Deutschland im Mai 2012 am Abgrund: Der Fußball steht an einer “Schnittstelle”, Eltern bringen ihre Kinder leichtfertig in Lebensgefahr, Reporter müssen sich von dem Erlebten, von dem Schock erst einmal erholen. Die Apokalypse-Visionen der 1980er verblassen angesichts der aktuellen Bedrohungen. Hurra, wir leben noch. Ach ja, Fortuna Düsseldorf ist in die Bundesliga aufgestiegen.
Der Shoah-Überlebende und Widerstandskämpfer Arno Lustiger ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Als Historiker und Publizist war er ein wichtiger Chronist des jüdischen Widerstandes gegen die Deutschen und des Holocaust.
Am Donnerstag soll wie jährlich in Frankfurt mit einer Kranzniederlegung an die homosexuellen Opfer der Nazis erinnert werden. Das Ordnungsamt hat jedoch die Mahnwache am Denkmal für ermordete Homosexuelle am Internationalen Tag gegen Homophobie mit einem Verweis auf die Blockupy-Proteste verboten.
Die Wahlbeteiligung sinkt, unter den Nichtwählern sind drei Gruppen überrepräsentiert: die Jungen, die schlecht gebildeten und die Armen. Politik und Medien bedauern das und gehen zum Tagesgeschäft über. Die Rituale des Politikbetriebes sind dabei so vorsehbar wie die Pokalübergabe bei Sportereignissen.
Ein pakistanischer Imbissbetreiber will Geithain verlassen – nach Drohungen von Neonazis und einem Anschlag auf sein Geschäft mit dem Namen “Bollywood”. Die örtlichen Nazis jubeln. Das „Freie Netz Geithain“ meldete per Twitter: „Märchen mit gutem Ende? Pakistanischer “Bollywood”-Betreiber packt seine Koffer!” Das LKA schließt derweil einen rechtsextremen Hintergrund des Anschlags nicht aus.
Am Dienstag legt die Schäfer-Kommission ihren Bericht über die Pannen bei der Fahndung nach Bönhardt, Mundlos und Zschäpe vor. Der MDR zitiert vorab aus dem Papier, das gravierende Pannen auflistet. Zudem berichtet der Sender, die drei Rechtsterroristen hätten sich nach ihrem Abtauchen noch in Jena aufgehalten, möglicherweise seien sie bei einem damaligen NPD-Funktionär untergekommen.
Die Gerüchte machten schon vor 18.00 Uhr die Runde: Norbert Röttgen wird in Nordrhein-Westfalen als NRW-CDU-Landesvorsitzender zurücktreten. Ministerpräsidentin Kraft feierte hingegen mit ihrer SPD einen Triumph. Die rot-grüne Koalition wird wohl fortgesetzt. Keine Chance bei der Wahl hatten pro NRW und die NPD – trotz des Krawall-Wahlkampfs.
Seit 2009 gilt auf dem Hamburger Kiez ein Glasflaschenverbot. Es ist Teil eines ganzen Maßnahmenpakets für mehr Sicherheit und weniger Kriminalität, das die Einrichtung von Gefahrengebieten, Videoüberwachung und allerlei Kontrollen und Verbote umfasst. Bei der Wirksamkeit ist allerdings Skepsis angebracht.
Seit der Veröffentlichung von Thilo Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab“ vor knapp zwei Jahren ist die große Welle der Empörung mittlerweile abgeebbt. Sein Name aber ist noch jedem bekannt: für die einen ist er messianischer Tabubrecher, für die anderen Symbolfigur eines Salon-Rassismus aus der Mitte der Gesellschaft.
Die EU, von Max Goldt einst als „Germany plus“ tituliert, ist zum Club der Sparfüchse mutiert. Debatten über gemeinsame politische Ziele spielen keine Rolle mehr, Europa hat das „pa“ aus seinem Namen gestrichen – und kennt nur noch ein Thema: Sparen. Doch damit könnte jetzt endlich Schluss sein – was Berlin erzürnt.
Im Schatten der Berichterstattung über die schleswig-holsteinische FDP, die Piraten und das Verbot der Ponywerbung erlebt Russland die wahrscheinlich heftigsten Anti-Putin-Proteste seit dessen erster Amtszeit. Während man sich hierzulande um die Demokratiedefizite in der EM-Ukraine sorgt, wird in Russland Geschichte geschrieben, aber davon bekommt man in Deutschland kaum etwas mit.
Nach den schweren Ausschreitungen von Salafisten in Bonn, bei denen mehrere Polizisten schwer verletzt wurden, versuchen Rechtsextreme offenkundig weiteren Hass zu provozieren. So kursiert in rechtsextremen Kreisen ein Video, das angeblich von radikalen Islamisten erstellt wurde. Eine Fälschung, meint die Expertin Claudia Dantschke.
Die antimuslimisch-rassistische Kleinstpartei Pro NRW und die gewaltbereiten Gruppen innerhalb des radikalislamistischen Salafismus kommen nur mit Negativschlagzeilen aus ihrer jeweiligen Bedeutungslosigkeit heraus. Dies führte am Samstag zu schweren Ausschreitungen in Bonn, bei denen zwei Polizisten schwer und 29 weitere leicht verletzt wurden. Eine Aktuelle Stunde im WDR titelte: „Straßenkampf in Bonn“.
Die Raffinesse der Inszenierung, mit der „Bild“ im Fall Wulff agiert habe, suche ihresgleichen. Zu diesem Ergebnis kommt eine OBS-Studie. Faktisch hätten die anderen Medien den „Bild“-Karren aus dem Dreck gezogen, indem sie den Mailbox-Anruf zu einem Angriff auf die Pressefreiheit hochgeschrieben hätten.