Sarrazin hat recht” – nur die NPD selbst weiß es besser said:

    [...] Siehe auch: Ungeliebte Groupies: Sarrazin zeigt die NPD an, Sarrazin und die Suche nach dem neuen Fremden [...]

  • NPD-BLOG.INFO » Blog Archive » Sarrazin und die Suche nach dem … » News & Nachrichten said:

    [...] NPD-BLOG.INFO » Blog Archive » Sarrazin und die Suche nach dem … Tags:dem-neuen, sich-gesellschaftlichen, sind-zwar, fremden, ist-flexibel, Suche, [...]

  • Peter said:

    In einem Asterix-Band (mir ist z.Zt. nicht präsent, in welchem) sagt Methusalix sinngemäß: “Ich habe nicht gegn Fremde. Einige meiner Freunde sind Fremde. Aber diese Fremden sind nicht von hier!”

    Womöglich sind wir immer noch mental in der Zeit der Jäger und Sammler gefangen, die für ihre eigene Gruppe zu sorgen hatten und jeden Fremden als Konkurrenten um die Ressourcen gesehen haben.

    Heute sind’s halt keine Mammuts mehr, sondern Arbeitsplätze, Sozialleistungen etc.

    Und das obwohl unter den Migranten laut tagesschau.de mehr erfolgreiche Selbständige sind, als unter den “Eingeborenen”.

    Aber Fakten haben gegen Vorurteile keine Chance, weil man diese überdenken, jene aber einfach übernehmen kann.

    ‘s Peterle

  • Joseph Wirth said:

    Deutschland verdummt!

    Laut einer US-amerikanischen Langzeitstudie schneiden konservative Menschen im Schnitt um 10 Punkte schlechter bei IQ-Tests ab, als liberal denkende Menschen. (Nein, damit ist nicht die FDP gemeint ;) )

    Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wissen/iq-und-politische-einstellung-konservative-sind-weniger-intelligent-1.13440

    Da Konservative auch eher dazu neigen, traditionelle Werte, wie die Frau hinterm Herd und das Zeugen von Kindern, hoch zu halten, ist die Kinderquote unter Konservativen weitaus höher als unter ihren nicht-konservativen Mitmenschen. Dies bewirkt, dass die Dummen in Deutschland sich vermehren, während die Intelligenten langsam aussterben. Konservative weigern sich außerdem oft, sich in die multikulturelle deutsche Gesellschaft zu integrieren und bauen lieber in den äußersten Winkeln Deutschlands, z.B. in ländlichen Gegenden Bayerns, eine Art Parallelgesellschaft auf, in der sie ein von ihrem Gott gegebenes Weltbild pflegen. Dies stellt eine starke Bedrohung für deutsche Grundtugenden, wie Toleranz und Vielfalt, dar.

    Das Fortschreiten der konservativen Ideologie ist für jeden Menschen mit Augen im Kopf deutlich sichtbar. Überall, beinahe in jedem Dorf, stehen mittlerweile die Monumente ihrer Machtübernahme, teilweise mit über 150 m hohen Minaretten. Im Jahr 2009 gab es allein 15367 Imame, die hauptberuflich das katholisch-konservative Weltbild verbreiteten. Und diese Spielart des Konservatismus ist bei weitem nicht die einzige in unserem Land.

    Wir dürfen die konservative Bedrohung in unserem Land nicht weiter ignorieren. Ich möchte nicht, dass meine Enkelkinder in einem konservativen Gottesstaat mit einem alten Mann an der Spitze aufwachsen. Deswegen dürfen wir bei konservativen Integrationsverweigerern nicht länger wegsehen, sondern müssen sie hart bestrafen. Konservative Straftäter müssen ohne großes Brimborium sofort in ihre Heimat, den Vatikanstaat, ausgewiesen werden.

    Dabei möchte ich allerdings auch klarstellen, dass anpassungswillige Konservative in unserem Land selbstverständlich herzlich willkommen sind. Außerdem verwahre ich mich ausdrücklich gegen Rassismus, Chauvinismus, Linksextremismus, das Sandmännchen und jede genetische oder sozialdarwinistische Begründung meiner Thesen.

  • Sarrazzins-Groupies. « Reflexion said:

    [...] die Argumente ausgehen, weil sie oftmals mit ganz ähnlichen rassistischen Angstphantasien vor dem „Fremden“ ausgestattet sind, wie die anderen Deutschen, die sich auf Sarrazins Seite geschlagen haben. Eine [...]

  • NPD-BLOG.INFO » Blog Archive » Getrennt marschieren oder den rechten Flügel stärken? said:

    [...] im “Studienzentrum Weikersheim” , “Dem Konservatismus fehlt es an klugen Denkern”, Sarrazin und die Suche nach dem neuen Fremden, Rechte Revolte: Mehr Gott, mehr Staat, mehr [...]

  • NPD-BLOG.INFO » Blog Archive » Integrationsdebatte: Wann habt Ihr fertig? said:

    [...] Siehe auch: Getrennt marschieren oder den rechten Flügel stärken?, “Kante zeigen – gegen einen Ruck nach Rechts”, Sarrazin und die Suche nach dem neuen Fremden [...]

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  • NPD-BLOG.INFO » Blog Archive » Junge Freiheit: Prekäre Partystimmung said:

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